Winterthur

Fussballer Bengondos Zukunft als Unternehmer

Nach dem Fussball ist vor dem Unternehmertum: Seit vier Jahren verkauft Patrick Bengondo Schienbeinschoner.

Blickt optimistisch in die Zukunft: Der Captain des FC Winterthur ist auch Unternehmer.

Blickt optimistisch in die Zukunft: Der Captain des FC Winterthur ist auch Unternehmer. Bild: Johanna Bossart

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Es war vor vier Jahren, an einem Heimspiel. «Wie immer kurz vor dem Match wollte ich meine Schienbeinschoner anziehen», erinnert sich Patrick Bengondo. Da sah er, dass die Namen seiner beiden Kinder Sam und Leti, die er mit Filzstift draufgeschrieben hatte, schon wieder verschmiert waren. «So konnte ich unmöglich aufs Feld!» Weil viele Spieler solche Rituale haben, kam er auf die Idee, Schienbeinschoner mit individuellen Sujets zu bedrucken. Mehrere Tausend Paare hat Bengondo nach eigenen Angaben in den letzten drei Jahren schon verkauft.

Zwei Grössen, die er selber entworfen hat und produzieren lässt, stehen zur Auswahl. In Winterthur werden die Rohlinge dann nur noch bedruckt und versiegelt. Die meisten Kunden wollen ihre Schoner mit dem Logo eines Vereins oder mit ihrer Nummer verziert haben. «Es gab aber auch schon mal einen, der wollte ein Bild von Jesus, der über das Wasser läuft. Und ein anderer hat sich den Hintern seiner Freundin im knappen Bikini auf die Schoner drucken lassen.»

«Bin sehr zufrieden»

Es sei ein idealer Job, schwärmt Bengondo. «Da ich keinen Laden habe, sondern nur meinen Webshop www.bdiamond.ch, kann ich von überall aus arbeiten, selbst wenn ich in Afrika bin.» Das heisse aber nicht, dass er an seinem baldigen Ausstieg aus dem Profifussball arbeite oder weg aus Winterthur wolle. «Ich fühle mich in Winterthur wohl, als Sportler wie als Unternehmer», sagt er. Dass er sein eigenes Unternehmen aufbaue, habe andere Gründe: «Ich habe einen stark ausgeprägten Überlebensinstinkt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich mit 17 weg von meiner Familie in Akonolinga in Kamerun bin. Mir war damals schon klar: Ich muss es alleine schaffen oder ich schaff es nicht.»

Das Geschäft laufe gut, sagt Bengondo. «Wenn es so weitergeht, verdiene ich in einem Jahr genug, um davon leben zu können.» Genau in die Karten schauen lässt sich der Unternehmer aber nicht. Nicht beim Geschäft und auch nicht, wenn es dar­um geht, was seine Schienbeinschoner so speziell macht: «Es ist die Schutzschicht», verrät er. Mehr will er dazu aber nicht sagen: «Das ist wie bei Coca-Cola, dass ist das Rezept auch geheim!», sagt er und lacht.

Immer das Beste geben

Wie auf dem Sportplatz will er auch im Geschäftsleben nur sein Bestes liefern. Deshalb habe er lange getüftelt und an sich selber getestet. «Christian Leite, der damals Torwart war, kaufte mir vor drei Jahren als Erster ein Paar ab», erinnert sich Bengondo. «Dafür bin ich ihm bis heute dankbar.»

Der Schreck war deshalb gross, als Leite eines Tages zu ihm kam und ihm verstohlen einen defekten Schoner zusteckte. «Ich habe schnell gesehen, dass das ein Problem des Schutzüberzugs war. Zum Glück hatte ich erst drei Paare verkauft.» Seither arbeitet Bengondo mit einem Winterthurer Karosseriespezialisten zusammen und habe nie mehr Probleme gehabt. «Sie sind jetzt fast perfekt!» Was denn noch fehlt? «Nichts!», sagt er. «Ich bin einfach nie ganz zufrieden!»

Hin und wieder komme auch Kritik von Kunden, vor allem, dass die Schoner teurer seien als andere. «Das stimmt», gibt Bengondo unumwunden zu. Aber der Kunde müsse betreut werden, das Bedrucken und Versiegeln sei aufwendig. Dafür beschäftige er drei Leute. Er persönlich ist für die Qualitätssicherung zuständig. «Es geht alles durch meine Hände. Immer.»

Aufgeben ist keine Option

Er hat viel gelernt, nicht nur, was das Material angeht. Heute fange er zum Beispiel erst mit der Fertigung an, wenn der Auftrag bezahlt sei. Seine Fehler haben ihn aber nicht nur Zeit und Geld gekostet. Auch sein Glaube an das Gute im Menschen hat einen kleinen Knacks bekommen. «Das Schwierigste ist es, wenn dir nahestehende Leute dich kritisieren, aber nicht um dich weiterzubringen, sondern um dich zu bremsen.» Er könne schon nachvollziehen, dass man die Idee, aus Schienbeinschonern ein Business zu machen, schräg findet. «Aber: Wenn du jemanden nicht unterstützen kannst, brauchst du ihn doch nicht gleich zu entmutigen!»

Aufgeben war trotzdem nie eine Option. Im Gegenteil. Jetzt, wo das Geschäft mit den Schienbeinschonern eta­bliert ist, will er weiter wachsen. Mit T-Shirts und Kopfhörern. Auch die sind – wen wunderts? – bedruckbar.

Es sei der Instinkt, der ihn antreibe: «Fussballer glauben, sie könnten ein Leben lang Spitzensport betreiben», sagt er. Wer in der Schweiz spiele, verdiene nicht Millionen und habe nicht ausgesorgt. «Die Realität ist: Irgendwann ist es fertig. Wenn du Glück hast, kannst du diesen Zeitpunkt selber bestimmen. Wenn du Pech hast, übernimmt das dein Körper.» Auch ihn werde es treffen. Aber im Gegensatz zu anderen schaut er dieser Zeit entspannt entgegen. Es wird weitergehen. Anders. Aber auch gut. Und vor allem so, wie er will. (Landbote)

Erstellt: 21.12.2015, 20:58 Uhr

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