Winterthur

Den Schiedsrichter-Pfiff hören sie nicht

In Winterthur findet die WM im Gehörlosen-Futsal statt.

Die Futsal-WM findet zum ersten Mal in der Schweiz statt.

Die Futsal-WM findet zum ersten Mal in der Schweiz statt. Bild: Screenshot

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In ihre Pfeife bläst die Schiedsrichterin eher pro forma. Wirklich bemerkbar machen muss sie sich mit einer Flagge. Denn: Die Spieler, die auf dem Feld stehen, sind alle gehörlos. Es wird fleissig gestikuliert.

Schon zum vierten Mal trifft sich ab Freitag die Weltspitze im Futsal für Gehörlose. Die von der Fifa anerkannte Hallenfussballvariante mit je fünf Spielern pro Team stammt ursprünglich aus Südamerika, wo Fussballgrössen wie Lionel Messi, aber auch schon Pelé damit ihre ersten Kickererfahrungen sammelten. Seit 2007 gibt es alle vier Jahre gleichzeitig eine Gehörlosen-WM für Männer- und für Frauenteams.

Erste WM in der Schweiz

Zum ersten Mal wird das Turnier dieses Jahr in der Schweiz durchgeführt. Vom Freitag, 8., bis am Samstag, 16. November, messen sich 14 Männer- und 12 Frauenteams in den Eulachhallen in Winterthur. Der Austragungsort habe sich angeboten, da dort 2010 bereits die Europameisterschaft stattgefunden habe, sagt Roman Pechous vom Schweizerischen Gehörlosen-Sportverband (SGSV-FSSS).

Highlights der Asienspiele. Video: Youtube

Das Turnier spielerisch eröffnen wird das Schweizer Männerteam am Freitag um 19 Uhr gegen Kroatien, am Montag folgt Spanien. Der dritte Gruppengegner, Kamerun, musste absagen. «Das erste Spiel wird deshalb entscheidend sein für das Weiterkommen der Schweizer Männer», sagt Pechous. Die Frauen greifen am Samstagvormittag gegen Brasilien ins Turnier ein. Am Sonntag treffen sie auf die Niederlande und am Montag auf Thailand.

Abwesender Weltmeister

An den bisherigen drei Weltmeisterschaften hat es den Schweizer Teams nie zu einem Exploit gereicht. Das beste Resultat schaffte das Männerteam 2015 in Thailand mit dem sechsten Rang. Entsprechend formuliert man beim Verband denn auch als Ziel, bei der Heim-WM unter den ersten acht zu landen. Herren-Teammanager Reto Thurnherr zeigt sich allerdings optimistisch: «Gewinnen wir das Spiel gegen Kroatien, ist an dieser WM alles möglich.»

«Das Niveau ist in den vergangenen Jahren klar gestiegen.» Reto Turnheer

Einen Wechsel an der Spitze wird es bei den Männern auf jeden Fall geben. Das iranische Team, das 2011 in Schweden und 2015 in Thailand den Pokal in die Höhe stemmen konnte, hat kurzfristig abgesagt. «Offiziell, weil dieses Jahr bereits die asiatischen Meisterschaften waren und das Programm für die Mannschaft zu dicht sei», so Pechous. Allerdings: Das öffentliche israelische Fernsehen berichtet, der Iran habe sich aus politischen Gründen vom Turnier abgemeldet. Der iranische Verband habe erfolglos verlangt, die Gruppe zu wechseln, um nicht auf Israel zu treffen. Das Spiel war für Samstag angesetzt gewesen. Favoriten sind nun Russland, Thailand und Europameister Spanien. Bei den Damen gelten Brasilien, Europameister Polen und der zweifache Weltmeister Russland als die Teams mit den grössten Chancen auf den Titel.

Dass gerade Futsal sich als eine Paradesportart für Gehörlose etabliert hat, sei kein Zufall, sagt Roman Pechous. «Wegen des kleinen Feldes ist die Kommunikation einfacher», erklärt er. Den Hauptunterschied zum «normalen» Futsal sieht er denn auch in der rein visuellen Kommunikation – und darin, dass es dadurch manchmal einen Moment dauere, bis die Spieler einen Schiedsrichterentscheid mitbekommen. Spielerisch merke man, dass sich der Sport durch die regelmässigen Turniere weiterentwickle, sagt Reto Thurnherr. «Das Niveau ist in den vergangenen Jahren klar gestiegen.»

Gehörlosen-Futsal-Weltmeisterschaft, 8. bis 16. November, Eulachhallen Winterthur. Eintritt frei. https://futsal2019.com/

Erstellt: 08.11.2019, 09:36 Uhr

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