Neue Strategie

Stefaninis Vermächtnis wird öffentlich

Die Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte macht vorwärts. Transparenz, Kooperation, Partizipation und Innovation sind die Schlagworte, welche ihre Zukunft prägen sollen.

Aus einer undurchsichtigen Organisation wird eine moderne Stiftung: Büros der SKKG im Wintower.

Aus einer undurchsichtigen Organisation wird eine moderne Stiftung: Büros der SKKG im Wintower. Bild: Marc Dahinden

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Sie sei froh, dass der Wintower nun die neue Heimat der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte (SKKG) sei, sagte Bettina Stefanini, die Stiftungspräsidentin, welche die Medien am Dienstag im 3. Stock des Winterthurer Wahrzeichens empfing. Ihr Vater hatte den Turm einst – wie schätzungsweise 70’000 bis 80’000 weitere Objekte im Laufe seines langen Sammlerlebens (rund fünf Objekte waren es pro Tag), günstig erworben.

Seit dem Sommer ist eine Etage höher auch die Terresta Immobilienverwaltung hier heimisch. Die «Brotfirma für die Finanzierung der Kunstsammlung», wie Bruno Stefanini sie einst nannte. Die geografische Nähe mache die Arbeit einfacher, sagt die Tochter. Und es scheint einiges gegangen zu sein seit dem letzten Frühjahr, als die Stiftung das grosse, unüberschaubare Erbe Stefaninis antrat und den offiziellen Sitz von Küsnacht nach Winterthur verlegte, «als Bekenntnis zum Lebens- und Wirkungsort des Stifters». Die Stiftung präsentierte sowohl ihre lange erwartete Immobilienstrategie und im gleichen Atemzug auch die Strategie für die Zukunft der Sammlung. «Auch wenn wir noch wenig Sichtbares vorzuweisen haben, weder eingereichte Baugesuche, noch Ausstellungen, noch eine abgeschlossene Registrierung aller je von Stefanini erworbener Objekte», so sei schon einiges erreicht.

6500 Quadratmeter gesucht

Erstmals sprach Geschäftsführer Christoph Lichtin von einem «eigenen, repräsentativen Sammlungshaus, das den Objektschutz und die Objektsicherheit gewährleistet und als Herzstück der Sammlung für sämtliche Aktivitäten Raum bietet, von der Registrierung über die Erforschung bis zur Vermittlung». Für die enorm hohe Zahl der Kunstwerke und Sammelobjekte (laut Lichtin hat Stefanini im Schnitt pro Tag fünf Objekte gekauft) braucht die Stiftung Platz und sucht ein Grundstück oder eine Liegenschaft, die 6 500 Quadratmeter Fläche bietet. «Zurzeit sind wir in Winterthur auf der Suche», sagt Lichtin, schliesst aber die Erweiterung des Radius nicht aus, sofern sich kein geeigneter Standort finde. «Der Unterstützungswille der Stadt Winterthur ist aber sehr gross.»

Allein die aus volkskundlicher Perspektive interessanten, kompletten Zimmer, von denen Stefanini gleich mehrere an Auktionen ersteigert hatte, beanspruchten Räume von 20 Kubikmetern. Nicht zu reden von den unzähligen Gemälden, Militaria und anderen historischen Gütern. Die Stiftung hat – Stand heute – gerade mal 10 300 Objekte registriert und gesäubert, sie will nun aber Gas geben und dank eines aufgestockten Personalbestandes mit der Erfassung der gesamten Sammlung bis Ende 2021 ans Ziel kommen. Zurzeit arbeiten 15 Personen vollzeitlich für die Stiftung, im nächsten Jahr sollen fünf weitere dazu stossen.

Strategie auf vier Pfeilern

Die Stiftung ist offenkundig daran, mit der unübersichtlichen und bisweilen undurchsichtigen Struktur der Stiftung aufzuräumen. Die neue Strategie ist von vier definierten Stossrichtungen geprägt, nach welcher sie künftig arbeiten will: Kooperation: Gemeinsame Ziele im Bereich der Vermittlung des kulturellen Erbes von Bruno Stefanini und mehr Austausch mit anderen Institutionen werden angestrebt.

Transparenz: Die Sammlungsbestände sollen der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, Geschichte und Herkunft offen gelegt, allfällige Rechtsansprüche gewürdigt werden, sollte sich unter den Gegenständen Raubkunst befinden. Nach aktuellem Stand gibt es laut der Stiftung diesbezüglich keine nennenswerte Objekte.

Innovation: Die Stiftung will sich nicht als Museum verstanden wissen, sondern «auf allen Ebenen ihrer Sammlungstätigkeit auf innovative Formate setzen» und eine Vorreiterrolle übernehmen. Konkrete Pläne wurden noch nicht präsentiert.

Partizipation: Der Stiftungszweck setzt auf «kulturelle Teilhabe». Dieser soll künftig aktiv verfolgt werden, sowohl im Rahmen von Vermittlungsangeboten als auch der Zugänglichkeit, beispielsweise im geplanten Sammlungshaus respektive «offenen Depot», wie dieses im Strategiepapier auch beschrieben wird.

15 Millionen für Grandson

Bettina Stefanini betont ihr Anliegen, «den Willen des Stifters zeitgemäss auszulegen». Die Stiftung wolle auf keinen Fall elitär auftreten, sondern das kulturelle Erbe allen zugänglich machen, und meint damit vorerst die bestehende Sammlung. Was die Stiftung im Hinblick auf die aktive Förderung von Künstlerinnen und Künstlern vorhat, und ob sie den Fokus gesamtschweizerisch setze, oder auch das lokale Kunstschaffen berücksichtige, ist noch nicht entschieden. «Diese Frage finden zurzeit heisse Diskussionen statt», sagt sie.

Bleibt noch ein Wort zum Schloss Grandson am Neuenburgersee: Für dessen Renovation werden in den kommenden sechs Jahren 15 Millionen Franken bereitgestellt.

Erstellt: 14.01.2020, 20:11 Uhr

Immobilien-Strategie

Die Stiftung will ihre Liegenschaften für Millionen renovieren.

Wie geht es weiter mit den Stefanini-Immobilien? Eine Frage, die in Winterthur weit über tausend Mieterinnen und Mietern unter den Nägeln brennt. Gestern hat die Terresta Immobilien- und Verwaltungs AG vor den Medien bestätigt, was sie im «Landboten» schon im letzten Sommer angekündigt hatte: Sie wird die meisten der rund 280 Immobilien schrittweise renovieren und plant, dafür in den nächsten zehn Jahren 400 bis 500 Millionen Franken zu investieren, 40 Millionen Franken pro Jahr. «Dies ist nötig, damit die Mieterträge wieder steigen und die Unterhaltskosten sinken», erklärte Renzo Fagetti, der die Terresta seit letztem Frühling leitet. Bisher wurden Wohnungen vor allem einzeln renoviert statt ganze Mehrfamilienhäuser oder Siedlungen. Das sei ineffizient und koste.

Fast 300 Häuser haben Fagetti und sein Team im letzten Halbjahr deshalb besichtigt. Renovieren? Umnutzen? Oder Abreissen? Das erste positive Fazit: Selbst die Bauten aus den 1950ern seien meist noch in so gutem Zustand, dass sich eine Renovation lohne. Das zweite: Die Mieten würden, wenn überhaupt, nur leicht steigen. «Wir werden den Bewohnern ein Angebot machen, dass sie fast nicht ablehnen können», kündigt Fagetti an. Historisch tiefe Zinsen an den Finanzmärkten und eine schuldenfreies Portfolio seien eine gute Basis dafür, dass die Terresta die Nische als grösste Anbieterin von günstigem Wohnraum der Stadt weiterhin besetzen könne.

Erste Projekte im Herbst

Noch ist die Terresta mitten in der Planungsphase. Doch schon diesen Herbst könnten die ersten Bagger auffahren. Wo genau, blieb gestern offen. Priorität aber haben die «grösseren Liegenschaften in Winterthur und in der Altstadt». Aufgeführt auf einer Liste waren die Häuser an der Zürcherstrasse 107 und 117 in Töss, im Kreis Stadt ein Haus an der Grenzstrasse, in Wülflingen die Siedlung an der Burgstrasse, in Oberi das Gebäude zum Park 5 (Umnutzung) sowie das Römertor, und eben – die Häuser in der Altstadt. Richtig los rollt die Renovierungswelle ab 2021. Ab dann werde man jährlich gegen zwanzig Bauprojekte parallel aufgleisen oder betreuen.

Abgerissen und neu gebaut werden die Miethäuser an der Ecke Zypressen-/Holzlegi-Strasse. Dort wolle man, so Fagetti, ein «Vorzeigemodell» hinstellen, das für Nachhaltigkeit stehe, zum Beispiel einen Holzbau.

Nicht nur Immobilien, auch unbebautes Bauland führt die Terresta im Portfolio, vom Bodensee bis Zürich-Nord, auch an bester Lage. Man werde, so Fagetti, für jedes Grundstück eine Planungsstudie machen. (hit)

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