Winterthur

«Gewaltfreie Seide» und andere wunderbare Stoffe

Seit einem Jahr betreibt Rosina YingYing Löhrer ihren Stoffladen am Katharina-Sulzer-Platz. Umwelt- und Tierschutzaspekte gewichtet sie einiges höher als andere Anbieter.

Rosina YingYing in ihrem Stoffladen.

Rosina YingYing in ihrem Stoffladen. Bild: mgm

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Man ist schnell per Du im Laden von Rosina Löhrer. Seit 14 Jahren lebt die gebürtige Chinesin in der Schweiz, und ihr Schweizerdeutsch ist bedeutend besser als bei manch einem eingebürgerten Deutschen.

Nach Winterthur kam sie ihres Mannes wegen, den sie in Neuseeland kennengelernt hatte. Inzwischen haben sie drei Kinder - und einen Stoffladen samt Webshop. Ying Design heisst er, und in der Unterzeile: «Bio-Design-Stoffe aus Leidenschaft».

Die Leidenschaft trägt Rosina Löhrer in sich, die Leidenschaft fürs Gestalten etwa. Gerne wäre sie Modedesignerin geworden, aber das war in ihrer Heimat nicht gefragt, also studierte sie Architektur.

«Wir können sicher noch mehr Kundschaft brauchen, aber es läuft megagut.»

Geblieben aber ist ihre Leidenschaft fürs Nähen, für einfache Schnitte, und gewachsen ist die Leidenschaft für Stoffe aus nachhaltig produzierten oder gewachsenen Fasern. Das Label Bio-Baumwolle allein reicht ihr nicht. Denn die Baumwollproduktion braucht viel Wasser, oft in Gegenden, wo man Wasser besser anders nutzen könnte.

Also will sie vermehrt versuchen, im Laden auch Stoffe aus anderen Fasern anzubieten: Bio-Leinen etwa brauche bedeutend weniger Wasser, auch Hanf stehe auf ihrer Liste und Modal-Stoffe. Modal ist eine Kunstfaser mit natürlichem Ursprung, oft werde dazu Buchenholz verwendet, erklärt sie.

Die Seidenraupe lebt weiter

Bei Wollstoffen achtet sie darauf, dass sie ein Label tragen, das dem Tierwohl gerecht wird. Oft werden etwa australischen Merino-Lämmern die Schwänzchen und weitere Hautteile ohne Betäubung weggeschnitten, damit sich keine Fliegen festsetzen können.

Wolle von derart traktierten Tieren will Löhrer nicht in ihrem Laden. Auf Bestellung liefert sie auch so genannte gewaltfreie Seide. Gemeint ist: Die Raupe, die den Seidenfaden spinnt, stirbt nicht, wenn man ihr den Kokon nimmt.

Allerdings: So viel Tierwohl zeigt sich im Preis, den einige Stoffe bei Ying Design haben. Freilich sind auch günstigere Ballen im Regal, herzige Trikotstoffe für Kinderkeider etwa. Und auf den Tischchen gibts ein Tässchen Tee oder Kaffee gratis. Dort liegen auch japanische Schnittmusterhefte auf. «Japanische, nicht chinesische», bestätigt Rosina Löhrer.

Japanisch könne sie zwar nicht, aber ein paar der Schriftzeichen seien gleich oder ähnlich. «Allerdings muss man aufpassen», sagt sie, «was auf japanisch Briefpapier bedeutet, wird in China als Toilettenpapier gelesen.»

Erklärung mit Bildern

Um zu verstehen, wie ein japanisches Schnittmuster funktioniert, brauche man die Sprache nicht zu beherrschen: Alles wird Schritt um Schritt mit Bildern erklärt. «Perfekt, das könnte ich nähen», sagt eine Kundin. Die Schnitte seien einfach, bestätigt Lörer, und die Hefte seien ein Renner.

Überhaupt sei sie sehr zufrieden, wie der Laden an diesem nicht unbedingt sehr passantenreichen Ort angelaufen sei: «Wir können sicher noch mehr Kundschaft brauchen, aber es läuft megagut.» Nur schon dieses Wort beweist, wie gut sie selber Mundart spricht.

Ying Design am Katharina-Sulzer-Platz 8 ist geöffnet von Dienstag bis Freitag 9 - 12.30 und 13.30 bis 17.30, am Samstag 9 - 14 Uhr. www.yingdesign.ch/

Erstellt: 08.03.2019, 11:02 Uhr

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