Abstimmung

Gewerkschaft VPOD wettertgegen die Theatervorlage

Kurz vor der Abstimmung über die Verselbstständigung des Theaters Winterthur übt die Gewerkschaft VPOD Kritik an der Vorlage, die für das Personal zu viele Nachteile und zu wenig Garantien biete.

Bei einem Ja zur Theatervorlage befürchtet die VPOD schlechtere Arbeitsbedingungen für die Theatermitarbeiter

Bei einem Ja zur Theatervorlage befürchtet die VPOD schlechtere Arbeitsbedingungen für die Theatermitarbeiter Bild: Johanna Bossart

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Die Umwandlung des Stadttheaters in eine gemeinnützige Aktiengesellschaft, über die am übernächsten Wochenende abgestimmt wird, soll dem Theater vor allem eines bringen: mehr Flexibilität und Handlungsfreiheit. Während diese beiden Vorteile der neuen Rechtsform von den Befürwortern und der Theaterleitung stets betont werden, behält man sie den Angestellten des Theaters allerdings vor. Das zumindest behauptet die Gewerkschaft VPOD in einer am Dienstag verschickten Mitteilung zur Verselbstständigungsvorlage.

Zu wenig Gesundheitsschutz

Bei einem Ja an der Urne werden die Theatermitarbeiter künftig nach privatem Recht angestellt. Damit ihnen dadurch keine Nachteile entstehen, soll ein Gesamtarbeitsvertrag abgeschlossen werden, der die Arbeitsbedingungen der städtischen Angestellten ins private Recht überführt. So steht es in der Vorlage. Der VPOD kritisiert nun einerseits, dass dieser GAV noch nicht verabschiedet wurde und dafür auch keine Garantien vorliegen. Andererseits übt er auch inhaltlich Kritik: Der Schutz des technischen Personals vor Überlastung sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf seien im bisher diskutierten Vertragsentwurf entgegen den Bedürfnissen der Angestellten nicht berücksichtigt worden.

Georg Munz, Regionalsekretär des VPOD in Winterthur, stört sich auch am Vorgehen der Verantwortlichen. Bitten nach einer Weiterverhandlung der Vertragsdetails seien abgeschlagen worden. Stattdessen sei die Gewerkschaft an den Verwaltungsrat der künftigen AG verwiesen worden, der für die Verhandlungen zuständig sei. Was der Gewerkschaft fehlt, ist eine fixe Zusage. Als über die Pläne für eine Verselbstständigung von Stadtwerk diskutiert worden sei – die schliesslich eingestellt wurden –, habe der Stadtpräsident früh eine Garantie zugunsten des Personals abgegeben, so Munz.

60-Stunden-Wochen

Aus Sicht des VPOD verliert das Theaterpersonal mit der Verselbstständigung generell Sicherheiten. Bei einer Arbeitsunfähigkeit, zum Beispiel infolge eines Unfalls, seien in der Stadtverwaltung die Möglichkeiten für eine Weiterbeschäftigung in anderer Funktion gross, sagt er. Mit dem Sozialstellenpool unterhalte die Stadt dafür ein eigenes Instrument. Das könne das Theater künftig nicht mehr bieten. Langjährige Probleme des Theaterpersonals wie 14-Stunden-Schichten, 60-Stunden-Wochen und das Nichteinhalten von Ruhezeiten würden zudem im Vertragsentwurf nicht geregelt.

Theaterleiter René Munz – trotz identischem Nachnamen nicht mit dem VPOD-Vertreter verwandt – weist die Kritik zurück: Der Gesamtarbeitsvertrag, der vorverhandelt worden sei, garantiere dem Personal die gleichen Vertragsbedingungen wie heute. Und bei der maximal zulässigen Arbeitszeit in einer Woche gebe es eine Senkung von 60 auf 50 Stunden. Die Arbeitsbedingungen seien im Vergleich mit anderen Theatern gut. So werde etwa bei Arbeiten ab 20 Uhr ein Zeitzuschlag gewährt. «Ein solcher Zeitzuschlag ist für Angestellte eines Theaters sonst unüblich.» Zudem würden alle Verbesserungen, die mit dem neuen Personalstatut dieses Jahr eingeführt worden seien, übernommen, darunter eine zusätzliche Ferienwoche. Über weitergehende Forderungen müsse der VPOD tatsächlich mit dem künftigen Verwaltungsrat verhandeln.

Ein taktisches Manöver

Im Gemeinderat hatte sich die AL kritisch zu den Konsequenzen für das Personal geäussert. Sie lehnt die Theatervorlage als einzige Partei ab. Die Grünen haben Stimmfreigabe entschieden. In der SP gab es vereinzelt kritische Stimmen. Der Widerstand blieb damit im linken Lager eher gering. Dass der VPOD seine Kritik erst kurz vor der Abstimmung und damit eigentlich zu spät einbringt, ist in diesem Kontext zu sehen: Es ist ein taktisches Manöver. Mit einer Ablehnung rechnet der VPOD nicht, eher will er sich für weitere Verhandlungen in Stellung bringen. (Landbote)

Erstellt: 12.03.2019, 18:27 Uhr

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