Fragestunde

Gibts im Eschenberg tatsächlich Gämsen? Diese und 28 andere Fragen

Das Frage-Antwort-Spiel im Gemeinderat forderte diesmal Stadtrat Stefan Fritschi besonders, der ein Drittel aller Fragen beantworten musste. Er schlug sich wacker.

Im Tösstal sind Gämsen mittlerweile heimisch geworden, darüber hat der «Landbote» berichtet. Aber in Winterthur?

Im Tösstal sind Gämsen mittlerweile heimisch geworden, darüber hat der «Landbote» berichtet. Aber in Winterthur? Bild: Jagdgesellschaft Sternenberg

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EVP-Gemeinderat Sämi Müller glaubt, vor knapp zwei Jahren frühmorgens im Eschenberg eine Gämse gesehen zu haben. Doch niemand glaubte ihm, als er das Erlebnis später da und dort erzählte. Selbst in der eigenen Fraktion habe man seine Wahrnehmungsfähigkeiten in Zweifel gezogen, sagte er. Als der «Landbote» dann aber vor kurzem schrieb, im Tösstal seien einige Gämsen heimisch geworden, da bekam Sami Müller wieder Oberwasser. Hatte er sich also doch nicht getäuscht? Er trug die Frage gestern in den Gemeinderat. In der sogenannten Fragestunde werden gern solche Dinge besprochen. Die Frage ging an Stadtrat Stefan Fritschi, den Herrn der Winterthurer Wälder, und dieser wollte zunächst nicht auf einen kleinen Seitenhieb verzichten. Fritschi stellte die Gegenfrage, was Müller denn jeweils zu rauchen pflege auf seinen Waldspaziergängen.

Grafstaler fotografierte sie

Dann aber bestätigte Fritschi: Ja es gibt Gämsen im Eschenberg. Und er zeigte auch gleich ein Bild. Fotografisch dokumentiert wurde das Gämsenpaar von Bernhard Aeppli aus Grafstal, der gern mit der Kamera unterwegs ist. Im Juli 2018 wars, ein paar Hundert Meter hinter dem Reitplatz an der Töss, da sah und fotografierte er das Paar. Auf www.winterthur.stadtwildtiere.ch sind drei von Aepplis Bildern zu sehen. «Die Tiere waren recht weit weg, ich musste sie näher ranholen, deshalb ist die Bildqualität nicht optimal», entschuldigt sich der Hobbyfotograf.

Aufnahmen von zwei Gämsen am 1. Juli 2018. Bild: Bernhard Aeppli, stadtwildtiere.ch

Hier wurden die Gämsen aufgenommen. Karte: Google Maps, far

Stadtrat Fritschi ergänzte im Parlament, dass insgesamt fünf Sichtungen im Eschenberg bestätigt sind. Die Gämsen kämen im Übrigen nicht wegen der intensiven Sportnutzung in den Alpen ins Unterland, sagte Fritschi, sondern sie würden sich hier einfach wohlfühlen. «Die Chancen, welche zu sehen, steigt.» Zur Jungsteinzeit, das haben Funde gezeigt, hätten Menschen hier auch schon Gämsfleisch gegessen. Und noch eine Information hat Fritschi recherchiert: Der Gamser heisst nicht wegen der Gämsen so, sondern die Bezeichnung stammt von einem Familiennamen ab.

«Die Chancen, Gämsen zu sehen, steigt.»Stefan Fritschi, Stadtrat

Politik ist ja zuweilen ein sehr langsames Geschäft, das viele Umwege verlangt, um ans Ziel zu kommen. Die Fragestunde ist oft auch dazu geeignet, diese langen Wege abzukürzen. Gemeinderat David Berger (AL) fand, es müsste doch möglich sein, in einem städtischen Formular die Frage «Konfession und Krankenversicherung» eines Kindes anders anzugeben. Heute können Eltern ohne Religion neben den anerkannten Glaubensgemeinschaften nur die Rubrik «unbekannt/andere» ankreuzen. Besser aber wäre in Bergers Augen, es würde heissen «andere/keine», also konfessionslos. Könnte man das nicht an die gängige kantonale Praxis anpassen?, fragte Berger Stadträtin Barbara Günthard. Ihre Antwort war kurz und überzeugend: «Wir haben das gleich umgesetzt, das Formular wurde angepasst.» Ob solchem Tempo staunte selbst Gemeinderatspräsidentin Annetta Steiner: «Was Fragen alles bewirken können.»

Nicht ganz so viel Erfolg hatte GLP-Gemeinderätin Silvia Gygax. Sie findet es stossend, dass im Hallenbad Leute mit ihren Handys hantieren und man nie weiss, ob sie dabei im Geheimen filmen, zum Beispiel mit Facetime. Kann sich der Stadtrat vorstellen, ein Handyverbot zu erlassen?, fragte sie. Nein, war die Antwort von Schul- und Sportvorsteher Jürg Altwegg. Man habe aber Tafeln montiert, die mit Icons zeigen, was alles verboten ist: Essen und Trinken etwa, Unterhosen tragen und eben auch Fotografieren mit dem Handy. Ein eigentliches Handyverbot aber, so Altwegg, habe das Sportamt verworfen. «Das wäre angesichts des Handy-Verhaltens kaum durchzusetzen, erst recht nicht in den Freibädern.»

Rauchverbot auf Spielplätzen

Man weiss es: Raucher entsorgen ihre Kippen nicht immer, wie sie sollten. Und auf Kinderspielplätzen, auch das weiss man, sind diese Stummel reinstes Gift, denn die Kinder stecken ja vieles in den Mund. Hat sich der Stadtrat schon Gedanken gemacht zu einem generellen Rauchverbot auf Spielplätzen? Das fragte Barbara Huizinga (EVP). Wieder war Stefan Fritschi gefragt, und er sagte: «Wir sind uns des Problems bewusst.» Man werde ein solches Rauchverbot prüfen, versprach er. Bis es so weit sei, würden die Putzequipen so viele Stummel wie möglich entsorgen. (Landbote)

Erstellt: 26.03.2019, 10:30 Uhr

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