Neuerscheinung

Globi und die Demokratie

Zum 170-jährigen Jubiläum der Bundesverfassung reist Globi durch die Schweiz und befragt Kinder, Politikerinnen und Bundesrat Ignazio Cassis zum Thema Demokratie. Das Buch entstand auf Anregung eines Winterthurer Vereins.

Globi lernt in seinem neusten Abenteuer das Funktionieren der Demokratie kennen.

Globi lernt in seinem neusten Abenteuer das Funktionieren der Demokratie kennen. Bild: Orell Füssli Verlag

«Wirklich?», fragt Globi verdutzt, als erfährt, dass Frauen in der Schweiz erst seit 1971 stimmberechtigt sind. Im neuen Sachbuch der Globi-Reihe begleitet der Protagonist mit dem gelben Schnabel die Frauengestalt Helvetia auf ihrem Weg zu zum Jubiläum der Bundesverfassung.

«Frei erfunden soll er sein? Tell ist doch mein Freund!»Globi über den Schweizer Nationalhelden

Die Reise in «Globi und die Demokratie» führt einmal quer durch die politischen Institutionen der Schweiz, vom Bundeshaus bis zum Schülerparlament. Das Buch räumt dabei zwar mit dem einen oder anderen Mythos auf, es bleibt aber versöhnlich. «Frei erfunden soll er sein? Tell ist doch mein Freund!», sagt etwa Globi.

Die Idee für das Buchprojekt hatte Moria Zürrer, Mitglied der Neuen Helvetischen Gesellschaft (NHG) Winterthur. «Wir wollen die Demokratie ins Gespräch bringen», sagt sie. Zürrer ist mit Heinz Pantli und Othmar Schärer in der Fachgruppe der NHG Winterthur vertreten, die das Buch begleitet hat. Der Verein ist in der Bedrohungslage des Ersten Weltkrieges in Bern gegründet worden, politisch neutral und engagiert sich seit über 100 Jahren für den Zusammenhalt der Schweiz.

Bundeshaus als Wimmelbild

Laut Zeichner Samuel Glättli bestand die Herausforderung des Buchprojektes darin, Bilder zu abstrakten Themen zu entwickeln. «Eine Visualisierung von direkter und indirekter Demokratie», so habe eine Illustrations-Aufgabe gelautet. Eine andere, das Bundeshaus als eine Art Wimmelbild darzustellen. «Die Zeichnung des Bundeshaus-Querschnitts entstand mithilfe von mehreren Plänen.»

Autor Marc Zollinger sagt, für ihn sei rasch klar gewesen, dass Globi auf eine Reise gehen würde. Wie gut Kinder ab 12 Jahren den Text verstehen werden, wird sich bald zeigen. «Die Nagelprobe sind die Kinder», sagt Zollinger. Um die vielen Fachbegriffe zu erklären, hat der Autor dem Buch ein Glossar angefügt.

«Demokratie ist etwas Cooles»

«Ich kann mir vorstellen, dass sich das Buch als Schulstoff eignet», sagt Zeichner Glättli. «In der Schule haben wir viel zu wenig über Demokratie gelernt.» Mit dem Buch will er seine Wertschätzung ausdrücken: «Demokratie ist etwas Cooles.»

«Um die Demokratie und Zivilgesellschaft in der Schweiz zu stärken, müssen wir bei den Kindern ansetzen.»

Das Sachbuch erscheint zum 170. Jahrestag der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft. «Nicht nur deshalb kommt das Buch genau zum richtigen Zeitpunkt», sagt Moria Zürrer. Mit Sorge betrachtet sie, dass Demokratien zunehmend gefährdet sind. «Um die Demokratie und Zivilgesellschaft in der Schweiz zu stärken, müssen wir bei den Kindern ansetzen.» Das Sachbuch soll einen Beitrag zur Meinungsbildung leisten.

Warum ausgerechnet Globi zum Botschafter wird, zumal die Kinderbuchfigur auch schon Rassismuskritik einstecken musste? «Globi widerspiegelt lediglich die Gesellschaft als Zeitzeuge» sagt Zürrer. «Wir haben uns Globi für diese Erkundungsreise durch die Schweizer Demokratie gewünscht und sind beim Verlag Orell Füssli auf offene Ohren gestossen».

Globi habe einen engen Bezug zur Schweiz und verbinde alle Generationen. Laut Verlegerin Gisela Klinkenberg vom Globi Verlag war die Kritik in den 70er-Jahren, in die einige Kinderbücher gerieten, berechtigt, allerdings haben es die Kritiker verpasst, die Bücher in den jeweiligen Zeit-Kontext, zum Beispiel der 30er- und 40er-Jahre zu stellen».

Cassis machte sofort mit

Im Buch steht Globi nach einer Weile im Bundeshaus Bern und fühlt sich angesichts der breiten Treppen und hohen Kuppeln etwas klein. In der Wandelhalle erfährt er mehr über die Parlamentarier. Helvetia führt Globi weiter ins Bundeshaus West, wo sich Bundesrat Ignazio Cassis seinen Fragen stellt. «Einen Bundesrat zu Wort kommen zu lassen, war naheliegend», sagt Initiantin Zürrer. Cassis habe rasch zugesagt. «Genau diese Volksnähe ist eine Spezialität der Schweiz.»

«Das Globibuch ist ein demokratisches Projekt», sagt Autor Zollinger. Beim Schreiben habe er auch die ältere Generation im Blick gehabt. «In der Demokratie muss man an alle denken.» Die Globi-Figur wurde von Robert Lips vor 86 Jahren geschaffen. «Es ist eine Stärke von Globi, dass er sich der jeweiligen Zeit anpasst, ohne sich anzubiedern.»

«Seit 1935 wurden rund 9 Millionen Globibücher verkauft.»

«Globi bezieht keine Stellung», sagt Verlegerin Klinkenberg. Sie achte darauf, dass Globi nicht für Einzelinteressen missbraucht werde. Der Titel «Globi beim Landboten» wäre demnach zu wenig neutral, «Globi bei den Medien» hingegen denkbar. «Wenn man alle Titel berücksichtigt, wurden seit 1935 rund 9 Millionen Globibücher verkauft.» Für das neue Buch leiste die NHG eine Abnahmegarantie von 3000 Exemplaren.

«Wir sind ohne grosses Budget in das Buchprojekt gestartet», sagt NHG-Mitglied Zürrer mit einem Lachen, «aber mit einer zündenden Idee, Begeisterung und der Bereitschaft, viele Stunden Vernetzungsarbeit zu leisten.» Sponsoren konnten dann auf dem Weg zum Gemeinschaftswerk gewonnen werden.

Globi-Ideen für die Verfassung

«Eine Idee ist eigentlich nur ein Gedanke», sagt Helvetia in einer Szene zu Globi. «Ist dieser Gedanke aber wichtig, also stark, und gefällt er vielen Menschen, kann er grosse Veränderungen auslösen.»

Die Idee der Bundesverfassung gefällt Globi, seine Anregung lautet: «In die Verfassung gehört unbedingt das Recht auf ein Haustier nach freier Wahl, wöchentliches Kuchenessen mit Freundinnen und Freunden, freien Eintritt ins Schwimmbad und einen zusätzlichen Monat Ferien».

«Globi und die Demokratie», Band 12 der Reihe Globi Wissen, erscheint am 21. September, hat 120 Seiten und kostet 29.90 Franken. Bereits am Mittwoch, 19. September (15 Uhr), findet in der Stadtbibliothek Winterthur eine Vernissage statt, mit Bildungsdirektorin Silvia Steiner und Stadtpräsident Michael Künzle als Gästen.

Ab 15.30 Uhr gibt es ein Kinderprogramm sowie eine Signierstunde mit Globi-Zeichner Samuel Glättli. (Der Landbote)

Erstellt: 12.09.2018, 15:39 Uhr

Ein Kommentar von Michael Graf, Redaktor Stadt Winterthur

Kommentar

Doch wer ist das Publikum?

Liebe Eltern, aufgepasst, Dass ihr nicht danebenfasst!
Wenn ihr Streich’ und Reime sucht, Ist dies das falsche Globi-Buch.

Wer’s den Kleinen lesen will, Wird nach wenigen Seiten still.
Hätte man’s doch merken müssen: Vorne drauf steht «Globi Wissen».

Ein Sachbuch, das demonstriert, Wie ein Volk sich selbst regiert:
Das ist löblich und nicht dumm. Doch wer ist das Publikum?

Verfassung und Legislative, dieses Buch geht in die Tiefe.
Doch muss man wissen, schon als Kind, Was die vier Gewalten sind?

Sind die Kinder älter dann, und dürfen bald an die Urne ran,
Ist Staatskunde Bürgerpflicht. Doch dazu braucht’s den Vogel nicht.

Denn lockt erst die Erwachs’nenwelt, Sagt man sich los vom Kinderheld.
So schert sich der Teenie-Flegel Wenig um die Globi-Vögel.

Doch bei Globis krummem Schnabel: Ich find das Buch trotzdem valabel.
Alles ist gut recherchiert, Und verständlich illustriert,

Klug geschrieben, elegant, Man merkt des Autors feine Hand.
Statt gemein es runterputzen, fokussier ich auf den Nutzen.

Wem es vor viel Lesen graut, Wer gern bunte Bilder schaut,
Wer als Erwachs’ner schmunzelt gern, Hat hier am ehesten was gelernt.

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