Winterthur Wülflingen

Gratis-Spieltreff mit geheimem Gönner

An der Holzlegistrasse gibt es neu einen unentgeltlichen Spieltreff für Kinder im Alter von 4 bis 12. Die Finanzen für fünf Jahre sind gesichert, der private Geldgeber aber will sich nicht outen.

Die Leiterinnen des offenen Kindertreff Steffi Müller und Lena Wildermuth vor der Villa YoYo.

Die Leiterinnen des offenen Kindertreff Steffi Müller und Lena Wildermuth vor der Villa YoYo. Bild: Marc Dahinden

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Offene Jugendtreffs und auch spezielle Mädchentreffs gibt es einige in der Stadt. «Offen» bedeutet, dass wirklich alle willkommen sind und man zu Öffnungszeiten kommen und gehen kann, wann man möchte. An offenen Kindertreffs mangelt es allerdings in Winterthur.

Dabei bestehe klar ein Bedarf, «gerade in sozial belasteten Quartieren wie Lindenplatz und Härti», weiss Jugendarbeiterin Lena Wildermuth aus ihrer 12-jährigen Tätigkeit im Kinder- und Jugendbereich in Winterthur. Da kam ihr die vor einiger Zeit an sie weitergereichte Anfrage der Dachorganisation Villa YoYo Schweiz gerade recht und sie suchte daraufhin einen geeigneten Ort in der Stadt.

16 Villa YoYos gibt es bereits, die Kindern unabhängig von ihrer kulturellen und religiösen Herkunft unentgeltlich die Möglichkeit bieten, sich an einem sicheren Ort zu entfalten, sich vielseitig zu beschäftigen und miteinander rücksichtsvoll umzugehen. Die Villa YoYos werden von unterschiedlichen Trägerschaften in sieben Kantonen geführt. Ein privater Gönner stellte der Dachorganisation Geld für die Eröffnung von zwei Kindertreffs im Kanton Zürich in Aussicht.

Ein Hausteil wurde frei

Am Samstag kann nun in Wülflingen für Kinder im Kindergarten- und Primarschulalter ein professionell geleiteter, konfessionsneutraler, für die Teilnehmenden unentgeltlicher Kindertreff eröffnet werden, die «Villa Yoyo Wülflingen» an der Holzlegistrasse 9. In der Liegenschaft, die der reformierten Kirchgemeinde Wülflingen gehört, wurde ein Hausteil frei, da die Mitarbeitenden der Kirchgemeinde mit ihren Büros ins neu renovierte Kirchgemeindehaus umgezogen sind.

In einem Hausteil ist der Jugendtreff untergebracht, dessen Räume je nach Auslastung des neuen Kindertreffs mitbenutzt werden können, da Kinder- und Jugendtreff nicht dieselben Öffnungszeiten haben.

In der Villa YoYo können die jungen Besucherinnen und Besucher am Mittwochnachmittag in den verschiedenen Räumen auf zwei Stockwerken malen, werken, nähen, spielen, lesen, sich verkleiden, im Bewegungsraum rumtoben, sich mit Freundinnen treffen und schwatzen oder sich auch einfach in eine Ecke setzen und Musik oder eine Geschichte hören. Auch der grosse Aussenbereich darf benutzt werden. «Ein Kind kann auch einfach nur kommen, dasitzen und zuschauen, wenn es keine Lust auf Aktivitäten hat», erklärt Stefanie Müller, die zweite Leiterin des Treffs.

 «Wir sind da, wenn die Kinder uns brauchen und um die Haus- und Umgangsregeln miteinander einzufordern.»Stefanie Müller, Leiterin «Villa Yoyo Wülflingen»

Müller und Wildermuth werden immer zu zweit anwesend an. «Kinder brauchen doch noch etwas mehr Betreuung als Jugendliche», erklärt Müller. Ziel der Villa YoYo sei, den Kindern nur Impulse zu geben, wenn sie selber keine Ideen hätten und damit unglücklich seien. Die Kinder sollen selber kreativ und aktiv sein. Wildermuth und Müller unterstützen sie dabei, wenn es etwa um die korrekte Handhabung von Werkzeugen geht oder um die Umsetzung von Ideen. «Wir sind da, wenn die Kinder uns brauchen und um die Haus- und Umgangsregeln miteinander einzufordern.» Je nachdem, wie sich der Treff entwickle, können sich die Leiterinnen aber auch vorstellen, zwischendurch Kreativprojekte anzubieten oder Ausflüge zu unternehmen.

Gönner möchte anonym bleiben

Vorerst wird die Villa YoYo in Wülflingen Mittwoch nachmittags von 14 bis 17 Uhr offen sein. Je nach Bedarf könnte der Treff später auch einen zweiten Nachmittag öffnen. Finanziert wird der Betrieb von einem privaten Gönner, der anonym bleiben möchte. Dieser hat laut Dachorganisationspräsident Tony von Planta für fünf Jahre jährlich 50'000 Franken zugesichert. Danach müssen neue Sponsoren gesucht werden.

1998 wurde die erste Villa YoYo in St. Gallen auf Initiative der Cevi (Christlicher Verein Junger Menschen) eröffnet, nachdem der Cevi festgestellt hatte, dass die Kinder des multikulturellen Quartiers, in dem das Cevi-Haus steht, mit den traditionellen Anlässen der Jungschar nicht erreicht werden konnten, wie Hans Ulrich Bosshard, Vizepräsident des 2004 gegründeten Vereins Villa YoYo Schweiz erklärt.

Das Pilotprojekt mit einem niederschwelligen, kostenlosen, professionell begleiteten Freizeitangebot für Kinder von 4 bis 12 Jahren hatte Erfolg und fand daraufhin auch in der übrigen Schweiz Verbreitung. In Schwamendingen soll Mitte Jahr die zweite Villa YoYo im Kanton Zürich eröffnen.

Der Name Villa YoYo, eine eingetragene Marke, nimmt einerseits Bezug auf das bei Kindern beliebte Spielzeug und steht symbolisch für das muntere Auf- und Abhüpfen der Kinder. Andererseits nimmt es Bezug auf den englischen Namen der weltweiten Cevi-Bewegung YMCA (Young Men‘s Christian Association) mit Sitz in Genf, wie Bosshard ausführt.

Erstellt: 04.04.2019, 17:33 Uhr

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