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Kleinere und grössere Aufreger aus Winterthur

In der Kolumne «über den Tellerrand» schaut die Landboteredaktion, wie andere Medien über die Stadt berichten.

Andere Medien haben einen anderen Blick auf «unsere» Stadt.
Andere Medien haben einen anderen Blick auf «unsere» Stadt.
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Für Tierfreunde gab es aus Winterthur zuletzt Meldungen mit und ohne Happy End. Auf «20 Minuten Online» fast 200-mal kommentiert wurde ein Unfall, den ein 20-jähriger Winterthurer miterlebte. Gegen 1 Uhr früh sass dieser im Bus in Richtung Dättnau, als es plötzlich kurz knallte. Er stieg aus und sah eine tote Katze auf der Strasse liegen. Das Büsi war wohl unter den Bus geraten. Und der Chauffeur? Kaltherzig weitergefahren, ohne nachzusehen? Diesen Eindruck jedenfalls hatte der Leserreporter, der daraufhin die Stadtpolizei informierte. Stadtbus gelobte später auf Anfrage, den Fall intern abzuklären.

Gar ein Grossaufgebot von Polizei und Feuerwehr hatte die dreijährige Jack-Russel-Terrier-Hündin Jacky ausgelöst. Sie war im Brühlberg mit ihrem Geschirr in einem Zaun hängengeblieben. Die Polizei suchte anfangs ohne Erfolg. Erst als acht Feuerwehrleute den Wald mit Wärmebildkameras durchkämmten, wurde Jacky entdeckt, wie diverse Online-Portaleprominent meldeten. Happy End!

«Im Schaltjahr 2020, haben die Medien einen Tag mehr Zeit, um auf den Bauern herumzuhacken»

Marc Peter, Präsident des Landwirtschaftlichen Bezirkvereins Winterthur in der «BauernZeitung»

Einem Happy Endbangen im «Schicksalsjahr 2020» auch die Bauern entgegen. Mit der Trinkwasser- und der Pestizid-Initiative, über die voraussichtlich diesen Herbst abgestimmt wird, weht ihnen politisch eine steife Brise entgegen, auch medial. Im Schaltjahr 2020, so viel ist laut Marc Peter, dem Präsident des Landwirtschaftlichen Bezirksvereins Winterthur sicher, hätten die Medien einen Tag mehr Zeit, um «auf den Bauern herumzuhacken» und ihr «Trommelfeuer» fortzusetzen.

Folgerichtig berichtete die «BauernZeitung» von der Wülflinger Wintertagung. Nicht nur die Medien, auch die Grossverteiler bekamen dort ihr Fett weg. Die Detaillisten, so Peter, würden den Konsumenten in der Werbung ein romantisiertes Bild der Landwirtschaft vorgaukeln, eine heile Welt. Deshalb wollen die Bäuerinnen und Bauern nun «auf eigene Faust kommunizieren» und faktentreu aufklären, heisst es. Dies über ihre Facebook-Seite «Naturtalent» (Hauptzielgruppe Frauen zwischen 35 und 50 Jahren), mit Roadshows durch die Zürcher Einkaufszentren und nicht zuletzt über die eigene Zeitung: den «Zürcher Bauern». Dieser verdoppelt seine Auflage auf 10 000 Exemplare und wird neu mit dem SVP-Blatt «Zürcher Bote» verteilt.

Unerwartete Pflanzen-Post landete derweil auf dem Pult von Jean-Marc Piveteau, dem Rektor der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften ZHAW. An ihn ging der Kaktus, den die «Schweizer Illustrierte» jede Woche verleiht. Dass ZHAW-Studis ihre Semestergebühren künftig per Kreditkarte oder Postfinance-Card bezahlen müssen, fand die Schwillu daneben. Inzwischen ist bekannt, dass die Studierenden «in Ausnahmefällen» ihre Rechnungen weiterhin per Online-Banking begleichen können. Ob Jean-Marc Pivetau für seine Kulanz nun von der Schwillu eine Rose erhält, das symbolische Gegenstück zum Kaktus?

Leisen Applausbekamen bereits der Pilz am Hauptbahnhof und seine Planer vom «Tages-Anzeiger»: Das Busdach hat den Pinocchio-Test bestanden. Heisst: Wie das Projekt auf den Visualisierungen einst angepriesen wurde, so wurde es auch gebaut. Keine Mogelpackung, keine Augenwischerei. Dass das nicht selbstverständlich ist, zeigt der TA in seinem Vorher-Nachher-Vergleich eindrücklich, bei den Projekten Tramhaltestelle Letzigrund oder der stadtzürcher Wohnsiedlung Greencity zum Beispiel.

Lauten Applaus, prominent im Fernsehen, gab es für das Polit-Promi-Paar Matthias Aebischer (SP) und Tiana Angelina Moser (GLP). In der SRF-Quiz-Show 1 gegen 100 wussten die zwei die richtige Antwort auf die Frage «Wo sitzt man, wenn man im 2019 von Iconomos Suisse ausgezeichneten Restaurant isst?» Korrekt, Antwort C: In einem umgebauten Zugwagen, dem «Les Wagons» am Lagerplatz.

Das Bild der Zugskomposition mit Mini-Perron, das im allgemeinen Jubel gross eingeblendet wurde, hatte Aebischer offenbar «irgendwie noch im Kopf gehabt» - wie nun wahrscheinlich auch die über 400 000 Zuschauerinnen und Zuschauer von «1 gegen 100». Es könnte also eng werden, in nächster Zeit, kuschlig warm, im Les Wagons, mit seinen 30 Sitzplätzen.

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