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Gutes IPW-Jahr – wieso also eine AG?

Die kantonale Psychiatrieklinik erzielte 2016 einen Überschuss und brachte ihr Bauprojekt voran. Trotzdem brauche es die Selbstständigkeit.

Die Winterthurer Klinik Schlosstal ipw.
Die Winterthurer Klinik Schlosstal ipw.
Marc Dahinden

Die Medienmitteilung der Integrierten Psychiatrie Winterthur-Unterland (IPW) zum Jahres­bericht 2016 kommt daher, wie man es von einer Medienmit­teilung erwartet: Erfolg wird an Erfolg gereiht, eine positive ­Gesamtbilanz gezogen. Finanzergebnis: 2,5 Millionen Franken Überschuss. Das Angebot: aus­gebaut, die Belegung der 220 Betten: hoch. Für die Bemühungen um die Vereinbarkeit von Arbeit und Familie gab es einen Preis.

Angesichts der bevorstehenden Abstimmung über die Verselbstständigung mag das, was sonst niemanden überraschen würde, allerdings für Stirnrunzeln sorgen: Wieso die Klinik in eine privatrechtliche Aktien­gesellschaft aus­lagern, wenn doch im Kantons­besitz alles rund läuft? Prompt verschickt der Gewerkschaftsbund später eine eigene Mitteilung: «Wir sehen uns bestätigt, dass es keine Rechtsformänderung braucht.»

«Im Aargau ging es schneller»

Dem widerspricht der ärztliche Direktor der Klinik, Urs Hepp. Die IPW sei zwar gut aufgestellt, das heisse aber nicht, dass man ­alles beim Alten lassen könne: «Wir brauchen für die Zukunft mehr Handlungsspielraum.» Nach einem Beispiel gefragt, berichtet der Mediziner davon, wie er einst bei der kantonalen Psychiatrie Aargau, einer AG, in kurzer Zeit eine neue Kriseninterventionsstation aufgebaut habe. «In Winterthur wäre das so nicht möglich gewesen.» Es musste ­damals schnell gehen, denn die Klinik sei massiv überbelegt gewesen: «Die neue Station fungiert als Triagestelle. Sie half uns, die Zahl der stationären Aufenthalte zu verringern.» Das sei auch im Sinn der Patienten gewesen.

In Winterthur gibt es aktuell auch ein Bauprojekt – eines, das durch viele Ämter und politische Instanzen geboxt werden musste: Hinter der Schlosstalklinik entsteht für 60 Millionen Franken ein grosser Neubau mit 120 Betten, der die vor der Schliessung stehende Klinik Hard in Embrach ersetzt. Trotz langwieriger Prozesse steht das Projekt nun vor der Realisierung: Die Baueingabe soll in den nächsten Monaten erfolgen, der Baustart ist für Herbst 2018 geplant. Zwei Dinge würden in der Diskussion oft verdreht, meint Hepp. Man spreche aktuell über eine Verselbstständigung, nicht eine Privatisierung. Und: Die Grundversorgung sei nicht gefährdet. «Weiter entscheidet der Kanton über die Leistungsaufträge.»

Skeptische Gewerkschaften

Björn Resener vom kantonalen Gewerkschaftsbund überzeugt das nicht. Er hält daran fest: «Der gute Abschluss belegt die grosse betriebliche Effizienz, die also auch unter demokratischer Kontrolle möglich ist.» Für das Kantonsspital Winterthur gelte im Übrigen dasselbe.

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