Winterthur

Halbe Million Franken für Albanifest

Die Stadt und das Albanifest-Komitee wollen eine Leistungsvereinbarung abschliessen. Die Unterstützung kostet Winterthur fast eine halbe Million Franken.

Das Albanifest habe für Winterthur einen hohen gesellschaftlichen und kulturellen Wert, so der Stadtrat.

Das Albanifest habe für Winterthur einen hohen gesellschaftlichen und kulturellen Wert, so der Stadtrat. Bild: Archiv, Heinz Diener

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«Traditionsgemäss findet in der Stadt Winterthur das Albanifest statt, dessen Ursprung bis weit in die Geschichte zurückreicht. Am 22. Juni 1264 verlieh Graf Rudolf von Habsburg der Stadt Winterthur den Stadtrechtsbrief, weshalb dieser Tag für die Bewohner zu einem Versammlungs- und Festtag wurde.» – Bereits im Einstieg der Präambel der neuen Leistungsvereinbarung macht der Stadtrat bedeutungsvoll klar, welchen Wert er dem Albanifest beimisst: einen sehr grossen. Auch unter enormem Spardruck bleibt es ihm 475 000 Franken pro Jahr wert. So legt es die neue Leistungsvereinbarung fest, auf die sich der Stadtrat und das Albanifest-Komitee (AFK) geeinigt haben und die nun dem Gemeinderat überwiesen wurde.

Reines Finanz-Wirrwarr

Mit wie viel Geld die Stadt das Albanifest unterstützt, ist zwar seit Jahren ein Thema, blieb aber unklar. Ein anonymer Insider sprach letzten Herbst im «Landboten» von einer halben Million Franken. Warum aber die Intransparenz? Fünf Departemente hatten dem AFK jahrelang unkoordiniert ihre Leistungen in Rechnung gestellt. Ein Finanz-Wirrwarr, dass die Verwaltung so schnell nicht aufarbeiten konnte oder die Verantwortlichen nicht aufarbeiten mochten – bis die Finanzkontrolle es anfangs 2016 für unzulässig erklärte, dass die Stadt die Reinigungskosten jeweils übernommen hatte. «Danach sassen die Verantwortlichen relativ rasch an einen Tisch, um eine saubere Lösung für die Zukunft zu diskutieren», sagt Sicherheitsvorsteherin Barbara Günthard-Maier (FDP), bei der nun die Federführung liegt. Und siehe da: Drei Monate später, Mitte Juni 2016, stand der Entscheid für eine Leistungsvereinbarung für die nächsten fünf Jahre bereits.

Künftig schickt der Stadtrat dem AFK jährlich eine einzige Rechnung über 125 000 Franken. Damit werden knapp ein Viertel der Kosten abgegolten, die der Stadt an Aufwand entstehen, beziehungsweise, was sie an Gebühren einfordern könnte – vom Personal, das die Stadtpolizei stellt, bis zu den Reinigungskosten. Total wären das 550 000 Franken.

Weil die Stadt neben dem Gebührenerlass noch einen sogenannten Betriebsbeitrag von 50 000 Franken spricht, summiert sich der Aufwand unter dem Strich auf insgesamt 475 000 Franken pro Jahr. «Alles in allem entspricht das in etwa dem Betrag der letzten Jahre», sagt Günthard. Bei einem Gesamtbudget des Festes von 1,3 Millionen Franken sind das 35 Prozent oder über ein Drittel. Die grössten Brocken machen die Gratisnutzung des öffentlichen Grundes aus, aber auch die Leistungen von Stadtpolizei, -bus, grün und -werk (siehe Tabelle).

Eine Defizitgarantie übernimmt die Stadt zwar nicht. Doch wer zahlt (oder nicht einkassiert), der befiehlt. Der Stadtrat stellt dem AFK in der Leistungsvereinbarung ein paar Bedingungen:

Finanziell: Sollte das Albanifest künftig Gewinn abwerfen, und das ist das Ziel, muss es aus diesem Stille Reserven in der Höhe von 250 000 Franken bilden. Ab dann fliesst die Hälfte des Gewinns zurück in die Stadtkasse. Organisatorisch: Der Betriebsbeitrag von 50 000 Franken soll als «Hilfe zur Selbsthilfe» dienen. Denn das Fest müsse sich organisatorisch professionalisieren. Mit dem ersten Beitrag soll beispielsweise ein neues Sicherheitskonzept entstehen, in Zusammenarbeit mit den Sicherheitsverantwortlichen des Züri Fäschts. Kosten: Die Stadtchilbi soll ein «Fest für die Vereine» bleiben. Lokale Vereine, die übers ganze Jahr hinweg einen «Beitrag von öffentlichem Interesse für die Region Winterthur» leisten, wie Sport- und Jugendvereine, sollen tiefere Standmieten zahlen als kommerzielle Schausteller.

Umwelt: Nicht nur die Sicherheit, auch die Abfallentsorgung soll künftig ein neues Konzept regeln, um die Festbesucher beispielsweise mehr zum Recyclen zu bewegen.

Schon ab 2018 gültig

Wenn der Gemeinderat zustimmt, soll die neue Leistungsvereinbarung ab 2018 gelten. «Mit dieser Lösung soll das Albanifest langfristig erhalten bleiben», sagt Günthard. Neben ihr sitzen auch der Stadtpräsident und die Finanzvorsteherin im Projektausschuss. Was aber, sollte das Festkomitee sich nicht an die Auflagen halten? Zunächst gälte die Leistungsvereinbarung fünf Jahre bis Ende 2022. Für beide Parteien gilt eine fünfmonatige Kündigungsfrist. Bei der Stadt geht man grundsätzlich davon aus, dass die Kosten beim Albanifest in etwa gleichbleiben. «Wenn die Vorgaben der Leistungsvereinbarung nicht ausreichen, sind die Leistungen anzupassen», heisst es in der Weisung ans Parlament allerdings. Gemäss Günthard wäre dies frühestens nach fünf Jahren der Fall. Dann würden Kosten und Leistungen überprüft.

Auch Leistungsvereinbarungen für die Dorfeten?

Das der Stadtrat die Bedeutung der Vereine fürs Stadtleben so deutlich herausstreicht, dürften auch die OK-Präsidenten der Dorfeten gehört haben, die zuletzt fehlende Wertschätzung und steigende Gebühren beklagt hatten. Günthard verspricht: «Auch für die Dorfeten sind solche Leistungsvereinbarung denkbar. Erst wollten wir aber die komplexeste ausarbeiten, die dann als Vorbild dienen kann.»

OK-Chef zufrieden mit dem Deal

Laut Festkomitee-Präsident Daniel Frei hat das Albanifest in den letzten Jahren praktisch immer eine schwarze Null geschrieben. Er ist zufrieden mit dem neuen Deal mit der Stadt. Und auch finanzpolitisch alerte Parteien wie die Grünliberalen begrüssen die damit geschaffene Transparenz und die Anerkennung der Leistung der Vereine für diesen «identitätsstiftenden Anlass». Mit dem «Heiligen Albanus von Naxos» legt sich eben keiner gerne an.

Erstellt: 18.07.2017, 09:23 Uhr

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