Stadtmodell

Hier sprudeln Ideen für Winterthurs Zukunft

Zwei Künstler, eine Gruppe Architekten und rund 200 Workshop-Teilnehmer stellen sich vor, wie Winterthur 2040 aussehen könnte. Resultat dieses Prozesses: eine enorme Vielfalt, freie Gedanken und ein spektakuläres Stadtmodell.

Nur leichte Wolken über Winterthur: Blick aus Richtung Westen über das Stadtmodell. Hinten links in den Elsauer Favelas droht ein Tornado.

Nur leichte Wolken über Winterthur: Blick aus Richtung Westen über das Stadtmodell. Hinten links in den Elsauer Favelas droht ein Tornado. Bild: Marc Dahinden

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Das Ganze ist eine Ausstellung, und was für eine! Ron Temperli und Dominik Heim, zwei lokale Künstler, haben in monatelanger Kleinarbeit ein grosses grünes Modell von Winterthur gebaut, worin man alles erkennt, was man zu kennen glaubt. Aber es ist alles ein bisschen anders als in der harten städtischen Realität.Das Kantonsspital besteht aus gebrauchten Medikamentenschachteln, die Autobahn in Wülflingen ist überdeckt, am Vogelsanghang stehen bereits Baukräne, der Rote Turm ist ein Legohaus. Und im Osten der Stadt, wo in Wirklichkeit Elsau liegt, dominieren endlose Elendssiedlungen, Favelas mit Blechhütten, eine Staumauer hält das Wasser aus Osten zurück, und irgendwo schraubt sich ein Tornado hoch.

Publikumsmagnet als Einstieg

Die zwei Künstler hatten etwas Ähnliches, wesentlich Kleineres schon 2006 im Kunstmuseum aufgebaut. Das neue Stadtmodell misst nun 8 auf 15 Meter, ist teilweise begehbar, weil Wald und Wiesen, aber auch Siedlungen aus Schaumstoff gefertigt wurden. Das Modell steht im oberen Geschoss des alten SLM-Gebäudes an der Zücherstrasse, wo das Forum Architektur seinen Sitz hat, und es ist Teil einer grossen Ausstellung eben dieses Forums.

«Das Stadtmodell ist ein niederschwelliger Zugang zum Thema der Ausstellung», sagt Elias Leimbacher. Er ist Architekt, unter anderem verantwortlich für das Schulhaus Neuhegi, und im Forum Architektur Co-Projektleiter für die aktuelle Ausstellung. Das Stadtmodell sei eine gute Basis, um Vorstellungen zu entwickeln, «ohne sich gleich im Konkreten zu blockieren». Die grosse Stadt im Kleinen hat zudem das Potenzial, ein Publikumsmagnet zu werden.

In einem anderen Teil des alten SLM-Gebäudes zeigt das Forum Architektur, zu welchen Ergebnissen und Erlebnissen eine Reihe von Stadtwerkstätten geführt haben. Rund 200 Personen, Fachleute und Laien, Junge und Ältere, haben an diesen Diskussionen und Spaziergängen teilgeommen. Die Erkenntnisse sind nun in vier Kojen zusammengefasst.

Im Gegensatz zum Stadtmodell braucht man hier als Nicht-Beteiligter gelegentlich erste Lesehilfe, die in Form von kurzen Führungen geleistet wird. Und bittersüsse Cartoons von Ruedi Widmer bringen das jeweilige Thema auf den Punkt. Seien das die «selbstfahrenden Autos», in denen man den Feierabend grillenderweise verbringt, oder die «Renaturierung des Strassenraums», in denen die SUVs ihre Offroad-Qualitäten ausspielen.

Provokation und Hoffnung

Man liest da Sätze und Ideen, die politischen Zündstoff bergen oder zumindest einen Chlapf auslösen können: Nach der Stadthausstrasse auch die Technikumstrasse vom Verkehr befreien, eine Ringbahn oder eine neue Ringbuslinie brächte Entspannung am Bahnhof, Grüne Fjorde ragen allseits in die Stadt hinein. Manches ist Provokation, Manches ist Hoffnung, das Meiste ist klug gedacht.

Auch Trendigem wird teilweise widersprochen, zum Beispiel hier: «Die Idee der bipolaren Stadt (mit den zwei Zentren Altstadt und Neuhegi) ist unzutreffend.» Oder so: «Aufgepasst mit (zu vielen) Urban-Gardening-Kisten!»

Die Initianten hoffen auf eine möglichst breite Diskussion der vorgestellten Ideen und Inputs, damit nicht nur die von der Stadt beauftragten Expertenteams Vorschläge zur Zukunft Winterthurs einbringen. Von der Stadt hat das Forum Architektur 80 000 Franken für den ganzen einjährigen Prozess zugesprochen erhalten. Die Gesamtkosten belaufen sich samt Modell, Workshops und Ausstellung auf 150 000 Franken. (Landbote)

Erstellt: 23.10.2018, 16:24 Uhr

Ausstellung

Stadtwerkstätten, Foum Architektur, Zürcherstr.43. Heute 19 Uhr Vernissage, offen Do/Fr 17 - 20 Uhr, Sa/So 11 - 16 Uhr, bis 29.Nov. Eintritt & Führungen gratis, Diskussionen am 15. und 29. Nov.

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