Kirche

Hitzige Debatte zur Fabrikkirche – und dann die frohe Botschaft

Die Zentralkirchenpflege hat am Montag heftig über die Vorkommnisse rund um die Fabrikkirche diskutiert. Ganz am Schluss erfuhr man: Ein Neustart erfolgt mit einem anderen Konzept, eine neue Leiterin steht schon bereit.

Die reformierte Fabrikkirche musste Ende 2016 ihre Tür auf dem Sulzerareal schliessen.

Die reformierte Fabrikkirche musste Ende 2016 ihre Tür auf dem Sulzerareal schliessen. Bild: Archiv, Johanna Bossart

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Die Traktandenliste war durch, über zwei Stunden hatte die Zen­tralkirchenpflege schon diskutiert, zum Teil mit giftigem Unterton. Man kam zum Punkt Informationen und Verschiedenes, da meldete sich der Seemer Pfarrer Hans-Jürg Meyer als Vorstandsmitglied der Fabrikkirche zu Wort. Man habe per Inserat eine Kirchenvisionärin oder einen -visionär gesucht als Nachfolge von Nik Gugger, und man habe die passende Person gefunden. Schon in zwei Wochen möchte man sie dem Vorstand des Stadtverbandes vorstellen. Eine Frau, die vorerst befristet für ein Jahr angestellt werde, aber sofort verfügbar sei. «Weder der Name Fabrikkirche ist fix noch die Lokalität, das Restaurant Akazie», sagte Meyer: «Der Schwerpunkt muss nicht im Gastrobereich liegen.» Meyer brauchte den Begriff Projektkirche: Es brauche nun eine neue Vision und eine neue Begabung der Leitungsperson, um den nächsten Schritt zu gehen: «Wir wollen nicht Nik Guggers Projekt verwalten.» Und: Man sei in engem und gutem Kontakt mit dem Verbandsvorstand.

Das Misstrauen war hörbar

Mit dieser Ansage beendete Meyer die misstrauische Stimmung, die an der Sitzung geherrscht hatte. Das Misstrauen galt dem Verbandsvorstand, also der Exekutive der Reformierten in der Stadt, und insbesondere dessen Präsidentin Verena Bula. Und es kam von einigen Delegierten der Kirchgemeinden, die das Parlament bilden, die Zentralkirchenpflege.

Der Verbandsvorstand hatte die Leistungsvereinbarung mit der Fabrikkirche gekündigt, ohne die Zentralkirchenpflege zeitnah zu informieren. Der Verbandsvorstand hatte in der Buchhaltung die Reserven der Fabrikkirche reglementsgetreu um 420 000 Franken reduziert; noch immer betragen sie indes 870 000 Franken. Und der Verbandsvorstand hatte einem zweiten Gastroprojekt der reformierten Kirche (Friendship in Town) nebst einem jährlichen Projektbeitrag von 60 000 Franken auch ein Darlehen von 50 000 Franken gewährt. Das alles bot Anlass für eine hitzige Debatte.

Das Darlehen ans Projekt Friendship in Town sei ein «Hochrisikodarlehen», das man eigentlich gleich abschreiben könne, monierte der frühere SP-Gemeinderat David Hauser, der heute in der Kirchenpflege Veltheim aktiv ist. Hauser kritisierte die Kündigung der Leistungsvereinbarung mit der Fabrikkirche, was seiner Meinung nach eine Kompetenzüberschreitung des Verbandsvorstandes war. Und Hauser sieht auch in der Reduktion der Fabrikkirchen-Reserven ein fehlerhaftes Verhalten des Vorstands. Bei diesem letzten Punkt gabs sogar eine Abstimmung, die im Sinne Hausers ausfiel: Die Fabrikkirche wird nun ermuntert, die gestrichenen Reserven zurückzufordern.

Zwei Projekte oder gar keines?

Letztlich lief die Diskussion auf die Frage hinaus: Soll die reformierte Kirche das eine oder das andere sozialdiakonische Projekt unterstützen? Die Fabrikkirche mit neuem Konzept oder das Projekt Friendship in Town, das im Dezember mit einer Cafébar in der Altstadt starten will. «Wir sollten beiden Projekten eine Chance geben und nicht das eine gegen das andere ausspielen», sagte der Wülflinger Pfarrer Stephan Denzler. Die abtretende Kirchenpflegepräsidentin Denise Zier aus Töss hingegen fand: «Es geht mir gegen den Strich, dass sich die Kirche im Gastrobereich austobt und dafür Steuergelder ausgibt. Bei beiden Projekten müsste der diakonische Wert höher sein.» (Landbote)

Erstellt: 26.06.2018, 16:35 Uhr

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Der Steuerertrag der reformierten Kirche in Winterthur ist stetig am Sinken, im letzten Jahr fiel er rund 370 000 Franken tiefer aus als budgetiert: 14,6 statt wie erwartet 15 Millionen Franken. In den Jahren zuvor waren es jeweils 16 Millionen und mehr gewesen. Die Rechnung 2017 schloss mit einem Mini-Defizit von 12 000 Franken. Das Eigenkapital beträgt indes noch immer 18 Millionen. 640 000 Franken werden an Institutionen vergeben. Die grössten Beiträge gehen an die Hilfswerke Brot für Alle (200 000) und Heks (80 000) für Projekte im Ausland. Lokal werden nebst anderen die Strassensozialarbeit Subita, die Dargebotene Hand, das Jugendkafi Stadtmuur und das Selbsthilfezentrum unterstützt. Neu hat die Zentralkirchenpflege 30 000 Franken für die SOS Kinderbetreuung Winterthur genehmigt; für den Umbau des Pfarrhauses Oberi an der Hohlandstrasse liegen1,6 Millionen bereit. (mgm)

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