Mobilität

Hochburg der Autopendler

Fast jede dritte Person, die in Winterthur wohnt und arbeitet, pendelt mit dem Auto. Dieser Wert liegt weit über jenen von anderen Grossstädten. Ist das Parkplatzangebot zu attraktiv?

Wer in der Stadt wohnt und arbeitet, nimmt in Winterthur viel eher das Auto als in anderen Städten.

Wer in der Stadt wohnt und arbeitet, nimmt in Winterthur viel eher das Auto als in anderen Städten. Bild: Marc Dahinden

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Basler, Zürcher und Berner scheuen sich davor: Innerhalb ihrer Stadt mit dem Auto zur Arbeit zu fahren. Nur zwischen elf und 13 Prozent der sogenannten Binnenpendler, die am selben Ort wohnen und arbeiten, nutzen ihr Auto für den Arbeitsweg. Die anderen nehmen Bus und Tram, das Velo oder gehen zu Fuss. Ein ganz anderes Bild zeigt sich in Winterthur: 30 Prozent der Binnenpendler fahren Auto. Es ist die höchste Quote der sechs grössten Deutschschweizer Städten, ebenfalls niedrigere Quoten weisen St. Gallen (27 Prozent) und Luzern (22 Prozent) auf.Die Zahl erstaunt. Denn Winterthur hat ein überschaubares Stadtgebiet und ein funktionierendes Busnetz. Ist wirklich jede und jeder dritte Binnenpendler aufs Auto angewiesen? Eine Partei wandte sich gestern an die Medien: Die Grünen kritisieren die Autoquote unter den Binnenpendlern als «viel zu hoch». Sie sprechen von einer «bürgerlich/gewerblich gefärbten Verkehrspolitik», die dem privaten Verkehr den roten Teppich ausrolle.

Sind Arbeitgeber schuld?

Die Zahl könnte laut dem Ende November abtretenden obersten Verkehrsplaner Raffael Noesberger mit falschen Anreizen zu tun haben: «Wenn ein Arbeitgeber viele Parkplätze anbietet und das vielleicht sogar gratis, dann fördert er natürlich das Binnenpendeln mit dem Auto.» Noesberger untermauert seine Aussage mit Zahlen. Gemäss der Befragung im Rahmen des Berichts «Städtevergleich Mobilität» (siehe Kasten) verfügen etwa zwei Drittel der Winterthurer Arbeitnehmer mit eigenem Auto an ihrem Arbeitsort über einen Parkplatz, die meisten davon über einen Gratisparkplatz.

Welchen Einfluss das ÖV-Angebot auf die Quote hat, wurde im Rahmen des Berichts nicht untersucht.

Auch Personen, welche von ausserhalb in die Stadt zum Arbeiten pendeln sind häufiger mit dem Auto unterwegs, als dies in den anderen Städten der Fall ist. Nur bei aus Winterthur wegpendelnden Arbeitnehmern liegt die Stadt im Schnitt. Dies hat wohl vor allem mit den vielen Arbeitsplätzen in Zürich zu tun, welche eben gerade keine oder nur wenige Autoparkplätze anbieten können.

Nur jeder Dritte mit ÖV-Abo

Im sogenannten Modalsplit, also der Aufteilung nach Verkehrsarten, zeigt sich bei den Winterthurer Binnenpendlern eine weitere Besonderheit: Der ÖV scheint keine hohe Anziehungskraft zu besitzen, nur gerade 29 Prozent nutzen Bus oder Zug, um innerhalb der Stadt vom Wohn- zum Arbeitsort zu gelangen.

Der tiefe ÖV-Anteil spiegelt sich laut Noesberger auch in anderen Resultaten: «Winterthur hat im Vergleich zu anderen Städten noch Potential bei der ÖV-Nutzung, nicht nur die Fahrzahlen liegen teils tiefer sondern auch die Abo-Zahlen.»

Tatsächlich besitzen in Winterthur nur 35 Prozent der Bevölkerung ein ÖV-Abo irgendeiner Form. In Zürich verfügen fast 60 Prozent über ein solches Abo.

Der Stadtrat schreibt in einer Mitteilung, dass er eine Erhöhung des ÖV-Anteils in der Winterthurer Bevölkerung anstreben will. Neue Ideen präsentiert er aber nicht, sondern verweist auf bekannte Projekte, die nun «forciert» werden sollen: Die Veloschnellrouten, die ÖV-Hochleistungskorridore und die Querung Grüze. (Landbote)

Erstellt: 02.11.2017, 17:14 Uhr

Städtenetzwerk

Weniger Auto

Die Städte Basel, Bern, Luzern, St. Gallen, Winterthur und Zürich sind im «Städtenetzwerk Verkehr» zusammengeschlossen, um gemeinsam verkehrsbezogene Fragestellungen zu bearbeiten. Vor fünf Jahren erschien der erste «Städtevergleich Mobilität» in Form eines Berichts. Nun liegt die zweite Auflage vor. Das Datenmaterial dazu stammt grösstenteils aus dem Jahr 2015. Der Bericht soll zum gemeinsamen Ziel der sechs Städte beitragen, den ÖV, Fuss- und Veloverkehr zu fördern. Einzusehen ist er unter der Adresse stadt.winterthur.ch («Medienmitteilungen»). (mpl)

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