Politik

«Hochhäuser sind eine interessante Option»

Die angehende Bauvorsteherin Christa Meier (SP) erklärt im Gespräch, wo sie städtebauliche Akzente setzen will und warum sie davon ausgeht, unverkrampft starten zu können.

Christa Meier tritt am 1. Juni als neue Bauvorsteherin an.

Christa Meier tritt am 1. Juni als neue Bauvorsteherin an. Bild: Johanna Bossart

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Rasch und ohne Umschweife sei die Verteilung der Departemente verlaufen, bestätigte Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) auf Anfrage. Aus den Einzelgesprächen sei hervorgegangen, dass ­alle bisherigen Stadträte in ihren Departementen bleiben wollen. Auch die neu gewählte Christa Meier (SP) durfte ihre Wünsche einbringen. Sie wird Bauvorsteherin und ersetzt den abgewählten Josef Lisibach (SVP). Der Stadtrat bestätigte die neue alte Departementsverteilung letzten Mittwoch an einer Sitzung – ohne Meier. Formell konstituiert sich die neue Regierung dann in zwei Wochen. Ihre erste Sitzung – mit Meier – hält sie am 6. Juni ab.

Im Interview spricht die neue Baustadträtin über ihren Führungsstil und warum sie sich vom Prädikat «beste Velogrossstadt» nicht blenden lässt.
Christa Meier, Ihre künftigen Kolleginnen und Kollegen ­wollten ihre Departemente ­behalten. Kamen auch Sieso zu Ihrem Wunschressort?
Christa Meier: Das kann man so sehen. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass mich der Bau interessiert, und ich denke, dass er mir auch liegt. Ja, ich freue mich sehr!

Inwiefern starten Sie als bisherige Präsidentin der Kommission Bau und Betriebe schon mit einem gewissen Vorsprung?
Ich sass vier Jahre in der BBK und durfte sie zuletzt auch ein Jahr lang leiten, klar bringt das Vor­teile. Ich hatte vertiefte Einblicke in die einzelnen Geschäfte, ich weiss, welche Brocken in den nächsten Jahren auf mich zukommen, ich kenne die departementsinternen Abläufe – und vor allem komme ich gut aus mit den zuständigen Leuten in der Verwaltung! Das sind gute Voraussetzungen für einen unverkrampften Start.

Beim Baudepartement sprangen in den letzten Jahren mehrere Spitzenbeamte ab. Denken Sie, dass Sie auf ein eingespieltes Team treffen werden?
Ja, obwohl auch organisatorisch einiges im Umbruch war und nach wie vor ist. Aber wichtige Vakanzen wie die des Stadtbaumeisters oder des Verkehrsplaners sind wieder besetzt. Das Klima ist gut. Mein Vorgänger hinterlässt mir einen funktionierenden Betrieb, in den ich weiter Ruhe reinbringen will.

Wie würden Sie Ihren Führungsstil bezeichnen?
Als kooperativ. Ich bin jemand, der das Gespräch sucht, um mir zunächst ein Bild davon zu machen, wo ein Projekt steht. Danach werde ich versuchen, dessen Richtung vorzugeben und die ­jeweiligen Prozesse zu lenken.

Kein Top-down-Ansatzals Lehrerin, die Sie ja sind?
Nein, das wäre mehr als vermessen. Fachlich bin ja nach wie vor ich diejenige, die dazulernen muss. Eine scharfe ‹Von oben her­ab›-Rhetorik ist nicht mein Stil.

Sie wohnen in Töss. Wie fahren Sie künftig an Ihren neuen Arbeitsplatz im Superblock?
Mit dem Velo, durchs Tössfeld.

«Die Bevölkerung soll mitreden können.»Christa Meier (SP),
designierte Baustadträtin

Warum nicht entlang der Zürcherstrasse?
Weil ich mich dort als Velofahrerin nicht sicher fühle. Sie ist der Inbegriff für den Flickenteppich, der das Winterthurer Velonetz heute teilweise noch immer ist . . .

. . . in der immerhin velofreundlichsten Grossstadt der Schweiz.
Die Frage, ob das Bestehende reicht, stellt sich mit dem Blick ins Ausland trotzdem. Ich denke da an Kopenhagen, Stockholm oder Rotterdam. Ich war kürzlich in Berlin mit dem Velo unterwegs und fühlte mich sicherer und komfortabler als hier.

Aus den eigenen Reihen kommt die Forderung, dass Sie beim ÖV und Veloverkehr in die Pedale treten sollen.
Das werde ich. Konkret: Ich will im Detail wissen, wie weit die Projekte für die Velobahnen bereits gediehen sind, und diese vorantreiben. Mein Vorgänger hat stets beschieden, man «sei dran». Aber was heisst das genau? Das Gesamtverkehrskonzept ist beschlossene Sache, die es rasch umzusetzen gilt. Der Gemeinderat hat kürzlich eine zusätzliche Stelle für die Veloprojekte bewilligt. Die Voraussetzungen sind also gut. Kompromissloser als mein Vorgänger werde ich auch die ÖV-Priorisierung angehen. Hier muss es eben nicht immer «für ­alle stimmen», wie es häufig hiess, sondern vor allem für die Buspassagiere, die schneller von A nach B kommen sollen.

Der Gegenvorschlag zur kantonalen Anti-Stau-Initiative verlangt, dass Massnahmen zulasten des Individualverkehrs eins zu eins kompensiert werden. Würden Sie für neue Busspuren in Kauf nehmen, dass der Autoverkehr in die Quartiere um­gelenkt wird?
Nein, das kann nicht das Ziel sein. Wir wissen noch nicht, wie die Vorlage genau umgesetzt wird. Die Stadt Zürich steht vor einem ähnlichen Problem. Wir werden sicher versuchen, alles für Winterthur herauszuholen. Ich glaube aber nicht, dass sich unsere Pläne für eine ÖV-Priorisierung mit den neuen kantonalen Vorgaben allzu sehr beissen werden.

Wo wollen Sie als Baustadträtin weitere Akzente setzen?
Ich hoffe, dass das Baudepartement die Umnutzung des Obertors oder des Rieter-Areals positiv mitgestalten kann. Ich bin der Meinung, dass wir die ­Anliegen und Ideen der Bevölkerung möglichst gut abholen sollten, zum Beispiel über Workshops, ähnlich wie beim Aussenraum und beim Dialogplatz der Lok­stadt. Das schafft Akzeptanz und eine gewisse Garantie, dass diese Orte später genutzt werden und nicht veröden. Aber ich mache mir nichts vor. Grösstenteils werde ich als Stadträtin Bauprojekte mitbegleiten, die bereits auf­gegleist sind, wie die Umbauten rund um den Hauptbahnhof, die Erschliessung Neuhegis oder ­Sanierung von Schulhäusern.

Bitte beenden Sie folgende Sätze für uns. «Winterthur braucht mehr Hochhäuser, weil . . . »
. . . sie städtebaulich interessant und dazu ein Blickfang sind, wenn sie schön gestaltet sind. Mit einem 120 Meter hohen Hochhaus in der Lokstadt hätte ich dann kein Problem.

«Eine neue Bau- und Zonen­ordnung müsste garantieren, dass . . .»
. . . Winterthur als Grossstadt urbaner wird und weiterwächst, aber dabei Gartenstadt bleibt. Grünräume garantieren, dass die Lebensqualität hoch bleibt.

«Eine ‹richtige Velostadt› ist Winterthur dann, wenn . . .»
. . . das Veloroutennetz so gut und dicht ist, dass wieder sichtbar mehr Leute mit dem Velo unterwegs sind.

«Die Wohnbaugenossen­schaften sollen . . .»
. . . als Bauträger an Präsenz und Bedeutung gewinnen, ähnlich wie in der Stadt Zürich. Sie bauen verteilt über die ganze Stadt und in verschiedenen Quartieren. Deshalb sind sie wichtige Ansprechpartner für die Stadt. (Landbote)

Erstellt: 15.05.2018, 08:15 Uhr

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