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Hochzeiten vermitteln geht auf die Nerven

Eine Heirat einfädeln kann noch stressiger sein als das Heiraten selber. Diese ­Erkenntnis vermittelt die ­Komödie «Heiraten für ­Anfänger», die an diesem ­Wochenende Premiere feierte.

Trubel im rosaroten Partnerinstitut: Die Heiratsvermittlerin Constance (Myriam Wittlin, von links) wird selbst vom etwas dusseligen Jeremy (Peter Bocek) verehrt. Auch Mrs. Meadows (Susanne Huber) will dringend heiraten, während Sergeant Hill (Thomas Meienberg) im Institut nichts als ein Bordell sieht.
Trubel im rosaroten Partnerinstitut: Die Heiratsvermittlerin Constance (Myriam Wittlin, von links) wird selbst vom etwas dusseligen Jeremy (Peter Bocek) verehrt. Auch Mrs. Meadows (Susanne Huber) will dringend heiraten, während Sergeant Hill (Thomas Meienberg) im Institut nichts als ein Bordell sieht.

Schon das komplett pinkfarbene Interieur des Partnervermittlungsinstitutes (Bühnenbild: Hans Heinrich Rüegg) verspricht der heiratswilligen Kundschaft, dass sie bald auf rosaroten Wölkchen schweben wird. Das be­deutet aber noch lange nicht, dass das Prozedere auch für Heiratsvermittlerin Constance Beauchamp (Myriam Wittlin) und ihre Assistentin Diana Pryce (Christina Arends) rosig und stressfrei abläuft. Schon gar nicht bei Klienten wie dem etwas dusse­ligen Jeremy Groover (Peter ­Bocek), der mit unzähligen erfolglosen Dates ein ziemlich hoffnungsloser Fall ist. Und noch schlimmer: Er ist gekommen, um der Inhaberin seine unsterbliche Liebe zu gestehen – mittels selbst gebastelter Gedichte. Selbst als diese sein Ansinnen klar ablehnt, lässt er sich von seiner fixen Idee nicht abbringen.

Und ein ­übereifriger Polizist . . .

Da kommt Assistentin Diana auf eine List: Sie rät ihrer Chefin, ihm zu sagen, sie sei bereits verhei­ratet. Als «Ehemann» muss dafür der zufällig anwesende, längst verheiratete Godfrey, Earl of Harpenden (Urs Bosshardt), hinhalten. Wie wenn daraus nicht genug Irrungen und Wirrungen erwüchsen, tritt bald schon Mrs. Meadows (Susanne Huber) auf den Plan, eine in ihrem unbändigen Heiratswillen geradezu gemeingefährliche Dame. Und schliesslich taucht auch noch die resolute Lady Sybille Harpenden (Sonia Diaz) auf, die die Situation natürlich völlig ­anders interpretiert. Jeremy, so spinnt sich die Geschichte weiter, weiss in seinem Elend nichts Besseres, als sich dramatisch vom Balkon stürzen zu wollen – wozu ihm als Memme aber letztlich der Mut fehlt. Trotzdem wird der Vorfall der Polizei gemeldet. Sergeant Hill (Thomas Meienberg) als forscher Ermittler sieht im Partnerwahlinstitut und seiner bunt zusammengewürfelten Klientel – inzwischen ist auch noch der etwas verklemmte, aber trotzdem heiratswillige Kanonikus Fitch (Frank Ferner) hinzugekommen – etwas übereifrig nichts anderes als ein Bordell, ja einen Sündenpfuhl. Dies ist zwar angesichts der absurden Situationen und bizarren Kostümierungen (Kostüme: Verena Leimbacher) nahe­liegend, dennoch wird dieses Missverständnis etwas arg strapaziert. Das sorgt zwar für Lacher am laufenden Band, doch irgendwann läuft sich der Witz tot (was an der Textvorlage liegt und nicht an der Regie von Philippe Roussel).

Dominante Frauen

An diesem ziemlich turbulenten Abend dominieren ganz klar die Frauen. Einerseits zahlenmässig (es steht 5:4), andererseits mit starken Rollen und Auftritten. Dazu gehören auch diejenigen des frisch eingestellten, herr- lich radebrechenden spanischen Hausmädchens Anna Maria ­(Ramona Fattini), die zu den Highlights des Abends zählen. Und natürlich finden am Schluss alle einsamen Herzen zueinander (dann steht es 4:4, behalte 1), doch leider ist auch das Happy End nicht ganz happy: Während sich Constance und Jeremy endlich in die Arme sinken und der Vermittlungscomputer wild blinkend verrückt spielt, bricht der verdiente Beifall los. Doch da ist das Stück noch gar nicht fertig und die folgenden Sätze, die den Bezug zum Titel des Stückes herstellen, gehen im Applaus unter. Aber vielleicht sind sie auch gar nicht nötig? Ein höchst turbulenter, amüsanter Komödienabend ist es nämlich trotzdem.

«Heiraten für Anfänger», Komödie von John Chapman und Anthony Marriott, bis 20. August, jeweils Mo/Di/Mi/Fr 20.00 Uhr, Sa 19.30 Uhr und So 17.00 Uhr im Sommertheater, Stadthausstrasse 8a.

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