Winterthur

Hupte der Schwarze mit dem Golf oder der mit dem schwarzen Golf?

Ein Autofahrer zog eine Busse vor Gericht, weil er sich von einem Polizisten diskriminiert fühlte. Er sei aufgrund seiner Hautfarbe beleidigt worden.

Der Beschuldigte soll laut Polizist gehupt haben, obwohl keine Gefahr drohte.

Der Beschuldigte soll laut Polizist gehupt haben, obwohl keine Gefahr drohte. Bild: Shotshop

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Eigentlich ging es um eine Verkehrsbusse über 40 Franken, nun schuldet der Mittvierziger dem Staat über 1000 Franken. Der vorgeworfene Straftatbestand lautet «missbräuchliche Abgabe von Warnsignalen». In Alltagssprache: Der Beschuldigte soll gehupt haben, obwohl keine Gefahr drohte. Weil er Einsprache erhob, musste er gestern vor dem Bezirksgericht für eine Verhandlung erscheinen. Es gehe ihm nicht um die 40 Franken, sondern ums Prinzip, führte er aus. Er fühle sich vom Polizisten, der die Busse ausgestellt hatte, schlecht behandelt.

Seine Version der Dinge geht so: Als er nach seiner Nachtschicht mit seinem VW Golf nach Hause fuhr, gewährte er einem anderen Fahrzeug den Rechtsvortritt, betätigte deshalb einmal die Lichthupe und machte danach Zeichen mit der Hand. Einen Polizisten oder ein Polizeifahrzeug sah er nirgends. Zuhause rief ihn dann ein Polizist aufs Handy an und beleidigte ihn wegen seiner Hautfarbe: «Sind Sie der Schwarze mit dem Golf?», war die erste Frage. Nach einigem Hin und her am Telefon legte der Polizist auf und schickte ihm eine Busse. Laut Strafzettel soll der Beschuldigte um 9.35 Uhr gehupt haben, doch das könne gar nicht sein, sagt dieser: «Ich war um 7.40 Uhr zu Hause und ging sofort ins Bett.»

Polizist erschien nicht

Der Polizist erschien zwar nicht vor Gericht, doch die Richterin trug seine Version vor: Der Begriff «schwarz», der während dem Telefongespräch fiel, hat sich demgemäss auf die Lackierung des Autos und nicht auf die Hautfarbe bezogen. Am fraglichen Tag sass der Polizist in einem parkierten Auto. Um 7.58 Uhr begann er eine zwei Stunden dauernde Geschwindigkeitskontrolle. Gemäss seinem Protokoll hat der Beschuldigte um 9.35 Uhr zwei Mal auf die Hupe gedrückt und die Lichthupe betätigt, obwohl kein anderes Auto in Sicht war.

Die Lichthupe dürfe zwar betätigt werden, um den Vortritt zu gewähren. Nicht jedoch die akustische Hupe, so die Richterin. «Das Gericht glaubt der Darstellung des Polizisten.» In der Urteilsbegründung stützte sie sich auch auf den Bericht der Ombudsstelle, die der Beschuldigte anrief, weil er sich diskriminiert fühlte. Beim ersten Kontakt mit der städtischen Stelle soll der Beschuldigte noch von Lichthupe und Hupe gesprochen haben, beim zweiten Mal nur noch von Hupen. «Ihre Aussagen widersprechen sich.»

Beschuldigter regte sich auf

Der Beschuldigte regte sich bei Urteilsverkündung auf und unterbrach die Richterin immer wieder: «Ich habe nicht gehupt», sagte er. Und es sei eine Schande, dass der Polizist ihn diskriminieren dürfe und ungestraft davon komme. Die Richterin blieb geduldig und meinte: «Bezüglich des Telefonats schliesst sich das Gericht den Ausführungen der Ombudsstelle an. Man kann nicht sagen, was genau gesprochen wurde.» (Landbote)

Erstellt: 10.08.2017, 19:29 Uhr

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