Winterthur

Hurrikan-Schäden drücken bei der Pensionskasse das Ergebnis

Die Hurrikan-Serie im Atlantik im letzten Jahr verdirbt der Pensionskasse der städtischen Angestellten ein sonst gutes Anlagejahr. Grund ist der hohe Anteil von Versicherungsverbriefungen im Portfolio.

Bild der Zerstörung nach dem Hurrican «Irma»: Am Ponte Vedra Beach in Florida rutschte im letzten September ein ganzes Haus in den Atlantik. Die Serie von Wirbelstürmen verursachte in den USA 2017 die höchsten Schäden der Geschichte ­– mit Folgen auch in Winterthur.

Bild der Zerstörung nach dem Hurrican «Irma»: Am Ponte Vedra Beach in Florida rutschte im letzten September ein ganzes Haus in den Atlantik. Die Serie von Wirbelstürmen verursachte in den USA 2017 die höchsten Schäden der Geschichte ­– mit Folgen auch in Winterthur. Bild: Gary Lloyd McCullough (Keystone)

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Erst «Harvey», dann «Irma», und dann auch noch «Maria» – die Hurrikan-Saison 2017 im Atlantik war lang und verheerend, und die Wirbelstürme richteten vor allem in der Karibik und im Süden der USA immense Schäden an. Das merkt auch die Assekuranz.

In der Schweiz rechnet allein die Swiss Re wegen der Wirbelstürme, zwei Erdbeben in Mexiko und weiterer Ereignisse laut «Handelszeitung» mit einem Schaden von 4 Milliarden Dollar.

Gesamthaft wird die Höhe der versicherten Schäden im Katastrophenjahr 2017 von der Versicherungsbranche auf um die 100 Milliarden Dollar geschätzt. Zur Kasse gebeten werden nun im Zeitalter globalisierter Finanzsysteme Institutionen weltweit, auch in Winterthur. Hier trifft die Wirbelsturmsaison die sanierungsbedürftige Pensionskasse der städtischen Angestellten.

Reaktion auf die Finanzkrise

Der Grund dafür läuft bei Finanzexperten unter der Bezeichnung ILS, «Insurance-linked securities». Es handelt sich um Versicherungsverbriefungen, also Versicherungspolicen, die wie Anlagen gehandelt werden. Die Pensionskasse der städtischen Angestellten investiert seit 2011 in solche Anlagen, über extern verwaltete Fonds, die von der Investmentberatung LGT Capital Partners ausgewählt werden.

Mariusz Platek, Leiter Anlagen und stellvertretender Geschäftsführer der Kasse, sagt, die ILS seien Teil der Diversifizierungsstrategie der Kasse, ein Mittel also, um das Anlagerisiko zu verteilen.

«Der Schaden liegt in den erwarteten Bandbreiten.»Marius Platek, 
Leiter Anlagen bei der Pensionskasse der städtischen Angestellten

Unter dem Eindruck der Finanzkrise und der von Griechenland ausgelösten europäischen Bonitätskrise habe die Kasse zu Beginn dieses Jahrzehnts versucht, Aktien- und Obligationsrisiken zu minimieren. «Aktien standen im Jahr 2011 bei etwa minus 11 Prozent, die ILS – vor Währungsabsicherung – bei etwa plus 11», sagt Platek, der selbst damals noch nicht bei der Kasse war. Die Versicherungsrisiken seien vom Kapitalmarkt und von der Börse komplett entkoppelt, was für die Diversifikation am besten sei.

Aktuell hat die Pensionskasse 8 Prozent ihres Kapitals in Versicherungsverbriefungen angelegt. Auf dieses Kapital schreibt sie für das Jahr 2017 einen Verlust von 8 Prozent. Platek allerdings relativiert den Schaden: Über den ganzen Investitionszeitraum gesehen, also seit 2011, resultiere aus den ILS in US Dollar immer noch eine Rendite von 3,9 Prozent. Hätte die Kasse im selben Zeitraum in Obligationen investiert, wäre sie nicht besser gefahren, sagt Platek. Mit Obligationen in Fremdwährungen sogar schlechter.

Sein Vertrauen in die Versicherungspapiere ist intakt. «Dass drei bis vier solche Wirbelstürme zuschlagen, passiert nur alle fünfzehn bis zwanzig Jahre.» Der Schaden liege in den «erwarteten Bandbreiten». Für die Pensionskasse sei es das erste Jahr überhaupt, in dem die Papiere einen Verlust schrieben. In den USA, dem Markt, auf den sich die meisten Versicherungsverbriefungen beziehen, war 2017 das teuerste Katastrophenjahr der Geschichte, noch vor dem Jahr 2005, als der Hurrikan «Katrina» New Orleans unter Wasser legte.

Die zuständige Behörde, die National Oceanic and Atmospheric Administration, schätzt die Gesamtschäden im letzten Jahr auf 300 Milliarden US-Dollar.

Eine verpasste Chance

Trotz dem Verlust bei den Versicherungspapieren war 2017 für die Pensionskasse der städtischen Angestellten insgesamt ein gutes Jahr. Geschäftsführer Markus Büchi erwartet eine Rendite von über 5 Prozent. Das ist mehr als in den fünf vorhergehenden Jahren (Durchschnitt: 4,9 Prozent) und deutlich mehr als die Soll-Rendite von derzeit 2,8 Prozent – was sich positiv auf den Deckungsgrad auswirken dürfte. Die Zahlen dazu werden in den nächsten Wochen bekannt.

«Dass drei bis vier solche Wirbelstürme zuschlagen, passiert nur alle fünfzehn bis zwanzig Jahre.»

Die Winterthurer Kasse dürfte indes deutlich hinter der durchschnittlichen Rendite der Branche zurückbleiben. Das liegt nebst den indirekten Sturmschäden auch am defensiven Aktienanteil der Kasse, der knapp weniger als 20 Prozent beträgt und mit dem sie vom guten Börsenjahr nicht wie andere profitieren konnte. Es fehlt der Kasse die Risikofähigkeit.

Laut Geschäftsführer Büchi lassen die bestehende Unterdeckung und der hohe Rentnerbestand keine höhere Aktienquote zu. «Andere Pensionskassen mit ähnlichen Deckungsgraden wie die der Post oder der SBB haben ebenso wenig an der Börsenhausse teilhaben können».

Stresstest bestanden?

Der Hurrikan-Serie können Büchi und Platek übrigens auch etwas Positives abgewinnen. So habe sich gezeigt, dass die Diversifikation funktioniert. Konkret: Ein einzelnes Ereignis kann die Anlagestrategie nicht aus den Angeln heben.

(Der Landbote)

Erstellt: 09.01.2018, 17:47 Uhr

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