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«Ich fahre mit einem unguten Gefühl»

Seit der Trennung von einem Geschäftspartner hat Martin Lemmenmeier für sein Taxiunternehmen von der Stadt Winterthur keine Konzessionen mehr. Sein Umsatz, sagt er, sei um die Hälfte eingebrochen. Von der Politik ist er enttäuscht.

Begehrtes Schildchen: Seit über sechs Jahren vergibt die Stadt Winterthur keine Taxibewilligungen mehr.
Begehrtes Schildchen: Seit über sechs Jahren vergibt die Stadt Winterthur keine Taxibewilligungen mehr.

Er müsse sich «in der Halblega­lität» durchbeissen, sagt Martin Lemmenmeier. Seit er und ein früherer Geschäftspartner getrennte Wege gehen, steht der Winterthurer Taxiunternehmer ohne Konzessionen da.

Rechtlich ist er damit einem Limousinenservice gleichgesetzt. Das heisst, er darf Fahrgäste streng genommen nur auf Bestellung mitnehmen. Und die Zufahrt in die Altstadt bleibt ihm, der kein Taxischild auf dem Dach hat, verwehrt. «Ich kann meine Kunden nicht mehr so bedienen, wie sie es gewohnt sind», sagt Lemmenmeier. «Ich muss ihnen sagen: Was ich tue, ist halblegal. Ich fahre mit einem unguten Gefühl.»

Unmöglich, etwas aufzubauen

Seit er keine Konzessionen mehr hat, sei der Umsatz um die Hälfte eingebrochen, sagt der Taxiunternehmer. «Zwei Autos musste ich stilllegen. Das dritte fahre ich selbst.» Nur dank der treuen Stammkundschaft könne er überleben. Etwas aufzubauen und Arbeitsplätze zu schaffen, sei für ihn aber unmöglich. Oft müsse er seinen Aushilfsfahrern absagen. Eine undankbare Aufgabe: «Die haben auch etwas investiert, die nötige Ausbildung gemacht.»

«Es ist eine Sauerei, dass die sagen, jetzt warten wir mal auf den Kantonsrat.»

Martin Lemmeier, Taxifahrer ohne Konzession

Wie andere Taxifahrer ärgert er sich über die Politik der Stadtregierung. Er versteht nicht, weshalb die Stadt eingezogene Taxikonzessionen weiterhin zurückbehält – auch jetzt noch, da die Reform im Taxiwesen juristisch gescheitert ist. «Es ist eine Sauerei, dass die sagen, jetzt warten wir mal auf den Kantonsrat.»

Lemmenmeier schlägt vor, die freien Konzessionen zu verlosen. Von den Konzessionsgebühren würde ja auch die Stadt profitieren, sagt er. «Oder hat die Stadt kein Geld mehr nötig?»

Sukkurs vom Taxikönig

Unterstützung für diese Idee kommt ausgerechnet von Taxiunternehmer Thomas Schönenberger, der von den eingezogenen Bewilligungen eigentlich profitieren müsste. Schönenberger hält mit seinen beiden Taxiunternehmen ein Drittel aller A-Konzessionen in Winterthur, die noch im Umlauf sind, und er war es auch, der den Rekurs gegen die neue Taxiverordnung angestrengt hatte.

«Die eingezogenen Lizenzen müssen wieder raus», sagt Schönenberger und meint insbesondere die sechs freien A-Lizenzen. Das Zögern der Stadt erklärt er mit dem Problem der Vergabe. Die Frage, wer eine A-Lizenz erhalten solle, sei nicht zufriedenstellend geregelt. Schönenberger schlägt vor, die Konzessionen an B-Konzessionäre zu vergeben, die seit Jahren vom Taxigeschäft leben. «Aber nicht an Leute, die sich mit einer B-Bewilligung am Wochenende noch etwas zuverdienen wollen.» Der Kreis dieser Fahrer, die eine A-Konzession verdient hätten, sei etwa gleich gross wie die Zahl der eingezogenen Konzessionen.

«Ich habe das Gefühl, die im Stadtrat wissen nicht, was sie machen müssen.»

Martin Lemmeier

Er selbst würde zurückstehen und keine weitere Konzession beantragen, sagt Schönenberger. «Es gibt jetzt die Chance, dass im Taxigeschäft wieder etwas Ruhe einkehrt.» Am Bahnhof hielten sich heute Fahrer ohne A-Konzession nicht an die Auflagen und versuchten, vor der Taxischlange Kunden abzugreifen. «Wenn man denen eine A-Bewilligung gibt, stehen sie wenigstens ordentlich in eine Reihe.»

Es fehlt ein Zentralorgan

Taxiunternehmer Lemmenmeier sieht in der Situation am Bahnhof, wo sich Polizei und Fahrer teils ein Katz-und-Maus-Spiel liefern, ein Produkt der Winterthurer Politik. In seinen zwölf Jahren als Fahrer habe er alles miterlebt, sagt er. «Die Taxipolitik ist absolut undurchsichtig und daneben. Ich habe das Gefühl, die im Stadtrat wissen nicht, was sie machen müssen.» Allerdings klafft auch auf der Seite der Fahrer eine Lücke. Eine Taxikommission, welche die Interessen aller Fahrer, unabhängig von ihrer Stellung, zu bündeln versucht, gibt es nicht mehr.

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