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«Ich habe mir die Verspieltheit und Neugier aus der Kindheit bewahrt»

Der Winterthurer Daniel Fehr schreibt Kinderbücher und entwirft Spiele. Sein neuestes hat es gar auf die Empfehlungsliste «Spiel des Jahres 2018» geschafft.

Bücher haben im Leben von Daniel Fehr einen hohen Stellenwert. Hier zeigt er in der Stadtbilbiothek sein Buch  «Ein Loch gegen den Regen».

Bücher haben im Leben von Daniel Fehr einen hohen Stellenwert. Hier zeigt er in der Stadtbilbiothek sein Buch «Ein Loch gegen den Regen». Bild: Marc Dahinden

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Sprache und Bilder begleiten Daniel Fehr seit seiner Kindheit. Und diese beiden Bereiche verbindet er in ganz verschiedenen Formen. Das Resultat sind Bilderbücher und Spiele. Sein aktuellstes Werk heisst «Woodlands» und ist ein Spiel für bis zu vier Personen. Geschichten spielen darin eine wichtige Rolle.

So wagen sich die Spieler etwa mit Rotkäppchen durch den Wald oder kämpfen mit Robin Hood gegen den Feind. Gefragt ist räumliches Vorstellungsvermögen. Jeder Spieler erhält eine Platte und Wegkarten und muss die Wegkarten so platzieren, dass die Figur auf diesem Weg die gestellten Aufgaben erfüllen kann.

Das Spiel ist ein Beispiel dafür, wie Fehr Sprache und Bilder verbindet. Liebevoll gestaltete Elemente sorgen dafür, dass die Spieler Lust haben, selber Teil der Geschichte zu werden.

Aufmerksamkeit für das Spiel

Das neue Spiel kommt gut an — auch bei der Jury, welche die Auszeichnung «Spiel des Jahres» vergibt. Sie setzte es auf die diesjährige Empfehlungsliste der neun besten Spiele. Zudem wurde ihm von der Wiener Spiele Akademie der Preis «Spiele Hit für Familien» verliehen.

«Das sind schöne Auszeichnungen, die dem Spiel Aufmerksamkeit verschafft», sagt Fehr. Wie sich das auf die Verkaufzahlen auswirke, könne er allerdings nicht sagen.

«Die Dinge, an denen ich gleichzeitig arbeite, befruchten sich gegenseitig.»Daniel Fehr

«Woodlands» ist nicht Fehrs erstes Spiel. Zuvor hat er bereits ein Wimmelspiel für Kinder und ein Kartenspiel namens «Gämsh Alpin» sowie zwei kleinere Spiele konzipiert.

Zum Spieleentwerfen kam er schon als Kind. «Mit einem Kollegen begann ich, Monopoly zu erweitern. Das machte uns mehr Spass als das Spiel selbst», erzählt Fehr. Der Spass ist geblieben, dass Hobby wurde zum Beruf.

Laut Fehr ist der Prozess von der Idee zum Spiel immer ähnlich. «Zuerst ist da ein Einfall, den ich verfolge. Hat er sich konkretisiert, beginne ich mit der Testphase. Ich fertige zuerst einen Prototyp an und teste diesen mit anderen Spielautoren.» In einem zweiten Schritt würden verschiedene Familien die Spiele testen — nur mit der Spielanleitung.

«Sie füllen einen Fragebogen aus und ich passe das Spiel aufgrund dieser Erkenntnisse weiter an. Erst wenn diese Leute Spass am Spiel haben, suche ich einen Verlag.» Damit ist das Spiel aber noch nicht realisiert. Auch der Verlag führt zuerst Tests durch.

«Erst wenn diese positiv verlaufen, kann das Spiel veröffentlicht werden.» Im Falle von «Woodlands» dauerte dieser Prozess zweieinhalb Jahre von der Entstehung bis zur Veröffentlichung.

Dass ein Spiel einen Verlag findet, ist keineswegs selbstverständlich. Die Konkurrenz ist gross. Es gebe hunderte Spiel-Autoren im deutschsprachigen Raum, sagt Fehr. Und jedes Jahr kämen rund 1000 Spiele heraus. Vorschläge erhalten die Verlage noch deutlich mehr. Wie gelingt es da, mit einer besonderen Idee herauszustechen? «Es hilft, wenn sie originell ist und irgendetwas Neues bietet.»

Wichtig ist weiter, dass das Spiel auf die Zielgruppe zugeschnitten ist. «Kinder- oder Familienspiele sollten schnell erklärbar sein und nicht zu lange dauern.» Anders sei es bei Spielen für den Hobbymarkt. Da ist eine lange Dauer weniger hinderlich und auch eine kompliziertere Anleitung liegt drin. Fehr sagt, er entwerfe am liebsten Kinder- und Familienspiele. «Ich finde es interessant, für ein grösseres Publikum Spiele zu realisieren.»

Seine zweite Passion gilt Bilderbüchern. «Schon als Jugendlicher wusste ich diese Kunstform zu schätzen und sammelte Bilderbücher.» Inzwischen hat Fehr schon eine ganze Reihe von Büchern selber realisiert. Er textet zwar selber, für die Bildersind aber Illustratoren zuständig.

«Ich konzipiere das Buch, überlege mir einen Ablauf und schreibe den Text. Oft habe ich auch schon eine Vorstellung vom Bild. Trotzdem vertraue ich ganz auf die Arbeit der Illustratorinnen und Illustratoren. Wenn sie gut sind, erfassen sie nicht nur den Kern eines Textes schnell und präzise, sie bringen auch ihre eigene Sicht in den Text hinein und bereichern ihn.» Selber zu illustrieren, war für ihn nie ein Thema: «Ich kenne meine Grenzen.»

Fehrs Ziel ist, dass seine Bilderbücher Spass machen, und zwar Kindern und Erwachsenen. «Nur dann ist es für sie auch spannend, die Bücher zu erzählen. In seinem neusten Buch «Hannas Hosentasche» geht es beispielsweise um die Frage, weshalb Kinder stets so viel Krimskrams in ihrer Hosentasche haben.

Am Ursprung des Buches stand laut Fehr die Erinnerung an einen Kollegen: «Er hatte immer eine volle Hosentasche. Ich habe als Bub mit Interesse beobachtet, wie diese Dinge ein Eigenleben entwickelten.»

Von der Arbeit leben

Reich wird Fehr als Autor nicht. «Aber ich habe den Anspruch, dass ich von dem, was ich arbeite, leben kann.» Neben seiner Autorenarbeit ist beim Scheizer Institut für Kinder- und Jugendmedien engagiert. Er leitet dort das Projekt «Schweizer Vorlesetag». Seine restliche Zeit nutzt er etwa zu gleichen Teilen um Spiele und Bücher. zu realisieren

Wie wichtig ist es, dass man sich als Autor für Kinderbücher und -spiele in der Kinderwelt zuhause fühlt? Fehr sagt, ein sei von Vorteil, wenn man sich aus der Kindheit eine gewisse Neugier und Verspieltheit bewahrt habe. «Aber noch wichtiger ist die Freude an der Sache.»

Fehr entwirft nicht nur Spiele, er spielt auch selber sehr gerne. Er hat deshalb mit seiner Partnerin in Töss einen Spieletreff für Leute zwischen 20 und 40 Jahren ins Leben gerufen. Der Kreis umfasse jeweils etwa 12 Personen.

Dabei werden nicht etwa Fehrs Spiele ausprobiert, «wir spielen kunterbunt, jeder nimmt etwas mit.» Ein Lieblingsspiel hat Fehr nicht. «Ich lerne einfach gerne neue Spiele kennen. Auch lange Spielanleitungen schrecken mich nicht ab.»

(Der Landbote)

Erstellt: 10.07.2018, 12:16 Uhr

Zur Person

Daniel Fehr ist in Winterthur aufgewachsen und wohnt hiermit seiner Partnerin. Der 38-jährige hat längere Zeit in Amerika gelebt, studierte er doch in Princeton Germanistik und Medienwissenschaften.

«Ich nahm aus dieser Zeit nicht zuletzt mit, dass es immer auch eine andere Sichtweise auf Dinge gibt, als die eigene.»

Fehr sagt über sich, er sei sehr vielseitig. So nähe er auch gern e oder baue eigene Möbel. Diese Abwechslung mag er, ja er braucht sie sogar: «So befruchten sich die Dinge gegenseitig, an denen ich gleichzeitig arbeite.»

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