Winterthur

«Ich habe mir gesagt: Dann will ich den Winterthurern unsere Kompetenz zeigen»

Immobilieninvestor Isaac Schapira meidet öffentliche Auftritte und betreibt seine Geschäfte über ein internationales Netz von Gesellschaften. In Winterthur, wo er von der Stadt Land kaufen und ein Demenzheim bauen will, bricht er seine Diskretion.

Ein Drittel seiner Zeit setze er für wohltätige Zwecke ein, sagt Isaac Schapira. «Darum muss ich um 5 Uhr aufstehen und gehe um 24 Uhr ins Bett.»

Ein Drittel seiner Zeit setze er für wohltätige Zwecke ein, sagt Isaac Schapira. «Darum muss ich um 5 Uhr aufstehen und gehe um 24 Uhr ins Bett.» Bild: Marc Dahinden

Die Entourage steht vor dem «Landboten» in Garnmarkt schon bereit, er aber lässt noch auf sich warten. Isaac Schapira hat drei enge Vertraute anreisen lassen: Andreas Vögeli, Immobilienanwalt und Partner bei der Zürcher Kanzlei Niederer Kraft Frey, Peter Hemmerling, CEO seiner deutschen Pflegeheimgruppe Stella Vitalis, und Andreas Thielemeier, Geschäftsführer seiner CEMAGG Management GMBH, einer deutschen Immobiliengesellschaft.

Wenige Minuten verstreichen, dann fährt eine schwarze Limousine vor. Schapira steigt aus, das Handy am Ohr. Er spricht Hebräisch, legt auf und grüsst freundlich, mit warmem Händedruck. Das Gespräch im Redaktionsgebäude nimmt er von Beginn weg selbst in die Hand. «Ich erkläre Ihnen, wer wir sind, dann sagen Sie uns, mit wem wir es zu tun haben.»

Er redet in weiten Bögen, aber ohne den Faden zu verlieren, in nahezu perfektem Hochdeutsch. Seine Mitarbeiter habe er mitgebracht, um die Kompetenz seiner Unternehmung zu zeigen. Es gehe ihm um Vertrauensbildung, sagt er. Und dann in Dialekt: «Chan ich mich druf verla?»

An seinem Gegenüber interessiert ihn vorab der Name. «Dahinden, Dahinden», sagt er zum Fotografen. «Ich kenne einen Dahinden; er ist der Schweizer Botschafter in Washington. Dann sind Sie Dahinden Nummer 2.» Nach der Vorstellungsrunde ist eine Viertelstunde um. Wir kommen zur ersten Frage.

Sie machen mit ihren Brüdern Immobiliengeschäfte in ganz Europa, bewegen Hunderte von Millionen, treten aber praktisch nie öffentlich auf. Woher rührt diese Zurückhaltung?
Isaac Schapira: Der Grund dafür ist, dass wir eine Privatfamilie sind – und die Volumen sind übrigens viel kleiner. Ausser den Steuerbehörden in jedem Land schulden wir niemandem Rechenschaft. Wir berichten dort, wo wir müssen. Und wo wir nicht müssen, ziehen wir es vor, im Hintergrund zu bleiben. Man muss sich nicht für jeden ausziehen.

«Ausser den Steuerbehörden in jedem Land schulden wir niemandem Rechenschaft.»Isaac Schapira

Und warum sprechen Sie hier und heute mit uns?
Man hat mir nahegelegt: Damit das Geschäft in Winterthur klappt – für das unsere Familie gutes Geld bezahlt – musst Du die Bevölkerung überzeugen. Da habe ich mir überlegt, sollen wir auf das Geschäft verzichten oder sollen wir an die Öffentlichkeit gehen? Und da habe ich gesagt: Ich komme und erzähle von uns, ich will den Winterthurern unsere Kompetenzen zeigen.

Auf diesen Grundstücken in Winterthur will Isaac Schapira bauen: Die Parzelle hinter dem Schulhaus Wyden (links) und das Reitwegareal.

Sie haben mit ihrer Diskretionsregel erst einmal gebrochen. 2016 sprachen Sie mit dem Branchenmagazin «Komplex» von Halter Immobilien, einem Ihrer Schweizer Businesspartner.
Das stimmt. Ich habe mich in der Schweiz bis auf dieses eine Mal nie interviewen lassen, auch nicht in Deutschland. In Israel gebe ich manchmal Interviews, aber nur in gesellschaftlichen, nie in wirtschaftlichen Angelegenheiten.

«In Winterthur ein Geschäft zu machen ist anders als in ganz Europa.»Isaac Schapira

Gibt es einen tieferen Grund für diese Verschwiegenheit?
Es gibt Leute, die ein Problem haben mit Neid. Und es gibt Projekte, bei denen, wenn bekannt wird, dass unserere Familie interessiert ist, der Preis steigt. Darum bewahren wir lieber ein «low key»-Profil. Wir suchen die Öffentlichkeit nicht. Aber dort, wo wir uns profilieren müssen, machen wir es «big time», mit Stolz und Ehre. Bei den Banken, bei den Gemeinden. Die kennen uns «top to bottom».

Es bricht eine Diskussion ums Foto los. Issac Schapira sieht Bilder in der Presse skeptisch. Oft stünden Sie den Fakten im Weg und allzu schnell habe man sich aus Schlagzeile und Foto ein Bild gemacht.

Es sind wenige ausgewählte Fotos, die man auf dem Internet findet: Isaac Schapira beim Handshake mit Bundesrat Johann Schneider Ammann, mit dem Ex-Bundeskanzler-Kandidaten Martin Schulz, mit Prince William, Duke of Cambridge. Im Buckingham Palace wurde Schapira 2013 die Auszeichnung Order of the British Empire verliehen. Der Titel OBE ziert heute seine Visitenkarte. Es ist eine Anerkennung für seine Verdienste als Vermittler zwischen den orthodoxen Juden und der britischen Gesellschaft.

Illustre Kontakte: Prinz William zeichnet Isaac Schapira mit einem Orden aus (links). Treffen mit SPD-Politiker Martin Schulz.

Sie wollen in Winterthur Alterswohnungen und ein Demenzheim bauen und dafür städtisches Land kaufen. Wie erklären Sie sich die Skepsis, die Ihnen dabei entgegenschlägt?
Es gibt Leute, die sagen, die zwei Parzellen, die man uns verkaufen will, gehören der Stadt, und städtisches Land wird nicht verkauft. Das ist Politik, ich verstehe das, auch wenn uns zum Beispiel in Bremen oder in Weil am Rhein halbstaatliches und staatliches Land verkauft wurde. Es wurde auch gesagt, wenn ein Privater kommt und hier ein Demenzheim betreibt, dann geht das zulasten der staatlichen Alterseinrichtungen. Und man hat gesagt, dass ein Privater in Winterthur keine Gewinne machen darf. Dieser Punkt hat mich gewundert, alle privaten Investoren in der Alterspflege wollen auch eine Rendite erzielen. Wir haben unsere Zentren nicht auf maximalen Gewinn konzipiert, weil für uns die Qualität wichtiger ist. Das fängt zum Beispiel dabei an, dass wir überall vor Ort kochen, auch wenn ein Lieferdienst günstiger wäre. Wir nehmen uns für unsere Bewohner viel Zeit. Für die ausgezeichnete Qualität ist Stella Vitalis daher in ganz Deutschland bekannt.

Haben Sie die Reaktionen in Winterthur persönlich genommen?
Die Idee, kein städtisches Land zu verkaufen oder keine Konkurrenz für städtische Pflegeheime zuzulassen, ist nicht auf mich und meine Familie bezogen. Aber es gab auch die Frage, ob die Familie Schapira und Stella Vitalis etwas von Demenz verstehen. Die logische Antwort darauf ist: Natürlich, sonst würde unsere Familie nicht so viel Geld investieren. Ich habe, bevor ich in diesen Sektor gegangen bin, eine Studie machen lassen und festgestellt, dass Demenzbetten fehlen werden, in Deutschland und der Schweiz.

Sie reden, als wäre Winterthur ein Sonderfall.
Es ist für mich das erste Mal in meiner Tätigkeit, dass ich mich rechtfertigen muss. Das hat mich sehr gewundert. In England oder Deutschland habe ich das so noch nie erlebt. Dabei hat die Stadt Winterthur sehr hart verhandelt. Nicht nur der Preis für die Grundstücke ist sehr hoch, auch die weiteren Bedingungen wie die Verpflichtung zu einem Architekturwettbewerb oder die Vor- und Rückkaufsrechte der Stadt. Und es ist zum Beispiel auch so, dass wir, wenn wir ein paar Zimmer mehr bauen und aufstocken wollen, 20 Prozent des Mehrwerts abgeben müssen.

Einer von 17 Standorten in Deutschland: Das Stella-Vitalis-Seniorenzentrum in Erftstadt hat 51 Plätze für Menschen mit Demenz.

Ihr Projekt hätte bessere Karten, wenn Sie das Land im Baurecht übernehmen würden. Wäre das keine Option?
Wir haben öffentlich-beurkundete Kaufverträge mit der Stadt Winterthur abgeschlossen, die einen Landkauf und kein Baurecht vorsehen. Ein Unternehmer ist frei in der Entscheidung, in was er investiert – nur dann ist es ein richtiges Investment. Wenn ich in Winterthur im Baurecht kaufe, bleibe ich für hundert Jahre gebunden. Als Unternehmer kann ich aber zur Überlegung kommen, dass ich mein Investment verkaufen will. Weil die Mehrheit der institutionellen Investoren keine Projekte im Baurecht kaufen will, kann auch ich nicht im Baurecht kaufen. Vielleicht werden wir einmal eine Ausnahme machen. Aber hier nicht.

Wieder hat Schapira von der Einzahl in die Mehrzahl gewechselt. Seine geschäftlichen Entscheidungen trifft er nicht allein. Von fünf Geschwistern sind seine zwei Brüder Samuel und Pinchas am Immobiliengeschäft beteiligt. Jeder, sagt er, habe seine Zuständigkeit. Pinchas wohnt in Israel und kümmert sich ums Immobiliengeschäft in Deutschland. Samuel wohnt in Prag und steuert die Geschäfte in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. «Wir arbeiten eng zusammen», sagt Isaac Schapira. Er selbst ist unter anderem für die Geschäfte in England zuständig, wo er lange wohnte und ein Büro unterhält. Kürzlich, sagt er, sei er wieder zurück nach Tel Aviv gezogen.

Die Familie unterhält auch mehrere Stiftungen, darunter die Schapira Family Foundation in Zug, die in Israel Bedürftige unterstützt. Isaac Schapira war zudem Mitgründer der European Jewish Cemeteries Initiative, die jüdische Friedhöfe in Europa vor dem Verlottern bewahrt und vom deutschen Staat finanziell unterstützt wird. Ein Drittel des Tages setze er für Gemeinnütziges ein, sagt Schapira. «Darum muss ich um 5 Uhr aufstehen und gehe um 24 Uhr ins Bett.»

Als Käuferin der Grundstücke in Winterthur bewirbt sich die Stella Vitalis Real Estate AG, eine Gesellschaft mit Sitz in Zürich. Den Namen Schapira findet man im Handelsregister aber nicht.
Das ist so und nicht unüblich bei privaten Investoren. Schauen Sie, die wichtigsten Leute, die Banken, die Rechtsanwälte kennen uns.

Als wir vor einigen Wochen bei den Verantwortlichen nach Ihrer Involvierung fragten, haben wir auf Beton gebissen. Warum?
Wir haben überall Gesellschaften, die von den Verwaltungsräten in den Ländern vor Ort geführt werden. Wie der Geldgeber heisst, ist letztlich egal. Meine Familie und ich, wir wollen nicht ins Rampenlicht. Wir bringen die Ideen und das Kapital zusammen.

Wie viele Gesellschaften zählt das Schapira Family-Office, das sie gemeinsam mit ihren Brüdern betreiben?
Weltweit? Sehr viele.

«Wir haben Gesellschaften, wo unsere Berater sagen, dass wir gewisse Vorteile haben.»Isaac Schapira

Es gibt eine Holding auf den Virgin Islands, die über allem steht, richtig?
Wir haben nicht eine Holding, sondern verschiedene Strukturen, je nachdem. Aber das sind Themen, die sind dem Winterthurer Leser egal.

Virgin Islands, Bahamas, Zypern, in allen diesen Ländern haben Sie laut Handelsregisterauszügen Gesellschaften.
Sehen Sie, wir haben Gesellschaften, wo unsere Berater sagen, dass wir gewisse Vorteile haben, in der Schweiz, in Deutschland, in Tschechien; in den Bahamas haben wir keine aktive Gesellschaft. Die meisten Gesellschaften, die meisten Holdings, sitzen in unserer Zentrale in Luxemburg.

Und welche Art von Vorteil?
Zum Beispiel Steuervorteile. Was ich aber sagen kann: Wir haben nie Gesellschaften gegründet, um Steuern zu vermeiden. Weil wir in Prag und Israel wohnen, haben wir eine bestimmte Rechtslage, nach der wir uns richten müssen. Aber wir bezahlen in der Schweiz viel Steuern, und wir bezahlen in Deutschland viel Steuern.

Mit Verlaub, aber Sie bleiben reichlich vage.
Es gibt auch irgendwo eine Grenze, was ich den Winterthurern erzählen muss. Der Winterthurer will wissen, ob wir anständige Leute sind. Und die Antwort ist: Ich bin stolz auf unsere Reputation. Ich bin stolz auf unsere Integrität, Treue und Anständigkeit.

Wo in der Schweiz haben Sie und Ihre Brüder heute investiert?
Wir sind Besitzer von Gebäuden in verschiedenen Kantonen. Mein Bruder Samuel, der in Prag wohnt und Schweizer ist, hat teils seine eigenen Geschäfte gemacht. Wir haben aber auch gebaut, entwickelt und investiert.

Dem Magazin Komplex der Halter Immobilien erzählte Isaac Schapira vor zwei Jahren, er sei 2002 in den Schweizer Markt eingestiegen. Seither hätten sich viele seiner Investitionen verdoppelt. Weil er in der Schweiz keine Niederlassung hat, kann er über seine Luxemburger Gesellschaften nur in Gewerbeliegenschaften investieren. Sein Bruder Samuel kümmert sich demnach um Wohnliegenschaften, als Schweizer untersteht er der Lex Koller nicht.

Auch mehrere Projekte, die Schapira mit Halter realisierte, kommen in dem Interview zur Sprache: der Europaplatz in Bern, eine grosse Wohnüberbauung mit integrierten Läden, der Limmat Tower in Zürich mit Büros und Eigentumswohnungen.

Auch beim Europaplatz in Bern hatte Shapira seine Hände im Spiel.

Ihre Familie ist wohlhabend. Stammt ein Teil des Vermögens aus Geschäften ihres Vaters?
Nein, wir haben erst 1997 angefangen, Immobiliengeschäfte zu machen. Mein Vater war daran nie beteiligt, ich habe das in England begonnen. Am Anfang habe ich mit wenigen Mitteln Geschäfte mit Banken und Fonds gemacht, die mit mir als Partner investierten.

«Ich habe eine Schwäche für Winterthur. Aber ich möchte nicht meine Zeit verschwenden.»Isaac Shapira

Und was haben Sie eingebracht?
Wenig Geld, das ich aus dem Textilgeschäft hatte, in dem ich vorher tätig war. England war Ende der Neunzigerjahre bis etwa 2004 ein sehr guter Markt, ich konnte mit wenig Geld gute Geschäfte machen.

Ihr Vater hatte in Israel ein Teppichunternehmen.
Stimmt. Aber davon ist nichts übrig geblieben.

Stimmt. Mein Vater war 1981 gegen seinen Willen zum Parteiführer von Agudat Yisrael ernannt worden. Das hat seinen Fokus vom Geschäft weg gerichtet. Das wäre an sich nicht so schlimm gewesen, hätte Israel nicht gleichzeitig eine Inflation erlebt. Mein Vater war Vorsitzender der Nationalbank, jahrelang haben die Geldscheine seine Unterschrift getragen. Und er war Chef der Finanzkommission des Parlaments. Wenn man so sehr Politiker ist, muss man die Geschäfte abgeben.

Isaac Schapira spricht gerne über seinen Vater. Avraham Yosef Schapira war eine illustre Figur, ein Lebemann und Stratege, der die israelische Politik fast zwei Jahrzehnte mitprägte. In Rumänien geboren und in Polen aufgewachsen, war er mit seiner Familie vor den Nazis geflohen.

In den Fünfzigerjahren kam er nach Tel Aviv, wo er ein Rabbinerstudium absolvierte und eine kleine Teppichfirma zu einem Unternehmen mit zwischenzeitlich über 1000 Beschäftigten ausbaute. Der spätere Ministerpräsident Ariel Scharon soll bei der Familie ein regelmässiger Gast gewesen sein. «Sehen Sie», sagt Isaac Schapira und zeigt sein Smartphone. «Das ist ein Poster mit den 15 wichtigsten Personen der israelischen Geschichte.» Darauf Staatsgründer David Ben-Gurion, Chaim Herzog, Golda Meir und Avraham Yosef Schapira.

Fast eineinhalb Stunden sind um, das Gespräch hat einen zirkulären Verlauf genommen. Isaac Schapira ist merklich aufgetaut. Bevor er wieder in seine Limousine steigt, kommt noch einmal die Sprache auf Winterthur.

Woher rührt eigentlich Ihr Interesse für die Stadt Winterthur?
Wir haben 2005 beim Ohrbühlkreisel ein Gewerbehaus gekauft. Jetzt bauen wir dort ein Logistikzentrum für die Deutsche Post. Ich bin auch noch in Verhandlungen mit einem Privatmann. Ich habe immer eine Schwäche für die Stadt Winterthur gehabt. Und als man mir sagte, die Mentalität ist so, dass alle wissen wollen, mit wem sie es zu tun haben, habe ich mir gesagt, dann werde ich mich an die Gepflogenheiten der Winterthurer anpassen.

Wenn der Kauf der Grundstücke scheitert, unternehmen Sie dann einen neuen Anlauf?
In Winterthur ein Geschäft zu machen, ist anders als in ganz Europa. Da muss man kämpfen – um die Faktoren, ob man kaufen darf, ob man mit dem Staat konkurrieren darf. Ich habe keine Zeit dafür. Wenn wir diese Grundstücke nicht bekommen, werden wir unsere kostbare und limitierte Zeit in anderen Standorten investieren. Die Frage ist, wer dabei verliert, wir oder die Stadt Winterthur.

Mit Privatland hätten Sie die Probleme nicht.
Wir beschäftigen uns seit bald fünf Jahren mit diesem Projekt. Ursprünglich hatten wir über fünf Grundstücke geredet, dann ist das Ganze auf zwei geschrumpft. Wie gesagt, ich habe eine Schwäche für Winterthur. Aber ich möchte nicht meine Zeit verschwenden. Kommt man aber zu mir und sagt: Schapira, du kaufst zum richtigen Preis, akzeptierst unsere Bedingungen und umarmt mich, dann ist alles gut.

Fühlen Sie sich denn wenigstens von unserem Stadtpräsidenten umarmt? Mit ihm haben Sie die Bedingungen ausgehandelt.
Er hat hart verhandelt, aber immer mit einem Schmeicheln, immer mit Liebe, weil er verstanden hat, dass wir zur Stadt etwas beizutragen haben. Er hat hart verhandelt und ich habe zu allem ja gesagt.

Interview: Marc Leutenegger und Martin Gmür (Der Landbote)

Erstellt: 17.05.2018, 16:32 Uhr

Das Wichtigste kurz erklärt

Der umstrittene Landverkauf

Im Januar hat der Stadtrat dem Gemeinderat den Verkauf von zwei städtischen Landparzellen an eine Zürcher Immobilienfirma beantragt. Es geht um ein 3260 Quadratmeter grosses Grundstück beim Reitweg an der Zeughausstrasse sowie ein 6400 Quadratmeter grosses Areal beim Schulhaus Wyden im Niederfeld.

Darauf will die Käuferin Alterswohnungen respektive ein Demenzheim mit rund 100 Plätzen bauen. Je nach Projekt und Ausnützung betrüge der Kaufpreis knapp 15 Millionen Franken.

Das Geschäft hat, noch bevor es im Parlament behandelt wurde, Kritik einstecken müssen, insbesondere von der SP. Die Partei will erreichen, dass städtisches Land nur noch im Baurecht abgeben wird. Eine entsprechende Motion hatte der Gemeinderat schon zuvor für erheblich erklärt.

Zu reden gab aber auch die designierte Käuferin: Die Zürcher Stella Vitalis Real Estate AG ist eine Projektgesellschaft, deren Verwaltungsrat mit Mitgliedern einer Anwaltskanzlei besetzt ist.

Wie Recherchen des «Landboten» zeigten, steht dahinter die auf Immobilien spezialisierte israelische Investorenfamilie Schapira. Sie betreibt unter der Marke Stella Vitalis in Deutschland bereits 17 Seniorenzentren, auch hier, ohne persönlich in Erscheinung zu treten.

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