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«Ich habe nur noch wenig Zeit zum Jonglieren»

Wenn es um Jonglieren und Artistik geht ist Jugglux schweizweit die erste Wahl und das seit 25 Jahren. Das Geschäft an der Steinberggasse verkauft auch online rund 9000 verschiedene Artikel.

Seit 25 Jahren gibt es den Jugglux in der Altstadt, Mitinhaber Dominique Druey hat sich für den Fotografen aufs Einrad gesetzt.

Seit 25 Jahren gibt es den Jugglux in der Altstadt, Mitinhaber Dominique Druey hat sich für den Fotografen aufs Einrad gesetzt. Bild: Mark Dahinden

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Der kleine Laden ist eine Institution. Schon vor der Tür locken bunte Windspiele. Innen ist jeder Millimeter genutzt. Gleich neben dem Fenster hängen ein paar Dutzend Drachen, dann kommen ein paar Gestelle mit Diabolos, unter der Decke sind übersichtlich Jonglierkeulen, -ringe und Stöcke in allen Farben und Formen aufgereiht. Unzähligen Kästchen mit kleinen Spielsachen und Scherzartikeln wie Furzkissen oder täuschend echt aussehenden Kakerlaken laden zum Stöbern ein.

«Zu uns kommen die unterschiedlichsten Kunden», sagt Jugglux-Gründer Dominique Druey. Dass kleine Kinder Freude am Sortiment hätten, sei nicht verwunderlich, aber wenn alte Leute etwas erkennen, mit dem sie früher gespielt haben, dann geht ihm das Herz auf. «Am schönsten ist ein Tag voller Begegnungen mit Leuten, die Freude haben, weil sie hier fündig geworden sind.»

Unterschiedliche Zwecke

Manche Produkte werden für die unterschiedlichsten Zwecke gebraucht. Wie zum Beispiel der Wünschelrutengänger aus dem Appenzell, der einen neuen Fiberglasstab für sein Wassersuchgerät benötigt und über Google auf der Webseite von Jugglux landet. Genau das gleiche Produkt braucht der Peitschenklöpfer für seine Peitsche oder das Opernhaus für die Reifröcke der Rokoko Kostüme. Die unspektakulären Stäbe sind in allerlei Längen und Stärken erhältlich. Genauso gut sortiert ist der Laden, wenn es darum geht kaputte Drachen zu flicken. Im Jugglux gibt es Ersatzteile für die meisten Modelle, die Vorratshaltung sei ziemlich aufwändig, so Druey.

«Ich habe Freude, wenn ich das Gefühl habe, dass die Leute Spass an dem haben, was sie hier kaufen»Dominique Druey

«Ich habe Freude, wenn ich das Gefühl habe, dass die Leute Spass an dem haben, was sie hier kaufen». Letztens wollte ein Kunde fünf Jonglierbälle, konnte aber überhaupt noch nicht jonglieren. Nach ausführlicher Beratung verliess er den Laden zur Zufriedenheit des Verkäufers mit nur drei Bällen. So eine Begegnung sei zufriedenstellender, als wenn jemand lustlos aber pflichtbewusst für viel Geld Geschenke einkaufe. Aber natürlich ist es Druey auch wichtig, dass der Laden läuft, seine Angestellten sollen am Monatsende ja auch ihr Gehalt bekommen.

Das Jugglux Spiel des Monats

Viele Artikel sind Trends unterworfen, die sich heute vor allem über Youtube verbreiten. Im Moment sind Kartentricks gefragt: «Manche von den vorwiegend männlichen Jugendlichen eignen sich ein ganz erstaunliches Können an», sagt Druey voller Hochachtung. Man merkt, die jugendliche Kundschaft liegt ihm am Herzen. Er hat das Reallehrerseminar besucht und arbeitet auch heute noch zu 50 Prozent als Lehrer in Andelfingen, im Laden steht er nur Mittwochnachmittags und samstags.

Die Auswahl an Brettspielen ist überraschend gross. «Vielen ist gar nicht bewusst, dass es so etwas hier gibt.» Das Angebot ist sorgfältig kuratiert, so gibt es ein Jugglux Spiel des Monats, das Video dazu ist auf der Webseite zu sehen. Natürlich werden nicht alle 9000 Produkte in dem kleinen Laden an der Steinberggasse aufbewahrt. Ein- bis zweimal täglich kommt eine Lieferung mit dem Transportvelo aus dem Lager an der Wildbachstrasse. Von dort werden auch die Online-Bestellungen verschickt, die etwa 60 Prozent des Umsatzes ausmachen. «Die Abläufe wurden professionalisiert, aber wir haben immer alles selber entwickelt, es stand kein Konzept oder ein Businessplan dahinter. Es ist einfach natürlich gewachsen», sagt Druey. Früher seien die Angestellten häufig einfach Zirkusbegeisterte gewesen, heute hätten einige eine KV Ausbildung.

Winterthurer Jonglier-Szene

Druey selber ist übers Jonglieren zum Laden gekommen. «Ich war sportlich eher unbegabt, aber jonglieren hat mir grossen Spass gemacht». Früher gab es eine Jonglier-Szene in Winterthur. «Ich kannte viele von ihnen, der Groove hat mir gefallen.» Zu viert traten Druey und seine Freunde an Festen als «Hot Jugglers» auf. Als 1991 eine Bekannte den Jonglier-Egge aufgeben wollte, griff der damals 21-Jährige spontan zu. Gemeinsam mit einem Schulfreund übernahm er den kleinen Laden an der Stadthausstrasse. 1994 wurde aus dem Jonglier-Egge der Jugglux, zuerst an der Metzggasse gegenüber vom Restaurant Widder und ab 2000 im Lokal an der Steinberggasse 63, wo früher ein Rossmetzger sein Geschäft hatte. In dieser Zeit stiess Marco Kuhn dazu, er schaltete schon 1998 die erste Webseite auf. 2006 wurden Druey und Kuhn offiziell Partner und gründeten die Jugglux GmbH.

Yo-Yo liegt wieder im Trend

Wie gut beherrscht Druey selber all das, was er verkauft? «Ich habe nur noch wenig Zeit zum Jonglieren, früher war das anders.» Vier Keulen könne er noch durch die Luft fliegen lassen, mehr sei nicht drin. Und die Einräder, die unter der Decke hängen, seien auch nicht mehr sein Ding. Aber als der Fotograf ihn für ein Foto aufs Rad nötigt, sieht es doch ziemlich gekonnt aus. Selber zum Zirkus wollte er nie, aber er ist ein grosser Bewunderer des Zirkus Monti, der kürzlich in Winterthur gastierte. «Die Gebrüder Muntwyler machen das wirklich grossartig.»

Gerade wieder im Trend liege auch Yo-Yo, das schon 1998 einen grossen Boom erlebt hatt und Jugglux bekannt machte. «Dank eines kurzen Auftritts in «Time Out», der damaligen Sportsendung von SRF, kam die Kundschaft von weit her und bescherte uns gute Umsätze».

Der Fidgetspinner war nur ein kleiner Hype. Bild: mas

Um richtig Jonglieren zu können, Yo-Yo oder Diabolo zu spielen müsse, man recht lange üben. Ganz im Gegenteil zum Fidgetspinner, der für viel Showeffekt wenig Fähigkeiten brauchte. «Ein riesen Hype, der genau so schnell wieder weg war, wie er gekommen war». Mit dem Effekt, dass die Lager der Hersteller immer noch gut damit gefüllt seien. Beim Jugglux bekommt man einen Fidgetspinner als Zugabe, wenn man für einen bestimmten Betrag etwas bestellt.

Erstellt: 17.09.2019, 16:20 Uhr

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