Interview

«Ich kann keinen klaren Grund benennen»

Schulpräsident Felix Müller will die Krise im Brühlberg hinter sich lassen, auch wenn er noch immer nicht weiss, weshalb so viele Lehrer gehen. Zurücktreten will er nicht, die Schulpflege habe «alles versucht».

«In den anderen Schulen gibt es sehr viel Aufholarbeit»: Felix Müller, Präsident der Kreisschulpflege Stadt-Töss.

«In den anderen Schulen gibt es sehr viel Aufholarbeit»: Felix Müller, Präsident der Kreisschulpflege Stadt-Töss. Bild: Marc Dahinden

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Herr Müller, als vor zwei Monaten alle Klassenlehrkräfte im Brühlberg die Kündigung einreichten, zeigten sie sich sehr überrascht. Kennen Sie nach Ihren eingehenden Recherchen nun den Grund für den Exodus?
Felix Müller: Was alles lief und nicht lief, entzieht sich noch immer meiner Kenntnis. Ich kann keinen klaren Grund benennen. Jetzt wollen wir aber nicht zurück, sondern nach vorne schauen. Die Kündigungen haben einen grossen Prozess innerhalb der Schulpflege ausgelöst.

Das ging nicht reibungslos über die Bühne. Hat der komplexe Fall die Grenzen des Laiensystems Schulpflege aufgezeigt, ist die Behörde überfordert?
Wir sind tatsächlich sehr gefordert. Immerhin haben wir aber ein 100 Prozent-Präsidium, in einer Landgemeinde mit weniger professionellen Strukturen wäre die Herausforderung noch viel grösser.

Nun hat am Montag die zuständige Schulleiterin die Kündigung eingereicht. Sie stand schon länger in der Kritik, ist der Schritt eine Kapitulation vor den unzufriedenen Eltern?
Das kann ich nicht beurteilen. Sie stellte wohl aber auch fest, dass gute Lösungen durch den Widerstand aus der Elternschaft erschwert werden.

Wie teilweise befürchtet wurde, ändert die Brühlberg-Schule ihr Unterrichtskonzept. Aus welchem Grund?
Die ganze Schulpflege hat sich hinter dieses Konzept gestellt. Nach dem Weggang der acht Lehrpersonen war klar, dass das Konzept des altersdurchmischten Lernens nicht gehalten werden kann, das pädagogische Know-How ist definitiv weg. Aus der zeitlichen Not heraus haben wir das System geändert.

Manche sagen, Sie hätten diese Änderungen insgeheim seit Jahren geplant.
Das ist nicht wahr. Ich habe mich immer dafür eingesetzt, dass das Schulhaus mit dem altersdurchmischten Lernen weiterlebt. Ich wüsste nicht, wo und wann ich mich jemals anders dazu geäussert hätte. Das Konzept stand nie zur Debatte.

Sie mussten persönlich in den letzten Wochen viel Kritik einstecken, auch ihre Partei wendete sich von Ihnen ab. Ein Rücktritt ist jedoch für Sie kein Thema und Sie schliessen auch einer erneute Kandidatur in einem Jahr nicht aus. Braucht es Sie so unbedingt?
Das habe ich nie behauptet, aber zum jetzigen Zeitpunkt mache ich mir diese Gedanken nicht. Wir müssen jetzt das Thema Brühlberg erledigen. Der Bezirksrat hat mich zudem auf die Folgen eines sofortigen Rücktritts hingewiesen.

Der Bezirksrat als gesetzliche Aufsichtsbehörde der Schulpflege hat Ihnen vom Rücktritt abgeraten?
Nein, der Bezirksrat wies mich einfach darauf hin, dass ein Rücktritt zu weiteren Verzögerungen führen wird. Die Unterschriftsberechtigung für die Anstellung von neuen Lehrern, die nur ich als gewählter Präsident habe, würde nicht von heute auf morgen an jemand anders weitergegeben werden können. Und ich muss mich ja auch noch um die anderen Schulen kümmern, dort gibt es sehr viel Aufholarbeit.

Können Sie ein Beispiel nennen?
Die Vorbereitung für das nächste Schuljahr wird verzögert. Man muss die Schüler-Lehrer-Zuteilung in der Sonderpädagogik vornehmen, und das bald. Ganz allgemein sind die Schulleitungen in meinem Kreis bei vielen Problemen auf sich gestellt.

Sie haben mittlerweile eine Kommunikationsfirma zu Hilfe geholt. Wieviel kostet das?
Dazu sage ich nichts, aber die Experten sind sehr hilfreich, es braucht in einem solchen Notfall Spezialisten.

In der Kritik stand auch immer wieder Ihre Kommunikation in der Krise. Gab es Versäumnisse, hätten Sie früher oder anders informieren sollen?
Nein, zumindest in diesem Schuljahr haben wir alles versucht. Wir haben allen Beteiligten Gesprächsangebote gemacht, gerade auch dem Elternrat. Dass ein Teil der Eltern nicht mit uns reden will, finde ich schade. (Landbote)

Erstellt: 16.05.2017, 16:57 Uhr

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