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«Ich kann so nicht mehr arbeiten»

Wie schlimm sind die Zustände im ­alten Polizeiposten? Ein Einsatzleiter berichtet, die Platznot mache dem Team die Arbeit schwer. Sein Fazit: «Nicht mehr zeitgemäss.»

Nicht mehr zeitgemäss: Das alte Polizeigebäude am Obertor sei sowohl für die Polizei als auch für die Bevölkerung eine Zumutung, finden Polizisten und Politiker. «Der Landbote» hat sich im Inneren des veralteten Postens umgesehen:
Nicht mehr zeitgemäss: Das alte Polizeigebäude am Obertor sei sowohl für die Polizei als auch für die Bevölkerung eine Zumutung, finden Polizisten und Politiker. «Der Landbote» hat sich im Inneren des veralteten Postens umgesehen:
Die Einvernahmezimmer (Täter) werden auch als Befragungszimmer (Opfer, Zeugen) genutzt und umgekehrt. Sie sind über denselben Flur zugänglich. Es kann also passieren, dass Täter und Opfer sich begegnen. Das neue Gebäude soll «die Besucherströme entflechten», sagen die Verantwortlichen. Die neuen Räume (15 Quadratmeter, 15 Stück) sind auch grösser und zahlreicher als die alten (gegen 10 Quadratmeter, 4 Stück). In diesen wird es eng, wenn neben Polizist und Täter auch Anwalt und Dolmetscher Platz nehmen.
Die Einvernahmezimmer (Täter) werden auch als Befragungszimmer (Opfer, Zeugen) genutzt und umgekehrt. Sie sind über denselben Flur zugänglich. Es kann also passieren, dass Täter und Opfer sich begegnen. Das neue Gebäude soll «die Besucherströme entflechten», sagen die Verantwortlichen. Die neuen Räume (15 Quadratmeter, 15 Stück) sind auch grösser und zahlreicher als die alten (gegen 10 Quadratmeter, 4 Stück). In diesen wird es eng, wenn neben Polizist und Täter auch Anwalt und Dolmetscher Platz nehmen.
Enzo Lopardo
Die Büroräume sind teils verwinkelt. Im Büro im Hof­gebäude befinden sich auch die Garde­robenkästchen der Mitarbeiter. Muss es schnell gehen, müssen sich Frauen vor ihren männlichen Kollegen umziehen und umgekehrt. Im neuen Gebäude werden die Räume grösser. Auch sollen kleine Büros zu Grossraumbüros zusammengelegt werden.
Die Büroräume sind teils verwinkelt. Im Büro im Hof­gebäude befinden sich auch die Garde­robenkästchen der Mitarbeiter. Muss es schnell gehen, müssen sich Frauen vor ihren männlichen Kollegen umziehen und umgekehrt. Im neuen Gebäude werden die Räume grösser. Auch sollen kleine Büros zu Grossraumbüros zusammengelegt werden.
Enzo Lopardo
Teile des Materiallagers befinden sich auf den Gängen in der «Badewannenmoschee» (Backsteinbau hinter dem Innenhof). Das ist feuerpolizeilich grenzwertig, weil das Material die Fluchtwege verstellt. Auch die Hundezwinger im Hof entsprechen nicht mehr der gesetzlichen Norm.
Teile des Materiallagers befinden sich auf den Gängen in der «Badewannenmoschee» (Backsteinbau hinter dem Innenhof). Das ist feuerpolizeilich grenzwertig, weil das Material die Fluchtwege verstellt. Auch die Hundezwinger im Hof entsprechen nicht mehr der gesetzlichen Norm.
Enzo Lopardo
Die Garage ist klein und eng; die Polizeiautos stehen einen halben Meter auseinander. Um die in zweiter Reihe parkierten Wagen benutzen zu können, müssen die davor vorderen Autos hinausgefahren werden. Bei den Fahrzeugen unter dem Wellblechdach im Hof sieht es kaum besser aus. Parkplatzbreite heute: 2,5 Meter (wie in normalem Parkhaus), geplant: 3,9 Meter. Weil die Sonne auf die Autos scheint, verbleicht die orange Polizeimarkierung  rasch. Was sich nicht ändert: Auch am neuen Ort wird es keine Mitar­beiterparkplätze geben.
Die Garage ist klein und eng; die Polizeiautos stehen einen halben Meter auseinander. Um die in zweiter Reihe parkierten Wagen benutzen zu können, müssen die davor vorderen Autos hinausgefahren werden. Bei den Fahrzeugen unter dem Wellblechdach im Hof sieht es kaum besser aus. Parkplatzbreite heute: 2,5 Meter (wie in normalem Parkhaus), geplant: 3,9 Meter. Weil die Sonne auf die Autos scheint, verbleicht die orange Polizeimarkierung rasch. Was sich nicht ändert: Auch am neuen Ort wird es keine Mitar­beiterparkplätze geben.
Enzo Lopardo
Die Garderoben sind eng. Der Abstand zwischen den Gestellen beträgt teilweise nur 80 Zentimeter; neu wird es doppelt so viel sein. Dass die Polizisten in Vollmontur schlecht aneinander vorbeikommen, erhöhe die Ausrückzeiten, heisst es. In der Männergarderobe im Gewölbe­keller (90 Kästchen) fehlen die Sitzgelegenheiten; es gibt nur einen Stuhl. Weil die Abluftanlage durch den Keller führt, werde es hier im Sommer sehr heiss, sagen Polizisten, und gelegentlich rieche man den Kebabstand von nebenan.
Die Garderoben sind eng. Der Abstand zwischen den Gestellen beträgt teilweise nur 80 Zentimeter; neu wird es doppelt so viel sein. Dass die Polizisten in Vollmontur schlecht aneinander vorbeikommen, erhöhe die Ausrückzeiten, heisst es. In der Männergarderobe im Gewölbe­keller (90 Kästchen) fehlen die Sitzgelegenheiten; es gibt nur einen Stuhl. Weil die Abluftanlage durch den Keller führt, werde es hier im Sommer sehr heiss, sagen Polizisten, und gelegentlich rieche man den Kebabstand von nebenan.
Enzo Lopardo
Es gibt wenige Duschen; die Männer müssen mit zwei alten Duschkabinen aus den 70er-Jahren auskommen. Bei den Frauen sieht es etwas besser aus. Hier gibt es auch Bänke in den Garderoben.
Es gibt wenige Duschen; die Männer müssen mit zwei alten Duschkabinen aus den 70er-Jahren auskommen. Bei den Frauen sieht es etwas besser aus. Hier gibt es auch Bänke in den Garderoben.
Enzo Lopardo
Im Hauptbau gibt es nur vier Toiletten; sie sind nicht nach Geschlechtern getrennt. Insgesamt gibt es 16 Unisex-WCs, das kleinste misst nur etwa einen Quadratmeter. Eine einzelne Toilette lässt sich, ganz knapp, mit dem Rollstuhl befahren. Im neuen Gebäude sind auf jedem Stockwerk geschlechter­getrennte Anlagen mit jeweils zwei bis zehn Toiletten geplant.
Im Hauptbau gibt es nur vier Toiletten; sie sind nicht nach Geschlechtern getrennt. Insgesamt gibt es 16 Unisex-WCs, das kleinste misst nur etwa einen Quadratmeter. Eine einzelne Toilette lässt sich, ganz knapp, mit dem Rollstuhl befahren. Im neuen Gebäude sind auf jedem Stockwerk geschlechter­getrennte Anlagen mit jeweils zwei bis zehn Toiletten geplant.
Enzo Lopardo
Der Innenhof verbreitet Flair. Weil hier aber alle Polizeiautos und Motorräder durchfahren, klagen Anwohner insbesondere über nächtlichen Lärm. Am neuen Ort wird es eine Tiefgarage geben.
Der Innenhof verbreitet Flair. Weil hier aber alle Polizeiautos und Motorräder durchfahren, klagen Anwohner insbesondere über nächtlichen Lärm. Am neuen Ort wird es eine Tiefgarage geben.
Enzo Lopardo
Der Aufenthaltsbereich mit Hofblick ist nicht ungemütlich. Hier stehen 22 Stühle – zu wenig für 245 Beamte, heisst es. Die neue Cafeteria mit 40 Sitzplätzen soll über mehr Kochgelegenheiten und Kühlschränke verfügen; sie bleibt unbedient.
Der Aufenthaltsbereich mit Hofblick ist nicht ungemütlich. Hier stehen 22 Stühle – zu wenig für 245 Beamte, heisst es. Die neue Cafeteria mit 40 Sitzplätzen soll über mehr Kochgelegenheiten und Kühlschränke verfügen; sie bleibt unbedient.
Enzo Lopardo
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Der Polizeiposten am Obertor sei eine Zumutung, sagen die Politiker. Die Situation der Polizisten sei unwürdig, die Arbeitbedingungen grottenschlecht. Sogar von Menschenrechtsverletzungen war in der Parlamentsdebatte zum neuen Polizeigebäude die Rede. Die «prekären Zustände» sind das Hauptargument für den geplanten, rekordteuren Neubau.Ein Augenschein vor Ort zeigt: Es ist tatsächlich sehr eng in den verwinkelten Gebäuden, die ­Infrastruktur ist veraltet. Man merkt es dem Ort an, dass hier immer wieder erweitert, umgebaut, umgestellt wurde; die Beschreibung «historisch gewachsen» lässt sich gut verwenden.

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