Frieden

«Ich muss betonen, wir sind kein Esoterik-Verein»

Elf Stunden wird im Barockhäuschen am Sonntag für den Frieden meditiert – was das soll, erklärt Mitorganisatorin Beatrice Wiesli.

Am Sonntag wird ab 10 Uhr im Barockhäuschen im Winterthurer Stadtgarten meditiert.

Am Sonntag wird ab 10 Uhr im Barockhäuschen im Winterthurer Stadtgarten meditiert. Bild: Urs Jaudas

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Ihr Verein meditiert seit fünf Jahren jeweils einmal im Jahr für den Frieden. Was haben die Aktionen bisher gebracht?
Beatrice Wiesli: Zunächst einmal sind wir immer mehr Leute geworden, die ein Zeichen für den Frieden setzen wollen. Man ist heute vielen negativen Nachrichten ausgesetzt. Wir sind überzeugt, dass, wenn man trotz allem innerlich in der Balance ist, etwas Kleines einen grossen Einfluss haben kann, so wie beim Schmetterling-Effekt.

Das mag zynisch klingen, aber seit 2013 ist die Welt nicht friedlicher geworden, denken Sie an die Ostukraine, Syrien, Jemen.
Es stimmt, viele Konflikte haben sich zugespitzt. Aber daraus kann man nicht schliessen, dass unsere Bemühungen keine Wirkung haben. Wir sind der Meinung, dass man gerade heute etwas unternehmen muss. Und wir sind damit nicht allein. Es gibt überall Friedensbewegungen. Eines unserer Projekte ist, diese Organisationen zu vernetzen. Wir haben dafür die Domain «We are Paece» ins Leben gerufen. Auf einer Weltkarte im Internet markieren wir alle Orte, wo sich Friedensbewegungen engagieren.

Und wie viele sind das bis jetzt?
Bis jetzt sind es um die 30. Das Projekt ist noch nicht online. Wir stehen am Anfang. Unser Fernziel ist es, auch ein Zentrum für den Frieden zu bauen, als Ort, wo Friedensaktivitäten stattfinden.

Und wo stünde dieses Zentrum?
Wir haben unseren Sitz in Winterthur, deshalb vorzugsweise in Winterthur. Ich glaube auch, dass es in der Stadt einen Bedarf gibt. Ich habe hier in den Achtzigerjahren die Gewalt der Polizei gegen die Jugendbewegungen miterlebt. Und zuletzt galt Winterthur als Jihadismus-Stadt. Ein Zentrum, in dem sich Jugendliche selber finden können, wäre ein Gegenentwurf.

Macht man sich nicht etwas vor, wenn man sich in der Schweiz um den Frieden kümmert?
Ich finde nicht. Gerade in der Schweiz haben wir die Kraft dafür, uns mit dem Frieden zu beschäftigen. Daraus wächst auch die Verantwortung, nicht einfach in der Komfortzone zu verweilen.

Die Schweiz und hiesige Organisationen engagieren sich auf diplomatischer Ebene als Friedensstifter. Ihre Initiative bleibt, daran gemessen, wenig fassbar.
Es stimmt, wir sind sicher kein Rotes Kreuz, aber wir sind ein Sprachrohr. Wenn wir einander im persönlichen Umfeld den Frieden näherbringen können, sind wir als Gesellschaft im Frieden. Viele Menschen gehen durch persönliche Turbulenzen – wir können alle stabiler werden.

Es geht Ihnen um Nächstenliebe, Gelassenheit und Toleranz?
Genau. Und es geht uns um Vernetzung auf dem Globus, und das unabhängig von Religion und Weltanschauung. Unsere Bewegung ist für alle offen.

Wie viele Mitglieder zählt der Verein Zentrum für den Frieden?
Wir haben rund 200 Mitglieder und etwa 300 Freunde.

2013 haben Sie elf Tage und Nächte meditiert. Diesmal sind es elf Stunden. Woher rührt diese Obsession für die Zahl Elf?
Das ist keine Obsession, aber einfach meine Lieblingszahl. Und die Elf ist auch eine Meisterzahl.

Eine was?
Das ist ein Begriff aus der Numerologie. Ich muss aber betonen, wir sind kein Esoterik-Verein, wir haben Leute aus allen Lebensbereichen. Es ist uns wichtig, dass wir nicht missverstanden werden, wir wollen aus dem Nischendasein raus. Frieden geht alle an.

Was genau passiert an den Meditationen?
Wir meditieren jeweils für eine Stunde am Stück, dann wird gewechselt. Die Meditation findet am Sonntag ab 10 Uhr im Barockhäuschen im Winterthurer Stadtgarten statt. Es gibt 22 Plätze und Musik. Die Mitwirkenden schliessen die Augen und gehen in den inneren Frieden, das gibt eine befürwortende Energie.

Was geht dabei im Kopf vor?
Da ist jeder frei, es gibt zahllose Techniken. Manchen kommt eine Beziehung in den Sinn, andere schicken ihre Energie zu anderen Leuten, wieder andere stellen sich eine religiöse Kraftquelle vor.

Wird einem da nicht langweilig?
Auch das ist verschieden. Wenn jemand die Meditation nicht mehr aushält oder eine Zigarette braucht, kann er auch aufstehen und gehen. Wir haben während der elf Stunden immer jemanden, der zu den Leuten schaut.

Fliessen Tränen?
Schon, ja. Es gibt Leute, die sehr belastet sind. Wenn sie dann einkehren, die Deckung fallen lassen, kann es gut sein, dass sie von der Trauer überwältigt werden.

Sie haben sich den Sonntag ausgesucht, da spielt die Schweiz an der WM. Fördert der Fussball den Frieden oder steht er ihm im Weg?
Fussball ist auch friedlich, ausser die Fans verhauen einander. Er schafft Euphorie, das hat etwas Verbindendes.

(Der Landbote)

Erstellt: 15.06.2018, 16:40 Uhr

Mitorganisatorin Beatrice Wiesli. (Bild: pd)

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