Winterthur

«Ich schaue neidisch nach Zürich»

Der Leiter der Jugendmusikschule, Lukas Hering, hat sich dafür eingesetzt, dass das Projekt im Schulhaus Rychenberg starten konnte. Um nahe dran zu sein, leitet er auch selber Proben.

Lukas Hering bei der Trompeten-Registerprobe.

Lukas Hering bei der Trompeten-Registerprobe. Bild: Madeleine Schoder

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Sie haben das Projekt Klassenmusizieren in die Wege geleitet. Wie kamen Sie auf die Idee?
Lukas Hering: Es gab vor einigen Jahren bereits einmal eine Schulklasse in Töss, die musizierte. Die Jugendmusikschule hat das Projekt damals finanziert. Doch wir mussten es leider beenden, weil kein Geld vorhanden war. Doch ich wollte das unbedingt wieder erwecken. Es ist in anderen Städten wie Zürich sehr erfolgreich.

Was versprechen Sie sich vom Musizieren in der Klasse?
Einerseits hat das Projekt einen positiven Einfluss auf die Schulkultur. Die Kinder lernen von­einander und haben ein gemeinsames Erfolgserlebnis. Das schweisst zusammen. Auf der anderen Seite soll das Projekt einen Beitrag zur Chancengleichheit leisten. Jedes Kind in der Klasse startet als Anfänger mit den gleichen Voraussetzungen und einem eigenen Instrument.

Derzeit kommt aber nur gerade eine einzige Klasse in Winterthur in den Genuss des Projekts, warum?
Es ist eine Frage des Geldes. Das Projekt kostet total 25 000 Franken. Darin enthalten sind die Kosten für die Lehrpersonen, die Mietinstrumente, Notenmaterial und Notenständer. Für die Eltern ist das Projekt kostenlos. Wir können es dank der Unterstützung der Suisa nun wenigstens in einer Klasse durchführen.

Wie wurde entschieden, welche Klasse in den Genuss des Projekts kommt? Die Schulen haben sich bestimmt darum gerissen.
Das war interessanterweise nicht der Fall. Wir haben das Projekt an vielen Orten vorgestellt. Interesse war vorhanden, aber obwohl wir mit Suisa-Geldern rechneten, waren die Schulen skeptisch. Nur die Schule Rychenberg sagte schliesslich: «Wir wollen das machen.» Darum sind wir jetzt hier.

Was ist der Beitrag der Schule?
Sie stellt einen Musiklehrer, der den von uns gestellten Pädagogen unterstützt. Zusätzlich muss die Schule nichts finanzieren.

Die Kinder erhalten zwei Stunden Instrumentenunterricht pro Woche, teils in Kleingruppen, teils in der Klasse. Weshalb?
Die sogenannten Registerproben, getrennt nach Instrumenten, sind vor allem zu Beginn wichtig, um die Grundlagen zu legen. Das ist mit einer vollen Klasse etwas schwierig. Aber wir sehen bereits, dass die Kinder schnell vorwärtskommen und sie hoch motiviert sind, in diesem Umfeld das Instrument zu lernen. Wir müssen daher nicht mit vielen zusätzlichen Registerproben rechnen.

Aber perfekt werden die Kinder das Instrument nachher kaum beherrschen.
Das sicher nicht. Das perfekte Spielen eines Instruments braucht viele Jahre. Um später wirklich vorwärtszukommen, bräuchte es zusätzlichen Einzelunterricht. Aber unser Ziel ist schon, dass wir bereits an Weihnachten ein kleines Konzert geben können.

Dann ist das Projekt Ende Jahr bereits wieder beendet?
Das ist noch nicht ganz klar. Sicher können wir bei der Suisa für ein weiteres Jahr Gelder beantragen. Ob wir dann mit dieser Klasse weitermachen oder mit einer neuen starten, ist noch nicht klar. Grundsätzlich erhöht sich der Wert des Projekts, je länger man dranbleiben kann.

Jedes Kind darf ein Instrument mit nach Hause nehmen. Tragen die Kinder genügend Sorge?
Ja, im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Wir zeigen den Kindern auch, wie sie mit den Instrumenten umgehen sollen. Und da es Mietinstrumente sind, sind sie auch versichert.

Wie haben die Kinder ihr Instrument ausgewählt?
Wir haben alle Instrumente, also Posaune, Bariton, Trompete, Querflöte und Klarinette, zu Beginn vorgestellt. Jedes Kind durfte eine erste und zweite Wahl angeben. Bei fast allen konnten wir die erste Wahl ermöglichen. Das ist auch wichtig, denn das Instrument muss passen. Ein introvertiertes Kind wählt zum Beispiel eher selten eine Trompete.

Was wünschen Sie sich für das Projekt?
Das ist nun mal die Initialzündung. Es wäre toll, wenn das Feuer übergreift und wir ausbauen könnten. Aber ich bin realistisch, das ist im Moment schwierig. Ich schaue neidisch nach Zürich. Dort hat der Gemeinderat das benötigte Geld gesprochen, damit das Klassenmusizieren möglich wurde. Es wäre toll, wenn sich auch in Winterthur etwas in diese Richtung bewegen würde.

(Der Landbote)

Erstellt: 14.09.2017, 17:43 Uhr

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