Winterthur

«Ich will keine Berlusconisierung»

Günter Heuberger ist Geschäftsführer von Radio und Tele Top. Im Interview erklärt er, warum es ganz ohne Gebührengelder für den Sender schwierig werden würde.

Günter Heuberger sieht die Medienvielfalt in Gefahr, wenn die No Billag-Initiative angenommen würde.

Günter Heuberger sieht die Medienvielfalt in Gefahr, wenn die No Billag-Initiative angenommen würde. Bild: Donato Caspari

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Als Sie Tele Top gründeten, erhielten Private noch keinen Anteil an den Billag-Gebühren. Sie sind also das beste Beispiel dafür, dass es auch ohne ginge.
Günter Heuberger: Das stimmt nicht. Damals waren die Verluste einfach sehr hoch, heute sind sie verkraftbar. Wer im Fernsehen ein hochstehendes Service-public-Angebot machen will, hat ohne Gebührenanteil keine Chance.

Wieso nicht?
Um sich über Werbung zu finanzieren, braucht es ein Mainstream-Programm. Die Hälfte der Leute schauen aber nur wegen der Unterhaltung fern. Sie wollen Serien, die grossen Kisten am Samstagabend oder Jassen. Das können wir als Regionalfernsehen nicht finanzieren. Deshalb konzentrieren wir uns darauf, Informationen über die Region zu liefern, die wir regelmässig wiederholen.

Es scheint aber auch Beispiele zu geben, wo es funktioniert. Die Unterstützer der No-Billag-Initiative berufen sich gerne auf das privat finanzierte TeleZüri.
TeleZüri gehört zum Konzern AZ Medien, der mit Tele M1 und Tele Bärn zwei weitere Sender hat. Diese erhalten beide einen sehr hohen Gebührenanteil. Viele Sendungen werden von allen Sendern gemeinsam produziert, indirekt fliessen also auch zu Tele Züri Gebührengelder.*

Wieso kommen Sie bei Ihrem Radiosender eigentlich ohne Gebührengelder aus?
Bei Radio Top bieten wir ein urbanes Mainstream-Programm. 85 Prozent bestehen aus Musik, die auch auf allen anderen Sendern zu hören ist. Das ist für uns bezahlbar, führt zu guten Hörerzahlen und somit zu Werbeeinnahmen. So können wir einen Service public bieten, der durch seine regionale Ausrichtung für die Werbekunden ein Alleinstellungsmerkmal ist. Und was dazukommt: Die SRG darf im Radio keine Werbung machen und kann uns somit nicht konkurrenzieren.

Wäre es denn für Sie nicht besser, wenn die SRG auch beim TV-Werbemarkt als Konkurrentin ausgeschaltet wird?
Selbstverständlich stimmt diese Argumentation im Ansatz. Aber ich bin vor allem aus zwei Gründen gegen No Billag. Erstens wäre ohne SRG der Zusammenhalt des Landes infrage gestellt, weil wir heute als Deutschschweizer den Service public im Tessin und in der Westschweiz quersubventionieren. Und zweitens wäre die Medienvielfalt enorm gefährdet.

Was denken Sie: Wer würde in die Lücke springen, welche die SRG hinterliesse?
Von der Initiative würden primär deutsche Sender wie RTL, Sat 1 oder Pro 7 profitieren, in der Westschweiz wäre es Tele 5, im Tessin RAI. Ich will aber keine Berlusconisierung in der Schweiz. Natürlich ist es auch nicht ausgeschlossen, dass sich die Sender in wenigen Schweizer Händen konzentrieren. Aber auch das wäre schlecht für die Medienvielfalt.

*Die Sprecherin der AZ Medien dementiert, dass TeleZüri von den Gebührenanteilen der anderen AZ-Sender profitiere. (Der Landbote)

Erstellt: 09.11.2017, 10:56 Uhr

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