Jubiläum

«Ich wollte zeigen, dass es auch ohne Tränen geht»

Tausende von Babys, Kindern und Erwachsenen haben bei Ursula Bohn schwimmen gelernt. Nun feiert sie das 45-jährige Bestehen ihrer Schwimmschule und bereitet sich langsam auf die Pensionierung vor.

Sprüht noch vor Energie: Die heute 72-Jährige Ursula Bohn  will in einem Jahr ihre Schwimmschule ihren Nachfolgerinnen übergeben.

Sprüht noch vor Energie: Die heute 72-Jährige Ursula Bohn will in einem Jahr ihre Schwimmschule ihren Nachfolgerinnen übergeben. Bild: Johanna Bossart

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Ursula Bohn ist unüberhörbar im Thurgau aufgewachsen: In Wängi, einem kleinen Bauerndorf ohne Schwimmbad. Schwimmen lernte sie trotzdem schon als kleines Kind: «Wir gingen oft ins Schwimmbad Elgg», erzählt sie, denn ihre Mutter sei eine begeisterte Schwimmerin und ihr Grossvater Mitbegründer des Schwimmclubs St. Gallen gewesen.

Neben dem Schwimmen hat sie noch etwas anderes sehr früh gelernt: «Meine Mutter nahm den Kindern ihre Kork-Schwimmgurte ab, denn sie war überzeugt davon, dass man zuerst tauchen lernen muss, um schwimmen zu können», erklärt sie. Dies sollte bis zum heutigen Tag auch Ursula Bohns Credo beim Schwimmunterricht bleiben: «Wir arbeiten grundsätzlich ohne Hilfsmittel: Ausser Wasser braucht es gar nichts!», sagt sie, «Obwohl elterliche Aufmerksamkeit natürlich besser wäre, mögen Schwimmflügeli zur Sicherheit der Kleinen ja noch halbwegs OK sein – aber beim Schwimmenlernen stören sie nur.»

Zweifler und Neider

Klar: Ursula Bohn wollte Sportlehrerin werden. Doch sie sollte zuerst «etwas Rechtes» lernen und da sie manuell begabt war, wurde sie Handarbeitslehrerin. Dem Schwimmen blieb sie dennoch treu: Bereits mit 15 Jahren machte sie das Rettungsschwimmer-Brevet und mit Zwanzig liess sie sich zur Schwimminstruktorin ausbilden. Anders als ihre beiden Schwestern betrieb sie aber nie Wettkampfsport: «Freude und Spass waren mir immer wichtiger», sagt sie – und spielerisch sollten sich später auch all die Kinder, die ihre Schwimmschule besuchten, mit dem nassen Element anfreunden.

Bereits als junge Handarbeitslehrerin in Oberi erteilte sie nebenbei private Schwimmlektionen. Als sie bereits selber Kinder hatte, gründete sie 1973 im Schwimmbad Töss ihre Schwimmschule. Dabei hatte sie auch die Hallenbad-Eröffnung 1974 im Auge. Die Verhandlungen – allein als Frau unter lauter Männern – für eine Schwimmschule im Hallenbad und das Feilschen um die Gebühren seien allerdings hart gewesen. Trotzdem: «Ich wollte parat sein, um dort einzusteigen.»

Dies unter anderem mit Babyschwimmkursen: «Das war damals ein grosses Thema», erinnert sich Bohn, «Doch oft wurde dabei ziemlich brutal vorgegangen – für mich war es der falsche Ansatz: Ich wollte zeigen, dass es auch mit Freude und ohne Tränen geht.» Ihre Idee: «Eltern werden Schwimmlehrer» – und so hiess auch ein Super-8-Film, der daraus entstand. Er wurde mit einigem Erfolg an Interessierte vermietet und ihre öffentlichen Vorträge darüber waren gut besucht; dabei stand ihr der bekannte Winterthurer Kinderarzt Peter Kraft für fachliche Fragen zur Seite.

Seither sind über vierzig Jahre vergangen und eigentlich wäre Ursula Bohn schon seit rund zehn Jahren pensioniert. Doch die heute 72-Jährige sprüht nach wie vor von Energie. Aus Freude an der Sache habe sie einfach immer weiter gemacht – aber auch, weil es gar nicht so einfach war, eine Nachfolgelösung zu finden: Aus dem einstigen Einfrau-Betrieb mit 150 Kindern pro Woche ist über die Jahre ein «Grossunternehmen» mit 20 Schwimmlehrerinnen und wöchentlich über 1000 Schwimmschülern geworden, das viel administrative und organisatorische Arbeit mit sich bringt.

Pension im August 2019

Einiges habe sie aber bereits abgebaut, sagt sie stolz. Und erst als sie aufzählt, bemerkt man, wieviel Ursula Bohn nebeneinander gemacht hatte: Bereits mit Sechzig hat sie ihre Stelle als Handarbeitslehrerin aufgegeben. Das Geschäft mit selbst entworfenen Designmessern, das sie von 2003 bis 2008 erfolgreich betrieb, hat sie verkauft: «Das waren jeweils meine Aktiv-Ferien: Ich bin damit selber von Messe zu Messe gereist - dabei habe ich aber auch viel über das Geschäften gelernt», erinnert sie sich lachend.

Auch die Line-Dance-Schule, die sie Ende der 1990er-Jahre in Neftenbach gegründet hatte, konnte sie nach 15 Jahren einer Nachfolgerin übergeben. Vieles habe sie also bereits bei ihrer «ersten Pensionierung» aufgegeben: «Ich kann also schon loslassen!», sagt sie. Unterdessen sind auch für die Schwimmschule zwei Nachfolgerinnen gefunden und dabei, sich einzuarbeiten. Im August 2019 wird die zweite Pensionierung erfolgen – doch zuvor wird noch das Jubiläum gefeiert!

Jubiläumsfest Schwimmschule Ursula Bohn, Samstag, 30. Juni, 13.30 - 16.00 Uhr, Gemeindewiese Neftenbach beim Kinderspielplatz. (Landbote)

Erstellt: 27.06.2018, 15:47 Uhr

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