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Der grösste Pleitier der Schweizer Wirtschaftsgeschichte musste nie ins Gefängnis

Rolf Erb, der Sohn des Mitte 2003 verstorbenen Firmengruenders Hugo Erb muss sich wegen Betrugs, Urkundenfaelschung und Schädigung der Gläubiger verantworten.
Rolf Erb, der Sohn des Mitte 2003 verstorbenen Firmengruenders Hugo Erb muss sich wegen Betrugs, Urkundenfaelschung und Schädigung der Gläubiger verantworten.
Archiv, Keystone

Es schien eine unendliche Geschichte zu sein. Nun hat sie doch ihren Abschluss gefunden. Es ist ein Ende, wie es sich niemand gewünscht hat: Rolf Erb ist am Samstag verstorben.Noch ist offen, ob der 65-jährige ehemalige Firmenchef Suizid begangen hat oder eines natürlichen Todes gestorben ist. Erst wenn das Ergebnis der rechtsmedizinischen Untersuchung vorliegt, kann das persönliche Drama von Rolf Erb beurteilt werden.

Bereits jetzt lässt sich aber festhalten: Der grösste Pleitier der Schweizer Firmengeschichte musste seine Haftstrafe nie antreten. Anstatt in einer Gefängniszelle wohnte Rolf Erb bis zu letzt in seinem geliebten Schloss am Untersee.

Bei aller Tragik der Ereignisse ist in Bezug auf unser Rechtssystem das Fazit absolut enttäuschend. Der Prozess im Fall Erb dauerte rund 13 Jahre. Und eine Bestrafung im juristischen Sinne gab es keine. Am Schluss stand zwar das Urteil des Bundesgerichts fest. Doch das Rechtsempfinden eines Grossteils der Bevölkerung wurde alleine schon durch die immens lange Verfahrensdauer überstrapaziert. Der Fall Erb hat aufgezeigt, wie der Rechtsstaat mit rechtsstaatlichen Mitteln ad absurdum geführt werden kann. Das Urteil des Bundesgerichts von Ende März war für viele eine Genugtuung – wenn auch eine späte. Es zeigte doch auf, dass die Gerechtigkeit am Schluss eben doch obsiegt. Nun ist der Verurteilte dem Urteil doch wieder entzogen worden, sei es durch Suizid oder durch Krankheit.

Eigentlich hatte man in diesen Tagen die Nachricht erwartet, dass Rolf Erb von den Strafvollzugsbehörden abgeholt und ins Gefängnis gebracht worden wäre. Diesbezüglich stellen sich zwei Fragen: Warum war Rolf Erb auch am Samstagabend noch in seinem Schloss? Und warum wurde er angesichts der Suizidgefahr, auf die er selbst deutlich hingewiesen hatte, nicht zumindest überwacht?

Der Fall Erb wirft bis zuletzt Fragen auf. Zurück bleibt ein bitterer Nachgeschmack, eine grosse Unzufriedenheit. Überspitzt formuliert: Der Fall Erb bot nicht nur Schrecken ohne Ende, sondern hat nun auch noch ein Ende mit Schrecken.

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