Winterthur

Im Bauch der Gassenschau

Hier sammelt sich das Wasser. Hier fliegt alles in die Luft. In der Kaverne unter der Bühne kommen die Geschichten der Gassenschau zusammen.

Unter der Oberfläche steht die Herz-und-Lungen-Maschine der grossen Gassenschau-Show.

Unter der Oberfläche steht die Herz-und-Lungen-Maschine der grossen Gassenschau-Show. Bild: Keystone

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Es gibt das Theater über der Erde. Auf Kunstrasen breitet Karl’s kühne Gassenschau die Geschichte von «Sektor 1» aus. Diese Geschichte erzählt, ganz oberflächlich, vom Leben in der Zukunft, wo alles schön geregelt ist, bis die Menschen, siehe oben, vom Orbit eins aufs Dach bekommen und per Luftschiff in die Gegenwart weiterziehen.

Es gibt aber auch ein Theater unter der Erde. Und das ist eine andere Geschichte. «Zutritt verboten» steht an der Tür, die ins Innere dieser Welt führt. Für uns wird sie einmal geöffnet. Und wir sehen: die Herz-und-Lungen-Maschine der grossen Gassenschau-Show.

Der Weg führt an den Garderoben vorbei, wo sich die Schauspielerinnen und Schauspieler umziehen, immer weiter in die Tiefe. Dann stehen wir in der Kaverne, die eine Bühne für sich ist. Hier sammelt sich das Wasser. Hier fliegt alles in die Luft. Es ist der Ort, in dem die Riesenteile der Aufführung auf ihren Auftritt warten. Und nach ihrem Einsatz wieder auf Stand-by stehen.

Im Sog der Zeit

Der Trichter, der hier unten im Raum steht, ist der Teich oben auf der Bühne. Was auf dem Kunstrasen so idyllisch aussieht, kann sich in einen riesigen Wasserstrudel verwandeln, der alles in sich hineinzieht, einmal auch Frau Ida. Ein Wechsel der Vorrichtung genügt, und aus dem Trichter wird ein Vulkan, er speit alles wieder in die Luft, was in ihn hineingeworfen wurde. Auch Frau Ida kommt wieder heraus. Alles ein Wunder der Vorstellung. Und der Technik.

Wasser und Luft, Erde und Feuer: Das sind die Elemente, mit denen Karl’s kühne Gassenschau spielt. In «Sektor 1» kommt vieles zusammen, was die Geschichte dieser Truppe ausmacht. Die Kaverne unter der Bühne ist selber so etwas wie eine Zeitmaschine.

Die Container sind Räume der Erinnerung. Spulen wir ein bisschen zurück. 2006 entstand an diesem Ort im Industriepark Oberwinterthur «Silo 8». Karl’s kühne Gassenschau war mit diesem grossen Stück in Winterthur angekommen. Auch in diesem Spektakel ging es um eine Welt, die für die Menschen kalt geworden ist. Sie suchen sich dann einen Ausweg in ein besseresLeben.

Wiedersehen mit Ida

Ein paar Figuren aus dieser Geschichte sind auch in «Sektor 1» dabei. Jüge erinnert sich an das geliebte Töffli, das er einst hatte und dann nicht abgeben wollte. Fräulein Ida ist jetzt zu Frau Ida geworden, noch immer aber macht sie die gleichen Schritte. Und sie sagt zu Schröder, dem Deutschen: «Ich werde dich heiraten» – eine Reminiszenz am das Techtelmechtel der beiden in«Silo 8».

Auch die Liebe lässt sich recyceln. Karl’s kühne Gassenschau katapultiert sich selber in immer wieder neue Stücke hinein – und spielt mit den Versatzstücken der eigenen Geschichte: Sie machten den Weg vom Strassenvariété bis zu den Spektakeln an festen Spielstellen. Wie in «Akua», «Silo 8» oder auch «Fabrikk» ist man im neuen Stück wieder unterwegs auf ganz eigenem Terrain. Und kann immer auch abheben: in die Zukunft. Und auch zurück, dorthin, wo alle Geschichten den Anfang nehmen.

In «Sektor 1» ist es wieder ein Luftschiff, das den Figuren die Schwere nimmt. Ganz unten in der Kaverne ist der Parkplatz der Träume. Von hier aus brechen sie ihre Bahn im Theater über der Erde. Und dann sehen wir, mitten im Spiel, am Himmel einen Regenbogen. Er scheint aus dem Bauch der Gassenschau zu kommen.

Erstellt: 17.06.2016, 09:31 Uhr

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