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Im Hotellift versucht, einen Polizisten zu würgen

Ein Sozialhilfebezüger ging auf einen Polizisten los und wurde dafür verurteilt. Vor Gericht kam es zu einem Saalverweis – und zu einer versöhnlichen Geste.

Der Angeklagte griff den Polizisten im Hotellift an und wollte ihn am Hals packen.
Der Angeklagte griff den Polizisten im Hotellift an und wollte ihn am Hals packen.
Johanna Bossart (Symbolbild)

Ersatzrichterin Regula Hürlimann (SVP) hatte am Dienstagnachmittag über einen Fall rund um eine ausser Kontrolle geratene Personenkontrolle zu befinden. Der Vorwurf: Gewalt und Drohung gegen einen Stadtpolizisten. Die Verteidigung des Angeklagten: Alles ein riesiges Missverständnis.

Am Ende der Verhandlung war für Hürlimann aber alles klar. «Sie sind schuldig, weil sie versucht haben, einen Polizisten anzugreifen», sagte sie zum Angeklagten, einem arbeitslosen Elektroniker, der in London geboren wurde und in Winterthur Sozialhilfe bezieht. Der 47-jährige wurde zu einer bedingten Geldstrafe in Höhe von 1200 Franken verurteilt, unter Ansetzung einer Probezeit von zwei Jahren.

Der versuchte Angriff fand bereits in der Nacht auf den 26. September 2016 in einem Hotel in Wülflingen statt. Dort hat der Angeklagte noch heute seinen Wohnsitz. Zwei Stadtpolizisten rückten damals wegen eines Notrufs zum Hotel aus. Ein Gast verhalte sich aggressiv, hiess es am Telefon. Vor Ort trafen sie auf den 47-jährigen Elektroniker und begleiteten ihn für eine Personenkontrolle auf sein Zimmer.

Der Angeklagte war stark alkoholisiert und trug ein Küchenmesser auf sich.

Laut den Aussagen der beiden Polizisten vor der Staatsanwaltschaft kam es dann im engen Lift des Hotels zum Angriffsversuch. Mit beiden Händen habe der Mann einen der zwei Polizisten am Hals packen wollen, der Polizist wehrte sich jedoch erfolgreich. Der Mann wurde festgenommen und verbrachte einen halben Tag in Haft.

Der Beschuldigte erzählte die Geschichte vor Gericht freilich anders. Er habe zwar eine Handbewegung in Richtung des Polizisten gemacht, dies aber nur, um die Fahrt des Liftes zu ermöglichen: «Ich wollte ihn von der Lichtschranke des Liftes wegwinken, aber das wurde dann falsch verstanden und ich wurde gleich mitgenommen», gab er zu Protokoll.

Dass die Richterin dieser Version keinen Glauben schenkte, war mehreren Widersprüchen in der Erzählung geschuldet.

Die Befragung vor Gericht offenbarte indes weitere Details zur besagten Septembernacht. So war der Angeklagte stark alkoholisiert, auf dem Polizeiposten wurden 1,8 Promille gemessen. Zudem trug er am Körper ein Küchenmesser und befand sich offenbar im Streit mit einer Frau. Die Richterin vermutete Eifersucht als Motiv.

Es war diese Frau, die den Notruf an die Polizei absetzte. Sie begleitete den Angeklagten am Dienstag auch in den Gerichtssaal – und musste diesen nach mehreren Zwischenrufen verlassen. Kurz darauf störte ein Telefonanruf in den Gerichtssaal die Verhandlung erneut: Die Zwischenruferin hatte ihre Handtasche vergessen; eine Gerichtsassistentin nahm sich der Sache an.

Eine versöhnliche Geste

Ebenfalls im Saal anwesend war der angegangene Stadtpolizist, der als Privatkläger auftrat. Er hatte von einer Genugtuung abgesehen, forderte aber 50 Franken Schadenersatz. So viel habe ihn seine Reise nach Zürich gekostet, wo er von einem Staatsanwalt befragt worden war.

Die Richterin setzte den Betrag tiefer an: «Laut unserem Wissen kostet ein volles Billet nach Zürich retour 26 Franken.» Daraufhin kam es zu einer versöhnlichen Geste. Der Angeklagte kramte sein Portemonnaie hervor und beglich die Schuld beim Polizisten noch im Gerichtssaal. Dieser hatte das passende Wechselgeld parat. «Nehmen sie das ins Verhandlungsprotokoll auf», diktierte Richterin Hürlimann der Gerichtsschreiberin.

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