Royal Döner

Im Palast des Dönerkönigs

Im tausendplätzigen Festssaal in Hegi wurde die Eröffnung der nach eigener Angabe modernsten Dönerfabrik der Welt gefeiert.

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Dreimal wurde Zeynel Demir von der Winterthurer Polizei gebüsst, weil er ohne Arbeitserlaubnis gearbeitet hatte. Das war in den Neunzigerjahren. Das Ironische daran: Der Quartierladen in Töss, in dem er erwischt wurde, gehörte ihm selbst. Nach zehn langen Jahren erhielt der Kurde, der als politischer Flüchtling aus der Türkei geflohen war, 1997 den positiven Asylbescheid. Im gleichen Jahr startete Demir seine Expansion: Er wollte seine Dönerspiesse in der ganzen Schweiz verkaufen. So kam es auch. Seit Jahren ist Royal Döner Schweizer Markführer. Von Winterthur aus beliefert man rund 800 Verkaufsstellen.

Fast schüchtern wirkt der klein gewachsene, rundliche «Dönerkönig» als er am Donnerstagmittag auf der Bühne an seine Anfänge zurückdenkt. Der Saal ist das Prunkstück des neuen Royal-Döner-Hauptquartiers, einem grossen goldenen Klotz am Waldrand, dort wo Hegi an Räterschen stösst. Tausend Leute sollen in den Saal passen. Anwesend sind 400, Kunden, Zulieferer und Bauleute, aufgeteilt an Dutzenden weiss gedeckten Tischen.

Bühne mit Wasserspiel

Zehn Meter hoch ist die Decke, fünf riesige Beamer projizieren gleichzeitig an die Rückwand und durch die gewaltigen Panoramafenster sieht man das Schloss Hegi. Den Vogel abgeschossen haben die Bühnenbauer: Über die ganze Breite lässt sich aus Düsen in der Decke ein Wasservorhang sprühen, auf den Schriftzüge projiziert werden können.

In dieser pompösen Kulisse sollen Konzerte, Generalversammlungen und anderes veranstaltet werden, sagt der Sivan Demir, der Sohn des Firmengründers. Demir junior, Jahrgang 1992, BWL-Studium fühlt sich wohler auf der Bühne als sein Vater. Der Bart ist millimetergenau rasiert, der Anzug sitzt eng und glänzt. Er hat beim Bauprojekt zwischen seinem Vater und den Planern vermittelt. Die naheliegendste Nutzung des «Royal Palace»-Saals lässt er unerwähnt: Hochzeiten. «Für meine Landsleute muss die Feier gross und kitschig sein», sagt mein Tischnachbar Cemal Özsomnez. Er betreibt in Solothurn ein Döner-Restaurant, seit 2004 kauft er sein Fleisch bei Royal Döner.

«Viel für Landsleute gemacht»

Mit Landsleuten meint er türkische und syrische Kurden. Sie stellen in der Schweiz die Mehrheit der Dönerverkäufer, so sagt zumindest Özsomnez. «Herr Demir hat viel für die Landsleute gemacht, viele hat er unterstützt, mit Geld, Jobs und Starthilfe», sagt Özsomnez. Auch ihn. Das Kebabgeschäft ist knallhart. «Wir haben nur eine kleine Marge», sagt Özsomnez. «Ich kaufe das Produkt für 6.50 Franken und verkaufe es für zehn. Das geht nur, wenn die Familie mithilft und man ganz viel arbeitet.» Sein Restaurant kennt keinen Ruhetag. Früher habe er regelmässig 13 Stunden gearbeitet, inzwischen schaffe er es mit acht Stunden an sechs Tagen.

Dönerschule und Roboter

Um Neugründern den Einstieg ins harte Dönergeschäft zu erleichtern, hat Royal Döner sogar ein Schulungscenter gebaut, samt kompletter Imbissküche. Das Herzstück ist aber die Produktion. Bis zu 20 Tonnen täglich stellt der Marktführer her. Gegenüber dem alten Standort, einen Kilometer stadteinwärts, habe man unzählige Verbesserungen verbaut. Das Hochregallager ist tiefgekühlt und läuft vollautomatisch. Eine Fertigungsstrasse soll Hackfleisch-Dönerspiesse bald komplett maschinell herstellen können. Den rund 100 Mitarbeitern werde die Arbeit nicht ausgehen, versichert Demir. Plätzchen- und Pouletdöner bleiben Handarbeit, und zudem arbeite man an neuen Produkten und einem Webshop.

Zeynel Demir musste Anfang der Neunzigerjahre als Kebab-Pionier die skeptischen Schweizer Kunden mit Gratisproben anlocken. Längst ist der Döner Volksgut. «Wir sind die Suppenküchen der Gegenwart», findet Cemal Özsonez. «Einen Döner kann sich in der Schweiz jeder leisten, auch Schüler und Sozialhilfebezüger.» Vor seinem Restaurant hielten aber auch Kunden im Maserati an, oder Stadträte guckten vorbei. Das stimmte am Donnerstag auch für den «Royal Palace»: Baustadtrat Lisibach (SVP) und Werkvorsteher Stefan Fritschi (FDP) blieben zum Döner-Lunch. «Danke, dass Sie trotz der Bussen Winterthur treu geblieben sind», sagt Fritschi auf der Bühne. (Landbote)

Erstellt: 30.11.2017, 16:45 Uhr

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