Winterthur

Im Villen-Quartier wurde «schlampig gebaut»

Vier der sechs bekannten Wohnhäuser zwischen Seiden- und Römerstrasse werden derzeit renoviert. Die Fenster wurden falsch eingebaut oder «schlampig», wie ein Anwohner findet, der sich einst erfolgreich wehrte.

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Statt chic in der Abendsonne zu glänzen wie riesige Turmaline im Villenquartier, geben die Mehrfamilienhäuser auf dem Fehlmann-Areal derzeit ein eher kümmerliches Bild ab. Vier der sechs pechschwarzen Glaskuben zwischen Seiden- und Römerstrasse werden oder wurden gerade saniert. Sie sind eingerüstet und die Fassaden stellenweise aufgerissen, statt glatt durchzulaufen, was architektonisch bisher ins Auge stach. Der Grund für die Arbeiten sind falsch montierte und schlecht abgedichtete Fenster. Das bestätigt die Versicherung Axa auf Anfrage. Ihr gehören die Häuser.

Im Fehlmann-Areal mit seinen (heute) sechs schwarzen kubischen Wohnhäusern wird saniert und neu gebaut.

Die Fensterrahmen waren etwa einen halben Zentimeter nach unten verrutscht, was die Entwässerungsrinnen verschmälerte. Dadurch staute sich Wasser, was zu Schäden an den Fensterrahmen, auf dem Parkett und an den Wänden führte. So beschreibt es grob das Projektblatt der Baufirma, die dort gerade renoviert. Dem «Landboten» liegt zudem eine ältere, weitaus detaillierte Dokumentation der Schäden vor. Sie wurde vor mehreren Jahren gemacht und listet minutiös die Baumängel auf, die bereits 2008 festgestellt wurden, unmittelbar nach dem Bezug der Häuser.

Mängel längst bekannt

Während die Axa bis heute vier Wohnhäuser vermietet, wurden die Wohnungen der beiden Liegenschaften an der Seidenstrasse verkauft. Deren Käufer hatten die Mängel sofort gerügt, sobald sie diese bemerkt hatten. Allen voran Peter Merz. Der pensionierte Ingenieur war jahrelang im Fassadenbau tätig. Ihm war sofort aufgefallen, dass nicht nach Plan, ja «schlampig gebaut» wurde, wie er sagt: «Es wurde Baumaterial gespart, wo man nur konnte.» Die grossflächigen Fensterfronten seien zum Beispiel zwei-statt dreifach verglast worden, was den Wohnkomfort deutlich verringerte. Im Sommer wurde es extrem heiss, im Winter dämmte es schlechter. Und wegen der schlecht abgedichteten Fensterrahmen liefen bei Regen innen die Fenster an, und bei Wind zog es rein. Um die Fenster auszutauschen, mussten bei den zwei- und dreigeschossigen Gebäuden auch die Fassadenplatten teilweise ganz demontiert werden.

Die Eigentümer hatten im Kampf um ihre Garantierechte zumindest einen Teilerfolg erzielt. Die zuständige Baufirma Implenia übernahm gemäss Merz nach einem Vergleich zwei Drittel der 400 000 Franken an Sanierungskosten. Auf die Stockwerkeigentümer entfielen etwa 20000 Franken pro Partei. Auf den Gang vor Gericht habe man aus Zeit- und Kostengründen bewusst verzichtet, sagt Merz. «Auch wenn wir erwiesenermassen im Recht waren.» Die Implenia ihrerseits stellt auf Anfrage klar, dass zumindest die Zweifachverglasung nie geplant und damit auch nicht Teil der Garantie war.

«Es wurde schlampig gebaut. Eine eigentliche Blamage für diese Häuser»Ein Käufer

Nun, zehn Jahre später, werden auch die Fensterrahmen bei den vier Häusern mit den Mietwohnungen ausgetauscht. Dies ist zum einen mühsam für die 36 betroffenen Parteien, und teuer wird es auch. Gemäss Projektbeschrieb belaufen sich die Sanierungskosten auf zwei Millionen Franken. Mitte Oktober seien die Arbeiten abgeschlossen. Zur Haftungsfrage sagt die Axa einzig, diese sei geklärt, aber nicht, wer für den Schaden aufkommt beziehungsweise was mit der Implenia vereinbart wurde.

Zwei weitere Kuben

Gebaut wurde das Sechser-Ensemble auf dem Umschwung der neoklassizistischen Villa Fehlmann herum zwischen 2007 und 2009. Und das Projekt polarisierte. Einige fanden die «Sarghäuser», wie der Volksmund sie taufte, zu kalt, zu modern und schlicht deplaziert im Grüngürtel der Altstadt. Das Projekt von 1999 verzögerte sich aufgrund von Rekursen und musste nachgebessert werden.

Dafür, dass die Axa bei den eigenen vier Häusern erst viel später nachbesserte, führt sie vor allem praktische Gründe an. Äusserlich, heisst es, seien keine Schäden erkennbar gewesen, und seitens der Mieter habe es keine Reklamationen gegeben. «Nach Abklärung der Schäden haben wir entschieden, die Sanierung aus Effizienzgründen gemeinsam mit den beiden Neubauten vorzunehmen», sagt Axa-Sprecher Urban Henzirohs.

PV-Panels in der Fassade

Denn auf dem Fehlann-Areal wird derzeit nicht nur saniert, sondern auch neu gebaut (siehe Bild). An der Ecke Seiden-/Palmstrasse, wo vorher eine Villa aus den 1950ern stand, entstehen zwei weitere Kuben nach den Plänen des Zürcher Architekten Bob Gysin, einer mit sechs, einer mit acht Mietwohnungen. Den Zuschlag als Totalunternehmerin hat diesmal nicht die Implenia, sondern die Baufirma Gross AG aus Wallisellen erhalten.

Damit wird das Achter-Ensemble voraussichtlich im nächsten Sommer komplett. Die zwei neuen Häuser fügen sich architektonisch komplett ein, heben sich allerdings technologisch ab: In ihren schwarz-glänzenden Fassaden werden Fotovoltaikpanels verbaut.

Erstellt: 18.09.2019, 18:08 Uhr

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