Winterthur

Im Zeughaus ziehen bald die ersten neuen Mieter ein

Im vorderen Teil der Zeughäuser sind die Bauarbeiten in vollem Gange. Die Finanzierung für den Umbau in ein neues Zentrum mit Ateliers, Gewerbe und Gastrounternehmern ist gesichert. Voraussichtlich ziehen auch lokal bekannte Namen ein.

Ein Handwerker montiert im Zeughaus die Stahlrahmen
für die Zweitfenster, damit das Gebäude nach aussen hin besser isoliert wird.

Ein Handwerker montiert im Zeughaus die Stahlrahmen für die Zweitfenster, damit das Gebäude nach aussen hin besser isoliert wird. Bild: Enzo Lopardo

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Zeughaus 1 wird umgebaut, und dies seit ein paar Wochen mit schwerem Gerät, in beiden Stockwerken und verteilt über den gesamten, 80 Meter langen Gebäuderiegel. Die früheren Decken und Wände sind grösstenteils weggespitzt und die Stützen vom Putz befreit. Die Deckenbalken und Holzsäulen mit ihren markanten Streben geben dem Innenraum wieder seine alte Schlichtheit und Rohheit zurück.

Auch die zu einem stattlichen Knäuel zusammengebogenen Armierungseisen erinnern an die Ursprünge des Zweckbaus von 1894. «Es sind die Überreste eines alten Munitions­lagers mit verstärkten Betonmauern», erklärt Marco Frei von der Basis Winterthur GmbH vor Ort.

Vor einem Monat erhielt das Unternehmertrio die Baufreigabe, gefolgt von der nächsten guten Nachricht: Die Finanzierung für den Komplettumbau sei nun so gut wie gesichert. Die alternative Pensionskasse und Sammelstiftung Coopera mit Sitz in Ittigen BE hilft mit einem Kredit aus. Die Arbeiten kosten offenbar mehrere Millionen Franken. Die ersten Mieter ziehen schon diesen Frühling ein.

Gin, Jazz und alte Renner

Während im benachbarten Zeughaus 2 allein die christliche Privatschule SalZH einquartiert ist, soll das Zeughaus 1 zu einem «Begegnungsort mit einem breiten Mietermix» werden, sagt Robert Grimmer, zuständig für die Vermietung. Ateliers, Werkstätten, kleine Firmen und Läden aus dem Kultur- und Gastrobereich sollen das Areal schon bald beleben. Die rollende Planung und der Umbau in drei Etappen machen das Projekt noch nicht ganz fassbar. Doch die ersten Mieter haben inzwischen fix zugesagt, darunter eine Taijiquan- und Qigong-Schule, eine Reparaturwerkstatt für Elektrogeräte und alte Rennräder, eine Schuhmacherei und ein Händler für ökologische Farben und Lacke. Kurz vor Abschluss stehen zudem die Verträge für ein Gemeinschaftsatelier. Auch mit den Betreibern eines Tanzstudios und den Draft Brothers mit ihrer Gin- und Obstlerbrennerei laufen die letzten Verhandlungen. «Die Lage, das Konzept und die Ästhetik des Gebäudes gefällt uns», sagt Gin-Brenner Samuel Rommel.

So gut wie sicher ist auch, dass der Jazzclub Esse-Bar ins Zeughaus umzieht, der Vorvertrag jedenfalls ist aufgesetzt und es eilt. Die Esse-Crew muss ihr Lokal beim Hauptbahnhof per Mai 2019 räumen, weil die SBB das Gebäude abreissen. Die Jazzbar zöge im EG des hinteren Gebäudeteils ein und soll im Sommer den Innenhof auch für Festivals nutzen dürfen.

«Rollende Planung . . .»

Die Planung erschwert hat neben der Frage der Finanzierung auch die Suche nach einer einvernehmlichen Lösung mit den bisherigen Mietern wie der christ­liche Privatschule ITS Move. Sie konnte eine Mieterstreckung bis Sommer 2019 aushandeln und ist gebäudeintern umgezogen. Auch das Requisitenlager von Karl’s kühner Gassenschau verstellt derzeit noch einen Teil der Fläche. «Rollende Planung . . .», sagt Grimmer schulterzuckend. Für den ersten Bezugstermin im März 2019 sind im Obergeschoss daher drei 50 bis 60 Quadratmeter grosse Parzellen zu vergeben. Und auch im EG, zwischen Kaffeerösterei und Schnapsbrennerei, ist noch ein Platz frei. «Hier sähen wir gerne einen Lebensmittelproduzenten mit Spezialitäten und nachhaltigen Produkten», sagt Grimmer.

Robert Grimmer und Marco Frei.

Gewisse Ideen musste man auch wieder begraben, zum Beispiel die hauseigene Bierbrauerei. Es fehlte schlicht der Platz, um eine solche rentabel betreiben zu können. Deren Kupferbottiche hätte dem Café im Eingangsbereich das Ambiente einer Brasserie geben sollen. Für ein fixes Gastrokonzept lassen sich die Vermieter nun bis im Frühling 2020 Zeit, wenn komplett umgebaut ist. «Bis dahin probieren wir aus, was tatsächlich funktionieren könnte», sagt Grimmer. Mit Mittagsmenüs und Gastköchen rollt der Gas­trobetrieb – als Treffpunkt auch das künftige Herz der Anlage – also sanft an.

Unangetastet bleibt bis 2020 auch die kleine Villa mit Vorgarten, die das Zeughaus nach hinten hin abschliesst. Die Idee, dort ein Geburtshaus einzurichten, funktioniert nicht. Wie bei der Bierbrauerei: viel zu wenig Platz.

Arbeiter gleich eingezogen

Drinnen gehen derweil die Bauarbeiten weiter. Ein Handwerker montiert gerade einen Stahlrahmen, um das denkmalgeschützte Gebäude über Vorfenster besser zu isolieren. Auch beim Umbau geht die Basis Winterthur GmbH den eher unkonventionell-alternativen und für einmal schnellsten Weg. Auf einer freien Fläche im EG haben sich die Schlosser, Schreiner und Zimmerleute mit einer Werkstatt temporär eingerichtet. Gefräst, geschweisst und gesägt wird gleich vor Ort. (Landbote)

Erstellt: 27.11.2018, 20:40 Uhr

Bitte anklicken für grössere Ansicht.

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles