Übergriffe

Im Zug belästigt – was tun?

Eine Passagierin wird im Zug von Zürich nach Winterthur Zeugin eines sexuellen Übergriffs. Sie meldet den Vorfall, zweifelt aber, ob etwas unternommen wurde. Ein Mediensprecher der SBB erklärt, weshalb dieser Eindruck öfters entsteht und was man in solchen Situationen tun kann.

Über den Alarmknopf werden Hilfesuchende direkt mit der SBB-Transportpolizei verbunden.

Über den Alarmknopf werden Hilfesuchende direkt mit der SBB-Transportpolizei verbunden. Bild: Peter Würmli

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An einem Montagnachmittag vor zwei Wochen steigt Sarah Huber* um 14.39 Uhr in Zürich in einen ICN Richtung Winterthur. Der Zug ist gut gefüllt. Mit der Zeit fällt ihr ein Mann in einem anderen Abteil auf, der sich auffällig verhält. «Ich dachte, ich sage ihm, dass er laut ist und die anderen Fahrgäste stört», sagt Huber.

Sie kommt mit einer Frau im selben Abteil ins Gespräch und diese erzählt ihr: Der Mann war nicht nur laut, er hatte auch die Hand in seiner Hose und onanierte. «Da hab ich ihr gesagt, dass wir das sofort melden müssen», sagt Huber. Beim Aussteigen gehen die beiden deshalb auf eine Zugkontrolleurin zu und schildern, was passiert ist. «Aber ich bin nicht sicher, ob danach überhaupt etwas unternommen wurde», sagt Huber. Die SBB habe doch die Pflicht, ihre Fahrgäste in solchen Situationen zu schützen.

«Vorfälle versanden nicht»

SBB-Mediensprecher Christian Ginsig kann zum konkreten Vorfall keine Auskunft geben, sagt aber: «Es ist garantiert gemeldet worden. Das ist bei sicherheitsrelevanten Vorfällen Vorschrift.» Er bestätigt, dass bei Zeugen oft der Eindruck entstehe, dass nicht viel gemacht werde: «Das hat damit zu tun, dass sich das Personal meist in eine ruhige Ecke zurückzieht und von dort aus die Transportpolizei informiert.» Bei sexuellen Übergriffen sei zudem eine gewisse Diskretion geboten, da würden keine Details im vollbesetzten Wagen besprochen. «Aber ich kann versichern, dass so etwas nicht einfach versandet.»

Grundsätzlich empfehlen die SBB Betroffenen oder Zeugen eines Übergriffs, immer zuerst die Sicherheitskräfte zu alarmieren, sagt Ginsig. Entweder über den Alarmknopf im Zug, der automatisch mit der Einsatzzentrale der SBB Transportpolizei verbindet, oder per Handyanruf auf 0800 117 117 oder direkt auf die Notrufnummer 117.

Danach könne man situativ Personen ansprechen oder allenfalls einschreiten. «Wir können aber keine Bedienungsanleitung für solche Situationen abgeben», sagt Ginsig. Generell sei es eine gute Idee, andere Reisende anzusprechen und einzubeziehen. «Zivilcourage ist aber nicht mehr jedermanns Sache.» Es habe auch schon Situationen gegeben, in denen Reisende lieber Videos von einem Vorfall gemacht hätten, anstatt einzugreifen. «Das ist aber kein SBB-spezifisches Problem sondern ein gesellschaftliches Phänomen», sagt Ginsig.

Genaue Angaben helfen

Das Zug- und Lokpersonal erhalte Schulungen zum Verhalten in kritischen Situationen. «Selbstverständlich sollen Reisende das Personal ansprechen, wenn es vor Ort ist», sagt Ginsig. Im Idealfall könne die Polizei aus dem Zug heraus informiert werden und den Übeltäter am nächsten Bahnhof abfangen.

Stefan Oberlin, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich, sagt dazu: «Je mehr Informationen wir bekommen, desto effizienter können wir reagieren.» Angaben zum Aussehen des Täters und zur Position im Zug können helfen. So lange keine Kinder involviert seien, handle es sich bei einem Vorfall wie von Huber geschildert um ein Antragsdelikt. Die Betroffenen müssen selbst Anzeige erstatten.

Das Videomaterial sichern

Gerade auch deshalb sei es wichtig, die SBB zu informieren, sagt Ginsig. Bei einer allfälligen Verhaftung komme es zu Zeugenbefragungen und schriftliche Protokolle des Zugpersonals können helfen. Auch seien mittlerweile viele Züge videoüberwacht: «Das Material wird nach 72 Stunden gelöscht, ohne Meldung kann es nicht gesichert werden.» Laut SBB kommt es insgesamt sehr selten zu Vorfällen, wie ihn Sarah Huber erlebt hat, unter anderem wegen der immer lückenloseren Videoüberwachung. Genaue Zahlen könne man aber nicht nennen, sagt Ginsig, da beispielsweise Anzeigen, die direkt bei der Kantonspolizei eingingen, nicht von der SBB erfasst würden.

* Name der Redaktion bekannt (Landbote)

Erstellt: 22.06.2018, 17:46 Uhr

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