Winterthur

Immer im Dienst

Mit Josef Lisibach gelang der SVP vor vier Jahren der Wiedereinzug in den Stadtrat. Als Bauvorsteher setzt sich der frühere Kantonspolizist für Parkplätze ein, aber auch für Vorfahrt für den Bus. Feinde hat er kaum.

Stilsicher und zuvorkommend: So war Josef Lisibach (SVP) als «höchster Winterthurer» und blieb es als auch als Bauvorsteher. «Bei mir bekommt jeder einen Termin», ist sein Anspruch.

Stilsicher und zuvorkommend: So war Josef Lisibach (SVP) als «höchster Winterthurer» und blieb es als auch als Bauvorsteher. «Bei mir bekommt jeder einen Termin», ist sein Anspruch. Bild: Madeleine Schoder

So tritt er auf: Als Baustadtrat tritt Josef Lisibach so auf, wie er es zuvor zehn Jahre lang als Gemeinderat getan hatte: Freundlich, seriös, verbindlich. Im Gegensatz zu anderen Vertretern seiner Partei hält der 50-jährige SVP-Politiker wenig von Konfrontation und Zuspitzung aber viel von guten Kompromissen.

Als Bauvorsteher ist er überall präsent, wo sich das Gewerbe trifft, Anwohner informiert werden oder ein Spatenstich erfolgt – stets korrekt bis elegant gekleidet und nie fehl am Platz. Seriosität und Verlässlichkeit geht ihm über alles, was ihn manchmal etwas steif erscheinen lässt. Dass Lisibach einen Witz erzählt, ein Schimpfwort benutzt oder sonst irgendetwas Überraschendes tut, das ist schwer vorstellbar.

«Ich war immer so und werde mich nicht ändern»Josef Lisibach über seinen Harmoniebedarf

Er ist auch ohne Uniform immer im Dienst. Damit kommt er gut an, auch politische Gegner sehen ihn nicht als Reizfigur. Lisibach rühmt sich, für alle Anliegen ein offenes Ohr zu haben. Und tatsäclich ist er ein guter Zuhörer. Im Gegensatz zu seinen Stadtratskollegen, die sich bevorzugt auf dem Velo zeigen, macht Lisibach kein Geheimnis draus, dass er gerne Auto fährt und im Superblock einen Tiefgaragenplatz hat. Allerdings wohnt er auch am Wülflinger Ortsrand – einen Kilometer von der nächsten Bushaltestelle.

Freundlich, seriös, elegant - so tritt Lisibach auch auf Facebook auf.

Damit kann er punkten: Viele Grossprojekte, die Lisibach zur Abstimmung oder Einweihung bringen durfte, etwa der Gestaltungsplan Werk 1 oder die Bahnhofsquerung, waren von seinen Vorgängern weitgehend aufgegleist worden – aber Lisibach führte sie mit Verve und Begeisterung weiter. Ein Versprechen an seine Stammwähler konnte er früh einlösen: Dank seiner Stimme wurde die neue Parkplatzverordnung aus der Küche seiner Vorgängerin Pearl Pedergnana (SP) vom Stadtrat zur Ablehnung empfohlen.

Prompt scheiterte sie auch an der Urne. Und doch ist Lisibachs Lieblingserfolg ein ÖV-Projekt: Am 28. September stimmte der Gemeinderat mit 50 zu 6 Stimmen einem Massnahmenpaket zur Busbevorzugung zu. Auch die SVP stimmte Ja, obwohl 4,6 Millionen investiert werden müssen und einzelne Autospuren verschwinden. «Verkehrsfragen müssen unideologisch gelöst werden», sagt Lisibach. Der Technik-Fan ist zudem stolz darauf, dass Winterthur als erste Schweizer Stadt das elektronische Baugesuch eingeführt hat.

Damit eckte er an: Nach der abgelehnten Parkplatzverordnung verstrich viel Zeit. Zu viel, fand Bezirksratspräsident Meinrad Schwarz (SVP) und rügte seinen Parteikollegen im Juni öffentlich, dieser treibe das Geschäft offenbar zu wenig ernsthaft voran. Lisibach sagt, er habe das Geschäft von Grund auf neu aufgerollt.

Seit November liegt sein Entwurf vor. Er sieht mehr Kunden- und Mitarbeiterparkplätze für Firmen vor. Von Links-Grün hagelte es Protest. Verärgert reagierten auch manche Tössemer: Zu Beginn seiner Amtszeit beerdigte er aus Spargründen das «Urban Boulevard»-Projekt, eine Aufwertung der Zürcherstrasse.

Das muss man wissen: Lisibach machte eine Lehre als Bäcker-Konditor bevor er zur Kantonspolizei ging. Dort war er zuletzt Leiter des Standorts am Bahnhof mit 17 Mitarbeitenden. Er ist Vater zweier erwachsener Söhne und einer Teenager-Tochter. Dass ihm gelang, woran alle SVP-Kandidaten vor ihm während zwölf Jahren gescheitert waren, der Sprung in den Stadtrat, lag nicht zuletzt an Lisibachs Zeit als «höchster Winterthurer».

«Er möchte es allen recht machen.»Reto Diener (Grüne)

Im Amtsjahr 2012/13 präsidierte er das Parlament und tat das so souverän, dass er auch von der linken Ratsseite Lob erhielt. Er führte einen milden Wahlkampf und reagierte genervt, wenn ihm vorgehalten wurde, er gebe sich nett, um gewählt zu werden: «Ich war immer so und werde mich nicht ändern», sagte er. Tatsächlich blieb er auch als Stadtrat harmoniebetont – und das Etikett des «netten SVPlers» blieb kleben.

Das sagt er über sich selbst: Eigentlich war die Sicherheit sein Wunschdepartement. «Ich fühle mich im Bau aber sehr wohl und möchte auf keinen Fall wechseln», sagt er heute. Und während er als Gemeinderat dem Baudepartement happige Sparpakete aufbürdete, möchte er heute keinen Mitarbeiter mehr missen.

Fast alle der 300 kenne er mit Namen, für sie sei er 24 Stunden am Tag anrufbar, auch am Wochenende. Stolz ist Lisibach darauf, dass sein Baudepartement in den letzten Jahren stets unter Budget lag: «Alle Mitarbeitenden wissen, dass ich eine hohe Budgetdisziplin erwarte.»

Das sagen andere über ihn: EVP-Fraktionspräsidentin Lilian Banholzer lobt, das er sich rasch in komplexe Dossiers eingearbeitet habe. «Er ist ein umgänglicher Mensch, der mit allen arbeiten kann und sachlich an die Dinge herangeht.» Manchmal gehe er allzu nonchalant über Probleme hinweg: «Als die ZHAW ihren Rückzug aus der Lokstadt bekannt gab, behauptete er sofort, das sei überhaupt kein Problem.»

Grünen-Kopräsident Reto Diener betont, dass Lisibach sehr um Kompromiss und Ausgleich bemüht sei: «Er möchte es allen recht machen.» Komme dann doch Kritik, reagiere er allerdings zum Teil dünnhäutig. Lisibach habe einen guten Überblick, sei aber eher ein Bewahrer und Verwalter der Notwendigkeiten als ein Gestalter. «Und er vertritt, wie man etwa bei der Parkplatzfrage sieht, klar die wirtschaftsliberale Agenda.»

Thomas Anwander, Präsident der Handelskammer, berichtet, aus Sicht vieler Mitgliedsfirmen sei die Zusammenarbeit mit der Stadt unter Bauvorsteher Lisibach «deutlich besser» geworden. «Es wird konstruktiv zusammengearbeitet, als Gesuchsteller für eine Baubewilligung wird man ernst genommen, ohne dass die Stadt darauf verzichtet, die öffentlichen Interessen engagiert wahrzunehmen.»

Das bleibt in Erinnerung: Lisibachs Mitarbeiter wunderten sich anfangs über eine Eigenheit ihres neuen Chefs: Wenn er am Vorabend an einem Apéro war, pflegt Lisibach jeweils einen ganzen Stapel Visitenkarten seiner Gesprächspartner mitzubringen.

Auf denen sind Fragen und Anliegen notiert, die Lisibach flugs an die zuständigen Stellen weiterleitet. Dieses Genre heisst intern die «Lieber-Josef-Mails». Zu reden gab auch ein Stil-Detail: Im Sommer 2017 trug Lisibach plötzlich einen Bart. Die «Winterthurer Zeitung» berichtete ausführlich über das Aufreten und das Ende des Barts.

Videoserie Wahlen 2018

Peinlichkeiten? Obergrenze? Sparen? Zähneputzen? – In einer Video-Serie testen wir die Schlagfertigkeit der Stadtrats-Kandidaten in zwei Minuten. Heute: Josef Lisibach. Video: mig/huy

(Der Landbote)

Erstellt: 04.01.2018, 12:39 Uhr

Wahlen vom 4.3.2018

Der «Landbote» stellt in den nächsten Wochen alle Kandidierenden für die Stadtratswahlen vom 4. März mit Porträts und Videos vor.

Heute: Josef Lisibach (SVP).

Smart-Spider-Profil

Klar bürgerlich

Im Spinnendiagramm von Smartvote zeigen sich bei Josef Lisibach die grössen Ausschläge in der rechten Hälfte. Es ist ein typisches SVP-Profil.

Das zeigt sich vor allem bei nationalen Themen. So findet Lisibach die selbstständige Steuerung der Einwanderung wichtiger als die bilateralen Verträge und wäre auch dafür, das Schengen-Abkommen zu künden. Er ist gegen eine Legalisierung von Cannabis, gegen einen bezahlten Vaterschaftsurlaub und eher gegen ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. Die No-Billag-Initiative lehnt er hingegen trotz «Sympathien» ab.

Auf Winterthurer Ebene befürwortet Lisibach die Verselbständigung von Stadtwerk und ist gegen die Errichtung eines zweiten Hallenbads - es sei denn die umliegenden Gemeinden finanzierten «in erheblichem Umfang» mit.

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