Klimawahl

In der Stadt ist die Welle ein Tsunami

Zwar schickt Winterthur mit Mattea Meyer (SP) und Nik Gugger (EVP) neu nur noch zwei Vertreter nach Bern. Zum grünen Linksrutsch hat die Stadt aber überdurchschnittlich viel beigetragen.

Es geht bergauf für Renate Dürr und die Grünen: Die Partei konnte ihren Wähleranteil in Winterthur verdoppeln.

Es geht bergauf für Renate Dürr und die Grünen: Die Partei konnte ihren Wähleranteil in Winterthur verdoppeln. Bild: Marc Dahinden

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Eine grüne Welle überrollte am Sonntag die Schweiz. Die Grünen und Grünliberalen gewannen die Wahlen haushoch und besetzen neu 44 Nationalratssitze. Besonders deutlich zeigte sich der Trend in Winterthur, wo die Welle fast schon einem Tsunami glich: Hier konnten die Grünen ihren Wähleranteil verdoppeln. Sie holten 17,8 Prozent der Stimmen, knapp 9 Prozent mehr als noch vor vier Jahren.

Zum Vergleich: Auf kantonaler Ebene verzeichnete die Partei ein Plus von 5,8 Prozent. Für Renate Dürr, Co-Präsidentin der Grünen in Winterthur, zeigt das Ergebnis, «dass Winterthur jetzt wirklich zur grünen Stadt wird». Sie selbst kandidierte auf dem neunten Listenplatz und sagt, sie habe nicht damit gerechnet, gewählt zu werden: «Mir war es wichtig, Stimmen für die Partei zu holen, und das habe ich erreicht.»

«Die GLP hat ihr gutes Resultat von den Kantonsratswahlen im Frühling konsolidieren können.»Urs Glättli, Präsident GLP Winterthur

Grund zur Freude gibt es auch bei den Winterthurer Grünliberalen. Sie konnten ihren Wähleranteil um rund 5,5 Prozentpunkte auf etwas über 14 Prozent steigern. Allerdings fällt dieses Plus verglichen mit den sechs Prozent auf kantonaler Ebene unterdurchschnittlich aus. Parteipräsident Urs Glättli ist dennoch sehr zufrieden: «Die GLP hat ihr gutes Resultat von den Kantonsratswahlen im Frühling konsolidieren können.»

Während die Partei als solche gut abschnitt, rutschte Michael Zeugin vom sechsten auf den neunten Platz. Hätte er ihn halten können, wäre er jetzt gewählt. Denn neu schickt der Kanton Zürich sechs statt drei GLP-Vertreter nach Bern, darunter vier Frauen. Glättli sieht darin ein Indiz für eine Frauenwahl, obwohl auch Katrin Cometta-Müller um zwei Plätze abrutschte. Annetta Steiner machte indes drei Plätze gut.

Verlierer an den Polen

Neben den bürgerlichen Parteien gehört auch die SP zu den Wahlverliererinnen, obwohl es bisweilen nicht danach klingt: «Es war eine klare Frauen- und Klimawahl - betreffend das Klima haben die Grünen offensichtlich mehr profitiert», sagt Juna Fink, Co-Präsidentin der SP Winterthur. Sie relativiert den Verlust von rund 3,5 Prozent der Wählerstimmen: «Wir haben unterdurchschnittlich verloren.» Tatsächlich verloren die Sozialdemokraten auf Kantonsebene mehr, nämlich vier Prozent.

«Wir haben eine breite Basis sowie viele Neumitglieder, die durch Klima- und Frauenstreik politisiert wurden.»Juna Fink, Präsidentin SP Winterthur

So überwiegt die Freude über den generellen Linksrutsch und das Ergebnis von Mattea Meyer, die zwei Plätze gutmachte und so hinter Jacqueline Badran das zweitbeste Resultat der SP im Kanton Zürich erzielte: «Wir freuen uns, dass Mattea Meyer so gut abgestützt ist.» Auch sonst fühle sich die SP in Winterthur sehr getragen: «Wir haben eine breite Basis sowie viele Neumitglieder, die durch Klima- und Frauenstreik politisiert wurden.»

FDP und SVP verlieren

In Winterthur verlor die FDP einen Wähleranteil von etwa 1,5 Prozent - marginal weniger als auf kantonaler Ebene. Obwohl Barbara Günthard-Maier vom siebten auf den achten Platz und Urs Hofer vom neunten auf den elften Platz abrutschte, spricht Parteipräsident Peter Rütimann von «immer noch sehr guten Resultaten».

Urs Hofer sei ihre Zukunftshoffnung und bei Günthard-Maier kann er sich vorstellen, dass viele sie lieber als Stadträtin behalten wollten. Allerdings werde man den Wahlkampf beim nächsten Mal inhaltlich anders führen: «Die FDP Winterthur hat das Klimathema schon früh aufgenommen und beim Kanton eingebracht. Das Thema werden wir nun weiter verfolgen.»

Besonders viele Stimmen, nämlich 5,6 Prozent , verliert die SVP in Winterthur. Zum Vergleich: Auf kantonaler Ebene liegt der Verlust bei vier Prozent. «Wir haben überall verloren, gerade auch in den linken Städten», sagt der scheidende Winterthurer SVP-Präsident Simon Büchi. Er schliesst nicht aus, dass ihnen die grünen Parteien die eine oder andere Stimme abspenstig machen konnten. Das Hauptproblem sieht er aber woanders: «Wir konnten unsere Leute zu wenig mobilisieren.» Mit Franco Albanese stellte die Lokalpartei nur einen Kandidaten, der darüber hinaus vom aussichtslosen Platz 18 startete: «Mit Natalie Rickli und Jürg Stahl traten wir vor vier Jahren mit zwei prominenten Namen an, die einige Stimmen mehr einbrachten.»

Erstellt: 22.10.2019, 08:24 Uhr

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