Stadtrat

In der Stadtregierung sitzen zwei EVP-Stadträte und ein Grünliberaler

Die drei linken Stadträte orientieren sich zur politischen Mitte hin. Dies zeigt eine Auswertung der Wahlhilfe Smartvote.

Bild: Quelle: smartvote, Grafik: ak

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Wer regiert, mittet sich ein. Dieses politische Naturgesetz scheint auch in Winterthur zu gelten.Die politische Landkarte der Onlinewahlhilfe Smartvote verortet nur zwei amtierende Stadträte in ihrer tatsächlichen Partei: die beiden FDP-Vertreter Stefan Fritschi und Barbara Günthard. Die drei linken Stadträte erscheinen deutlich zur Mitte gerückt: Nicolas Galladé (SP) und Jürg Altwegg (Grüne) werden der Mitte-links-Partei EVP zugeordnet, Yvonne Beutler (SP) gar der liberalen GLP. Umgekehrt wird aber Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) nicht ganz in der Mitte verortet, sondern rechts der CVP in der FDP. Josef Lisibach (SVP) ist am ehesten seiner tatsächlichen Partei zuzordnen, wenn er sich auch im Bereich des rechten Rands der Volkspartei befindet.

Die Landkarte wird von Smartvote auf Basis eines im Internet ausgefüllten politischen Fragebogens mit 48 Fragen erstellt. Auf der Karte ist erkennbar, wie Einzelpersonen (in diesem Fall Stadtratskandidaten) sich im Feld der Parteien (Gemeinderatskandidaten) positionieren. Die Einordnung wird von Smartvote mithilfe eines statistischen Verfahrens errechnet.

Ein klar linker Stadtrat fehlt.

Nach ihren Antworten auf politische Fragen zu urteilen, sind die sieben Stadträte mithin den folgenden Parteien zuzuordnen: FDP (3x), EVP (2x), GLP (1x) und SVP (am ehesten, 1x). Ein klar linker Stadtrat fehlt demzufolge. Nur die neue Kandidatin Christa Meier wird im Bereich SP/Grüne/AL verortet. «Auch in der Regierung darf bei der grössten Partei das ganze Spektrum vertreten sein», meint diese dazu auf An­frage. Die SP platzierte sich bei den letzten Wahlen knapp vor der SVP an der Spitze.

Von den übrigen neuen Kandidaten wird GLP-Vertreterin Annetta Steiner in der eigenen Partei verortet (am liberalen Rand); Marc Wäckerlin politisiert weiter rechts und liberaler als die meisten anderen Piraten; Blerim Bunjaku (parteilos) schliesslich befindet sich von allen Kandidaten am nächsten bei der Mitte.

«Ein wenig weg von den Idealen des Parteibüchleins»

Jürg Altwegg (GP) kommentiert zu seinem Abschneiden, dass erstens die Ränder der Parteiwolken oft nicht so trennscharf seien, wie sie in der Darstellung erscheinen. «Zweitens bewegt man sich als Exekutivpolitiker doch ein wenig weg von den Idealen des Parteibüchleins.» Nicolas Galladé (SP) meint, er stimme eigentlich sehr oft mit der Partei überein, abgesehen von «gewissen Exekutiv-Anpassungen», die bei allen Bisherigen zu beobachten seien.

«Auf jeden Fall bin ich klar CVP. Und die CVP hat nichts gegen die FDP.»Stadtpräsident Michael Künzle

Die in der GLP/Piraten-Fraktion platzierte Yvonne Beutler (SP) bezeichnet sich scherzhaft als «Piratenbraut». Es sei allerdings angesichts jener heterogenen Partei nicht weiter verwunderlich, dass es Schnittmengen mit ihr gebe. Aufgrund ihrer «sozial-liberalen Grundhaltung» sei es zudem erwartbar gewesen, dass sie Mitte-links verortet werde. Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) sagt, gerade unter Verweis auf die Platzierung Beutlers bei den Piraten, er sei vorsichtig bei der Interpretation von Smartvote-Daten. «Auf jeden Fall bin ich klar CVP. Und die CVP hat nichts gegen die FDP.»

Die politische Landkarte wird nicht nach inhaltlichen Kriterien erstellt, wie Daniel Schwarz von Smartvote erklärt, sondern rein anhand eines statistischen Ähnlichkeitsermittlungsverfahrens; die beiden Achsen werden erst nachträglich inhaltlich interpretiert und benannt. Die erste Dimension (links-rechts) sei stark geprägt von der Haltung der Kandidaten zur Verselbstständigung von KSW/Psychiatrie, zur Erhöhung des Parkplatzangebots, zur No-Billag-Initiative und zum Verzicht auf städtische Dienstleistungungen in Konkurrenz zu Privatanbietern. Auf der zweiten Dimension (konservativ-liberal) spielten unter anderem die Fragen nach den bilateralen Verträgen mit der EU oder dem Schengen-Vertrag eine grosse Rolle.

Fragebogen als Kandidatin und als Wählerin ausgefüllt

Sie habe festgestellt, dass es auch auf die Optik ankomme, ergänzt Stadtratskandidatin Meier. Sie habe den Fragebogen einmal als Kandidatin und einmal als Wählerin ausgefüllt, und dabei auch unterschiedliche Gewichtungen vorgenommen. «Als Wählerin kann ich einfach Forderungen stellen und sagen: Die sollen das so machen. Als Stadtratskandidatin muss ich mir noch andere Gedanken machen: Ist das überhaupt umsetzbar? Und was wären die Konsequenzen?» Tatsächlich spielt für die Positionierung auf der Karte eine nicht unwesentliche Rolle, ob man die Fragen oft mit «Ja» und Nein» oder häufiger mit «Eher ja» und «Eher nein» beantwortet hat, wie man bei Smartvote be­stätigt. (Landbote)

Erstellt: 12.02.2018, 16:20 Uhr

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