Winterthur

In diesem Garten dürfen die Kinder die Hauptrolle spielen

Der Garten von Nina Madjdpour ist eine Augen­weide. Trotzdem würde man hier gerne Kind sein. Von der kunstvollen Deko bis hin zur Bepflanzung: Alles scheint strapazierfähig und kindgerecht, wie gemacht für zwei lebhafte Buben.

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Schon von der Strasse aus sieht man, dass hier jemand lebt, der Stil hat. Die Einfahrt und der Weg zum Haus sind mit «Bsetzi­steinen» gepflastert. Die drei Trompetenbäume (Catalpa), mit ihren zu Kugeln geschnittenen Kronen, sind ein Blickfang, der Ruhe ausstrahlt.

Grossblättrige Schattenpflanzen und Farne, ein berankter Bogen, dazu zwei Töpfe mit violettem Klee rechts und links vom Eingang vollenden das stimmige Bild. Nur der mit Velos und Kinderspielzeug vollgestellte Unterstand am Rand der Auffahrt zeugt davon, dass hier eine kinderliebe Familie wohnt.

An dieser Stelle wurde bei der Gestaltung des Vorgartens damals ursprünglich eine teure Hecke gepflanzt, die später weichen musste. «So unüberlegt, dass hätten wir uns doch denken können, dass wir irgendwann einen Platz für die Velos brauchen», sagt Nina Madjdpour.

Das Interesse am Garten kam erst später

Als das junge Ehepaar 2003 das Haus am Wolfensberg aus den 30er-Jahren kaufte, sei eine Familie noch kein Thema gewesen. «Auch die Gartenanlage hatte vorerst keine Priorität.» Die Vorbesitzerin, eine alte Dame, hatte auf der riesigen Fläche hinter dem Haus ihren Gemüsegarten. «Uns war klar, dass wir das nicht wollen.»

Dafür hatten die Primarlehrerin und der gelernte Schreiner auch gar keine Zeit. Dafür haben sie in den Umbau des Hauses viel Eigenleistung investiert. Während der Modernisierung wurde mal ein Durchbruch mit einer breiten Treppe vom Wohnzimmer in den Garten angelegt, und irgendwann kam dann auch das Interesse am ­Garten.

Ein gut getarntes Trampolin im Boden

Als Erstes wurde das Grundstück mittels Steinquadern in zwei Ebenen unterteilt, auch das ­haben die beiden selber gemacht. «Mein Mann hat sich einen kleinen Bagger geliehen, der ist vom Gewicht der Steine nach vorn gekippt», erinnert sich Nina Madjdpour lachend. Heute wird der erhöhte Kiesplatz am Haus von einer Schirmplatane beschattet.

Unter dem Baum steht eine gemütlich aussehende Sitzgruppe, etwas entfernt ein Tisch und zwei Bänke aus Eisenbahnschwellen: «Der gehört den Kindern.» Hier können die beiden Buben (5 und 7) nach Herzenslust hämmern und basteln, ohne dass etwas ­kaputt gehen kann.

Auch der zweite Teil des Gartens, die weite Rasenfläche, ist den Kindern vorbehalten. Ein grün angestrichener Spielturm beherrscht das Bild. Den hat die Familie gebraucht gekauft, in Einzelteilen nach Winterthur transportiert und mühsam wieder zusammengebaut. «Das war mehr Arbeit für meinen Mann, als ich dachte, aber es hat sich gelohnt.»

Den ganzen Sommer über hätten die Kinder ihn in eine Wasserrutsche umfunktioniert. Daneben ein grosses Trampolin, das allerdings nicht, wie heute oft der Fall, den Garten optisch in Beschlag nimmt. Beim In-Ground Trampoline ist das Sprungtuch nur rund 30 Zentimeter über dem Boden und benötigt deshalb auch keinen Fangzaun drumherum. «Rund eineinhalb Meter mussten unter dem Trampolin ausgehoben werden, aber das ist es uns wert», sagt Nina Madjdpour.

Ästhetik sei ihr wichtig, aber noch wichtiger sei, dass die Kinder ihren Spass haben können. Ihr gelingt es sogar, die Buben für Gartenarbeit zu begeistern: «Beide reissen sich richtig darum.» Sie traut ihnen aber auch etwas zu. Vor kurzem durften die Buben die Hecken schneiden, einschliesslich der Buchskugeln, die vor dem Kiesplatz stehen. Dass die jetzt etwas ungleichmässig aussehen, stört Nina Madjdpour überhaupt nicht.

Salat im ausgedientenSandkasten

Als der Sandkasten nicht mehr gebraucht wurde, füllte sie ihn mit Erde auf und pflanzte Salat. «Das war aber nichts für mich.» Kurzerhand durften die Kinder wieder übernehmen und die Pflanzen unterbaggern.

Erst wenn man genau hinschaut, erkennt man die vielen kunstvollen Dekorationsobjekte. Besonders auffällig ist eine meterhohe filigrane Etagere aus rostigem Metall: «So eine habe ich in einem anderen Garten gesehen und war begeistert.»

Kurzerhand habe sie geklingelt und den Besitzer gefragt, wo es so etwas zu kaufen gibt. «Das mache ich immer so. Wenn mir etwas in einem fremden Garten gefällt, klingle ich und frage nach.» Die meisten Leute würden noch so gern Auskunft geben.

«Ich halte ständig Ausschau nach neuen Anregungen»

Vieles sieht man erst auf den zweiten Blick. So hängen in der Platane Glaskugeln und ein Vogelkäfig aus grünem Metall. In der Hecke steht in luftiger Höhe eine kugelförmige Plastik aus rostigem Metall.

Auch die mass­angefertigten Pflanzkübel neben der Gartentreppe, in denen weissblühende Gaura und zarte Gräser wetteifern, sind aus Rostmetall, genau wie das Cheminée und das Gestell, das die Holzbeige hält.

«Ich halte ständig Ausschau nach neuen Anregungen.» Wenn sie eine Idee habe, müsse die schnellstmöglich umgesetzt werden. Im Moment gilt ihre Leidenschaft dem Werkstoff Beton. Sie fertigt kleine Kunstwerke aus Schwemmholz, Rostmetall und selber gegossenen Betonkugeln, die sie als Blickfang zwischen die Pflanzen steckt.

«Mein Traum ist ein kleiner Schlosspark», sagt Nina Madjdpour. Der Anfang ist gemacht. Kürzlich hat sie in einem Brockenhaus einen mächtigen, kelchförmigen Pflanzkübel gefunden, der auch in Versailles stehen könnte. Wenn die Kinder aus dem Spielalter raus sind, soll der Kübel mitten auf dem Rasen als Springbrunnen dienen.

Erstellt: 26.09.2018, 12:49 Uhr

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