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In Winterthur für Kasachstan konzipiert

Thomas Hofer weiss, wie man attraktive Ausstellungen macht. Für die Weltausstellung in Astana, die heute öffnet, hat der frühere Technorama-Mann Projekte und Pavillons geplant.

Macht Ausstellungen in Kasachstan: Der frühere Technorama-Mann Thomas Hofer.
Macht Ausstellungen in Kasachstan: Der frühere Technorama-Mann Thomas Hofer.
Madeleine Schoder

Ein bescheidener Tisch in einem Gemeinschaftsbüro in Winterthur, zwei Bildschirme, ein Telefon. Von hier aus arbeitete Thomas Hofer an einem grossen Projekt: Anderthalb Jahrelang war der professionelle Ausstellungs-Macher mit einem Konzept für die Weltausstellung beschäftigt, die heute in der kasachischen Hauptstadt Astana ihre Tore öffnet.

Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner aus Bonn war Hofer zuerst mit der Gestaltung des Hauptpavillons betraut; seit Anfang dieses Jahres arbeitete er an einer Ausstellung über nachhaltige Energie-Technologien, die ebenfalls in einem der zentralen Bauten gezeigt wird.

Auftraggeber ist über Umwege die kasachische Regierung.Das Mandat an Land gezogen hat der 42-Jährige aus Wiesendangen wegen seiner Kenntnisse über die Konzeption von Ausstellungen. Bereits während des Studiums der Geographie und der Umweltpsychologie verdiente er sein Geld im Technorama, wo er anschliessend bis vor fünf Jahren angestellt war.

«Gib den Leuten etwas zu spielen, wecke ihre Neugier!»

Thomas Hofer

«Lernen funktioniert am besten über sinnliche Erfahrungen», sagt Hofer. «Gib den Leuten etwas zu spielen, wecke ihre Neugier!» Viele Ausstellungen würden heutzutage der Versuchung erliegen, das Publikum mit bombastischen Multimedia-Shows und viel zu ausführlichen Informationen zu erschlagen, findet Hofer. Doch im Zeitalter des Internets könne man für Derartiges zu Hause bleiben. «Eine Ausstellung muss unmittelbare, reale und sinnliche Erlebnisse ermöglichen.»

Selber handelnd begreifen

An der anstehenden Welt-Expo erklärt Hofer zum Beispiel die Bedeutung der Fotovoltaik für abgelegene Dörfer im Himalaya anhand eines dreidimensionalen Landschaftsmodells mit tiefen Schluchten. Elektrische Leitungen zu verlegen, wäre hier offensichtlich unmöglich.

Wenn Besucher durch das Umlegen eines Hebels die Sonne untergehen lassen, erstrahlen die Siedlungen alsbald in hellem Licht. Wer in die Häuser schaut, erblickt Kinder bei den Hausaufgaben und Frauen, die ihre Heimarbeit bei guter Beleuchtung erledigen statt im dämmrigen Schein einer Kerosinlampe.

«Es bleiben maximal zehn Sekunden, um die Leute für ein Thema zu interessieren»

Thomas Hofer

Dass der Wettbewerb um die Aufmerksamkeit heutzutage hart ist, ist sich Hofer bewusst. Insbesondere an einer Veranstaltung wie der Expo, wo die Leute unter Umständen bereits zehn Pavillons besucht haben, bevor sie seinen Raum betreten. «Es bleiben maximal zehn Sekunden, um sie für ein Thema zu interessieren», weiss er. «Ein Exponat muss von Weitem rufen: Komm zu mir, ich bin spannend.»

Hat man das Interesse geweckt, müsse man dem Besucher im besten Moment die richtige Dosis Zusatzinformationen liefern. Für das Laien-Publikum genügen vorerst Texte in der Länge von zwei bis drei Sätzen. Bei Bedarf werden weitere Inhalte geboten, die auch für die rund zehn Prozent erwarteten Fachleute geeignet sind.

Handshake mit Präsident

Die Umsetzung von Hofers Konzepts übernimmt die Firma Adunic aus Frauenfeld, die auf temporäre Bauten spezialisiert ist. Im April traten mehrere Sattelschlepper die rund drei Wochen dauernde Reise nach Zentralasien an. Anfang April war Hofer selber vor Ort, um den Verantwortlichen seine letzten Ideen zu präsentieren. «Die Umgangsformen in Kasachstan sind anders als bei uns», hat er festgestellt. Das Treffen sei sehr formell verlaufen. Doch zum Schluss habe der Präsident ihm als einzigem die Hand geschüttelt. Daraus schloss er, dass seine Ausführungen gut angekommen sind.

«Die Umgangsformen in Kasachstan sind anders als bei uns»

Thomas Hofer

Nicht vollends glücklich ist Hofer mit dem Gesamtkonzept der Expo, die den Schwerpunkt auf das Vorstellen von Technologien setzt. Stattdessen wäre er mit weiteren Exponaten gerne auf brisantere Dimensionen eingegangen: Chancen der Energie-Effizienz, finanzielle und politische Aspekte oder die Möglichkeiten jedes einzelnen, mit seinem Verhalten nachhaltigere Energien zu fördern. Leider hätten dafür wohl Mut und Weitsicht gefehlt, sagt er.

Die nächste Expo im Kopf

Jetzt, wo der Auftrag für Kasachstan beendet ist, wird sich Thomas Hofer mit seiner Firma Curiocation nach neuen Mandaten umschauen. Gerne dabei wäre er auch bei der Weltausstellung, die in drei Jahren in Dubai stattfindet. Vorerst ist er aber einfach froh, wenn er wieder etwas mehr Zeit hat für seine einjährigen Zwillinge. Diesen Monat schult er in Astana noch Mitarbeiter der Expo. Und in diesen ersten Tagen schlendert er ganz inkognito durch seinen Energie-Pavillon und beobachtet, wie die Besucher auf seine Ideen ansprechen.

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