Schule

In Winterthur überschreiten acht Klassen die Maximalgrösse

11508 Kinder sind an der Volksschule ins neue Jahr gestartet – eine Rekordzahl. Ein Mittel, den Ansturm zu bewältigen, wären grössere Klassen. Doch übergrosse Klassen bleiben die Ausnahme.

In Einzelfällen sind übergrosse Klassen zulässig.

In Einzelfällen sind übergrosse Klassen zulässig. Bild: Symbolbild/Keystone

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580 Klassen werden in Winterthur unterrichtet, 11 mehr als noch im Vorjahr – dies, obwohl auf diesen Sommer nur wenig zusätzlicher Schulraum entstand. Das Schülerwachstum wurde jedoch nicht, wie man denken könnte, durch grössere Klassen aufgefangen. Laut Stadtrat Jürg Altwegg (Grüne) beträgt die durchschnittliche Klassengrösse in Winterthur in der Primarschule aktuell 21 Schülerinnen und Schüler, in der Sekundarschule 19. Das liegt im Bereich des kantonalen Schnitts von knapp 20 Kindern pro Klasse über alle Stufen.

Bis 25 Kinder möglich

Die vom Kanton in der Volksschulverordnung festgelegte maximale Klassengrösse liegt noch einiges höher. In der Primarschule beträgt die Maximalgrösse 25 Kinder, ebenso in der Sek A. Für die Sek B gilt ein Wert von 23 Jugendlichen, in der Sek C von 18. Werden mehrere Jahrgänge in einer Klasse geführt, sind in der Primarschule nur 21 Kinder erlaubt. Derselbe Wert gilt für Kindergartenklassen.

Laut Altwegg ist aber nicht geplant, den Klassen künftig mehr Kinder zuzuteilen. Dies könne die Stadt gar nicht. Denn die Stellenplanung in der Volksschule sei eine kantonale Aufgabe. «Der Kanton gibt einen Stellenplan vor, den die Schulen einhalten müssen.» Trotzdem gibt es immer mal wieder Ausnahmen von der Regel, auch in Winterthur.

«Die Stellenplanung ist eine kantonale Aufgabe. Wir können gar keine viel grösseren Klassen bilden.»Jürg Altwegg (Grüne),
Stadtrat und Schulvorsteher

Während in den Schulkreisen Seen-Mattenbach und Veltheim-Wülflingen nach Angaben der Kreisschulpflegepräsidien keine Klasse mehr als 25 Kinder umfasst, liess sich die Vorgabe in den Kreisen Stadt-Töss und Oberwinterthur nicht überall erfüllen. Marion Völger, Chefin des Volksschulamtes, sagt zwar, die Vorgaben zur Klassengrösse seien verbindlich, doch die Formulierung in der Volksschulverordnung lasse einen Spielraum offen für nicht vorhersehbare Situationen. Konkret heisst es dort: Werden die Schülerzahlen voraussichtlich über längere Zeit um mehr als drei Schülerinnen und Schüler überschritten, richtet die Schulpflege im Rahmen des Stellenplans zusätzliche Lektionen für Halbklassenunterricht oder Teamteaching ein oder teilt die Klasse. Es sind also unter Umständen Klassen mit bis zu 28 Kindern möglich.

Keine Kinder verschieben

Meist sind es organisatorische Gründe, die grössere Klassen nötig machen. Auch Schulpflegepräsidentin Chantal Galladé (GLP) musste im Kreis Stadt-Töss vier übergrosse Klassen bilden. «Die betroffenen Kinder wollten nicht in andere Schulhäuser verschoben werden, und das Führen einer weiteren Klasse hätte sich nicht gelohnt», sagt sie.

In Oberwinterthur sind ebenfalls vier Klassen grösser als vom Gesetz vorgesehen. Betroffen ist auch der Waldkindergarten, der 24 statt 21 Kinder umfasst. «Der Waldchindsgi ist sehr begehrt», sagt Christoph Baumann (SP), Präsident des Kreises Oberwinterthur. Man habe gar Gesuche ablehnen müssen. «Wir haben dann zusammen mit der Schulleitung und den Lehrpersonen intensiv nach der besten Möglichkeit gesucht und beschlossen, eine grössere Klasse zu bilden und den Zusatzaufwand wie vorgesehen mit einer zusätzlichen Person aufzufangen.»

«Der Waldchindsgi ist sehr begehrt. Wir entschieden uns daher für eine etwas grössere Klasse.»Christoph Baumann (SP), 
Kreisschulpflegepräsident Oberwinterthur

Überdies gibt es an der Sek A im Lindberg zwei Klassen, welche die Maximalklassengrösse leicht übersteigen. «Hier war es uns aufgrund des Stellenplans nicht möglich, eine zusätzliche Klasse zu eröffnen», erklärt Baumann.

Frage der Einteilung

Wie erwähnt teilt der Kanton den Schulen die Personalressourcen zu. Sie können also nicht beliebig neue Klassen bilden. Im Lindberg galt es laut Baumann bei der Einteilung zu entscheiden, wie diese Stellen auf die verschiedenen Abteilungen A, B und C verteilt werden sollten. Das Lindberg wird als Jahrgangsschule mit zehn Klassen geführt. Die Schulpflege hatte die Wahl, neben einer C-Klasse vier A- und fünf B-Klassen zu bilden oder umgekehrt. Auch eine AB-Mischklasse wäre möglich gewesen. «Wir mussten uns fragen, auf welche Weise wir die Jugendlichen am besten fördern können. Von allen Beteiligten wurde unter diesem Aspekt das jetzige Modell mit vier A- und fünf B-Klassen bevorzugt», sagt Baumann. Als Folge davon sind einzelne A-Klassen übergross.

Und schliesslich gibt es laut Baumann immer wieder kurzfristige Zuzüge. Ein solcher habe zu einer Überschreitung der Obergrenze in einer weiteren Klasse geführt: «Die Planung ist oft schwierig. Mit der Zwischennutzung der Siedlung Tegerloo, dem Wohnheim Hegifeldstrasse und der Asylunterkunft Grüzefeld ist die Schule Oberwinterthur immer wieder mit kurzfristigen Wechseln herausgefordert. Es freut mich aber, wie die Teams und Schulleitungen diese Aufgabe wahrnehmen.»

20er-Klassen gefordert

Für die Lehrpersonen sind grosse Klassen eine Belastung. Der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband fordert deshalb in einem Positionspapier, die Richtgrösse für Klassen auf 20 Kinder zu reduzieren. Ein Wunsch, der die Schulraumplaner in Winterthur vor Probleme stellen würde.

Erstellt: 19.08.2019, 16:12 Uhr

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