Winterthur

«In Zombiefilmen machen die Figuren immer das Falscheste vom Falschen»

Heiko Muuss hat vier Lebensjahre und Tausende von Franken in seinen eigenen Low-Budget-Zombiefilm investiert. Wieso macht man so etwas? Zehn Zombiefragen an einen Zombiefan.

Heiko Muuss ist Schöpfer des Schweizer Zombiefilms «Nutshot».

Heiko Muuss ist Schöpfer des Schweizer Zombiefilms «Nutshot».

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1. Ihren Film ausgenommen – was ist der beste Zombiefilm überhaupt?
Uuuu. Mein persönlicher Favorit ist «Dellamorte Dellamore» von Michele Soavi. Ich finde, dieser Film ist grossartig poetisch. Der ist Kunst. Der zweite ist «Braindead» von Peter Jackson, der heute nur noch langweiliges Hollywood-Kino macht.

2. Und das beste Zombie-Game?
Puh. Vom Umfeld der jungen Leute her, die ich auf dem Set hatte, würde ich sagen «The House of the Dead». Das spielen die meisten. Ich bin selbst nicht so der Gamer.

3. Wie geht die typische Zombiefilm-Dramaturgie?
Am Anfang gibt es aus irgendeinem Grund eine Epidemie, dann metzeln sich ein paar Helden durch den Film. Eigentlich hat so ein Film keinen Sinn, er ist nur ein Mittel zum Zweck, um die Effekte zu zeigen. Am Ende macht man einen offenen Schluss, damit man einen zweiten Teil drehen kann. Es gibt natürlich Ausnahmen, die zum Beispiel auch gesellschaftskritisch sind, wie «Dawn of the Dead» von George A. Romero.

«Es braucht ein paar Untote, und dann geht es los mit dem Gemetzel.»

4. Zombiefilme sind film-historisch nicht totzukriegen. Warum eigentlich?
Das ist schon noch witzig, der erste Zombiefilm war «White Zombie» Anfang der Dreissigerjahre. Ich glaube, die meisten drehen Zombiefilme, weil es das Einfachste ist. Man muss nichts ausdenken oder erfinden. Es braucht ein paar Untote, und dann geht es los mit dem Gemetzel.

5. Stehen Zombies für eine Urangst?
Ich glaube eher nicht. Sie sind reine Fiktion und ein Mittel, um Action- und Gewaltszenen zu erzeugen. Zombiefilme leben letztlich von der Gewaltdarstellung. Sie müssen zerstört werden, man muss ihnen die Köpfe zertrümmern. Zombiefilme sind fast immer Splatterfilme, man kann super Effekte machen.

6. Was erzeugt mehr Horror, ein langsamer oder ein schneller Zombie?
Ein schneller Zombie bringt viel mehr Action. Wenn man die Sache vom Filmtempo her anschaut, ist das also viel schlauer. Das Tempo hat in der Filmgeschichte geändert, mit «28 Days Later», würde ich sagen. Es gab aber schon vorher schnelle Zombies. Ich denke – in «Grossangriff der Zombies» zum ersten Mal. Ich persönlich finde beides spannend, Tempo und Langsamkeit. Mit den schlurfenden Zombies kann man etwas mehr Atmosphäre erzeugen. Es gibt auch richtige Fans, die Zombie-Walks veranstalten und so zum Beispiel durch New York laufen.

7. Was sollte man als Figur in einem Zombiefilm nie machen, wenn man es bis zum Abspann schaffen will?
Sicher sollte man sich nicht im Haus verbarrikadieren, das funktioniert fast nie. Generell kann man sagen, wer nicht die Hauptrolle hat, stirbt sowieso. Interessant finde ich, dass in Horrorfilmen meistens die Frauen überleben, in den Zombiefilmen eigentlich nicht.

8. Verhält sich die Spannung in einem Zombiefilm proportional zur Dummheit der Protagonisten?
Das ist manchmal so. Als Publikum sitzt man da und will zur Leinwand schreien: Nein, mach das nicht! In Zombiefilmen machen die Figuren immer das Falscheste vom Falschen. Wenn sie eine Gruppe sind, trennen sie sich. Das ist der klassische Fehler. Und nur nicht mit dem Auto flüchten! Das läuft nie, das Auto.

9. Was ist die blödeste Szene, die Sie je in einem Zombiefilm gesehen haben?
Im Sinne von schlecht: Da fällt mir jetzt grad nichts ein. Im Sinne von lustig, da gibt es diese Szene in «Return of the Living Dead 2», in der ein Zombie unter Strom gesetzt wird und tanzt wie Michael Jackson, das ist natürlich eine Anspielung auf den Song «Thriller», die so blöd ist, dass sie wiederum genial ist.

10. Was ist Ihre Lieblingsszene?
Die ist aus demselben Film. Wie da die Untoten aus den Gräbern steigen, nachdem erst der Trockeneisnebel über den Friedhof zieht. Das hat mich immer beeindruckt, das ist so schön gruselig.

Erstellt: 30.08.2019, 16:12 Uhr

Horror aus Winterthur

«Nutshot», der Zombiefilm von Heiko Muuss und Philipp Eugster, feiert diesen Samstag im Kino Cameo in Winterthur eine geschlossene Vorpremiere mit den rund 50 Mitwirkenden.

Der 43-jährige Hobbyregisseur Muuss ist in der Stadt kein Unbekannter. Zehn Jahre lang hat er an der General-Guisan-Strasse den Psycho Store betrieben, heute arbeitet er wieder als Mechaniker, und er ist in den Kanton Thurgau gezogen. Für seinen knapp 70-minütigen Film, für den viel in Winterthur gedreht wurde, hat er rund vier Jahre und einige Zehntausend Franken investiert.

Der Erfolg sei jetzt grösser als erwartet, sagt Muuss. Verschiedene Horror-Festivals auf der ganzen Welt würden den Film zeigen – «Rio, Kroatien, New York». Hinfliegen werde er aber nicht. Ob es danach mit einem Verleiher klappt, werde sich zeigen.

Eine österreichische Firma habe ihn zumindest kontaktiert. Die erste öffentliche Vorstellung in der Schweiz ist am 22. September im Cinetreff in Herisau. Die Vorstellung ist nichts für schwache Nerven – aber gratis.

Trailer Nutshot



Der Winterthurer Zombiefilm ist nichts für Zartbesaitete.

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