Winterthur

«Ins Volkshaus kamen 2500 zum Jassen»

Göpf Egg galt in den 1970er-Jahren als Jasspapst. Er brachte den Jass aus den Beizen auf die grosse Bühne. Heute kämpft der Nachfolgeverein von Brigitt Oppliger (78) ums Überleben; der Frauenjasstag am 22. April könnte der letzte sein.

Der Winterthurer Jassverein Rose Pic kämpft ums Überleben.

Der Winterthurer Jassverein Rose Pic kämpft ums Überleben.

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Frau Oppliger, Sie haben vor 20 Jahren das Amt von Göpf Egg übernommen. Muss ich Sie jetzt mit Frau Päpstin anreden?
Brigitt Oppliger: Nein, nein, so ist das nicht. Göpf Egg hatte die Organisation ja 1969 gegründet, als er noch beim Schweizer Fernsehen war. Das war damals eine ganz andere Situation als heute.

Was war denn damals anders?
Göpf Egg hatte bei der ersten Schweizer Meisterschaft 30 000 Teilnehmer. Das war damals ganz neu, dass man sich in grossen Sälen zum Jassen traf. In Winterthur kamen zweieinhalbtausend Leute ins Volkshaus.

Und 2003 gründeten Sie als Präsidentin den Verein Rose-Pic als Nachfolgeorganisation der Jassmeisterschaft. Warum das?
Einerseits ging Göpf Egg weg, und andererseits missverstanden viele Jasser die Ausschreibung: Sie glaubten, man müsse Profi sein.

«Ich hatte den Eindruck, dass manche Frauen lieber unter sich jassen»

Profi-Jasser? Gibts das?
Nein, aber die Ausschreibung war irgendwie ein Hemmschuh, so dass immer weniger mitmachten.

Wie gross ist ihr Rose-Pic-Verein denn heute noch?
Nicht mehr sehr gross, leider, wir haben nur noch 20 oder 30 Mitglieder, und das waren immerhin einmal zweieinhalbtausend. Zu den besten Zeiten machten 21 Kantone mit. Jetzt kommen zum Frauenjass nur noch Jasserinnen aus acht, neun Kantonen.

Dafür sind andere gross geworden, scheint mir. Im letzten Jahr traten bei der ersten Schweizer Schieber-Meisterschaft 15 000 Personen an. Was ist passiert? Haben andere Sie übertrumpft?
Ja, wir waren da nicht Organisator, sondern haben nur Helfer gestellt. Das lief über Radio und Fernsehen, so erreicht man natürlich ein viel grösseres Publikum. Wir selber organisieren fast nur noch Jassanlässe für Firmen, maximal zwanzig pro Jahr.

Wie kürzlich den ZKB-Jass?
Nein, die ZKB fragt dafür Albert Hagenbucher an. Diese Tradition kommt ja noch aus Zeiten von Göpf Egg und Jürg Randegger. Göpf Egg bestimmte selber Albert Hagenbucher als Nachfolger.

Jetzt haben Sie wieder einen Anlass vor Augen, den Frauenjasstag. Wie kam es dazu, Frauen separat jassen zu lassen?
Ich hatte den Eindruck, dass manche Frauen lieber unter sich jassen, weil sie nicht irgendeinem Mann zugelost werden wollten. Vor 22 Jahren haben wir diesen Frauenjasstag ins Leben gerufen, da kamen über 400 Frauen. Seither aber sind die Zahlen rückläufig, es scheint einfach kein Bedürfnis mehr zu sein. Das war früher ganz anders: Bei der ersten Schweizer Meisterschaft lag der Frauenanteil bei etwa 6 oder 7 Prozent, und das stieg dann über die Jahre bis auf 20 Prozent.

Und woran liegt es, dass heute nicht mehr soviele kommen?
Viele Frauen jassen heute lieber unter sich in einer festen Gruppe, mal hier und mal dort.

Haben Sie Kontakte zu jungen Jasserinnen, gibts Nachwuchs?
Ja, den gibts schon. Aber auch die jassen lieber privat oder in einer Beiz und nicht an einem Turnier.

Wie unterscheiden sich Frauen beim Jassen von Männern? Sind sie nachsichtiger, wenn die Partnerin einen vermeintlichen Fehler macht? Jassen sie vorsichtiger, angriffiger, konzentrierter?
Nachsichtiger sind sie nicht, es geht öfter hitzig zu und her. Männer können schneller Schluss machen, sagen vielleicht «Du bisch en chrumme Cheib», und das wars. Die können besser miteinander «chifle» und lassen dann eine Meinungsverschiedenheit ruhen.

Anlass für dieses Gespräch ist ja der Frauenjasstag in Winterthur am 22. April, der möglicherweise der letzte sein wird? Kann man sich noch anmelden?
Ja, bis 15. April sind Anmeldungen möglich. Ich wäre froh, wenn ich zum Abschluss nochmals hundert Frauen begrüssen dürfte. Wenn ich nicht mindestens 90 Frauen habe, muss ich sagen: Das wars, das war das letzte Mal und wir würden den Verein Ende Jahr auflösen.

Anmelden über Tel. 079 302 94 60 oder Email: rose-pic@bluewin.ch www.rose-pic.ch/ (Der Landbote)

Erstellt: 04.04.2018, 12:19 Uhr

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