Forum Architektur

Interessenabwägungen sprechen für den Swica-Neubau

Die Gegner des Swica-Neubaus an der Römerstrasse hatten am Podium einen schweren Stand.

Das Resultat vieler Abwägungen: der Swica-Gestaltungsplan im Inneren Lind.

Das Resultat vieler Abwägungen: der Swica-Gestaltungsplan im Inneren Lind. Bild: Visualisierung: PD

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Peter Lehmann konnte einem leid tun. Allein stand der Vertreter des Bewohnerinnen- und Bewohnervereins Inneres Lind der Phalanx der Befürworter eines neuen Swica-Hauptsitzes an der Römerstrasse auf dem Podium des Forum Architektur.

Rund 1100 Unterschriften hatte der Quartierverein für ein Referendum gesammelt. Damit kann das Volk an der Urne das Verdikt über den von Gemeinderat, Stadtrat und Kanton abgesegneten Gestaltungsplan sprechen. Lehmann, der einst als David der mächtigen SBB im Händel um die Lärmschutzwände Paroli geboten hatte, war nicht nur einsam, seine Kritik und Argumente prallten wirkungslos an den zur Verteidigung aufgebotenen Akteuren ab.

Selbst Lehmann musste indes eingestehen, dass die Swica ein schönes Projekt präsentiere. «Leider aber am falschen Ort», schränkte er ein. Das überdimensionierte Volumen sprenge den architektonischen Massstab des Quartiers und die Nutzung gefährde den Wohncharakter, monierte er. Kurzum: das Projekt entspreche nicht dem Geist der Quartiererhaltungszone. Empört zeigte sich der Präsident des Quartiervereins zudem über den denkmalpflegerischen «Kuhhandel», auf den der Kanton eingegangen sei. Und die Stadt habe dem Druck von Swica, allenfalls den Standort Winterthur zu verlassen, nachgegeben.

Zauberwort Interessenabwägung

Unter der lockeren Moderation der «Landbote»-Journalistin Karin Landolt wurden diese Kritikpunkte sachkundig abgearbeitet. Das Zauberwort, das bei vielen Argumenten verwendet wurde, hiess «Interessenabwägung».

Was ist höher zu gewichten: Die Interessen der Quartierbewohner oder die Ausbaupläne von Swica und die Zukunft der Stadt? – Peter Baki vom Amt für Städtebau machte darauf aufmerksam, dass eine Quartiererhaltungszone eine weitere Entwicklung nicht verbietet, zumal unter den gegenwärtigen Wachstumsannahmen und dem damit verbundenen Verdichtungsdruck. Auch habe die Swica ihr Projekt von Anfang in enger Zusammenarbeit mit der Stadt und innerhalb der Spielregeln des Gestaltungsplaninstrumentariums entwickelt. Der Prozess sei transparent und dokumentiert.

So sieht es momentan aus bei der Swica. Bild: mad

Das architektonische Resultat hatte Martin Saarinen von Frei und Saarinen Architekten erläutert. Sie hatten den Wettbewerb gewonnen. Tatsächlich gelingt es ihrem Entwurf, das grosse Volume herunterzubrechen, indem drei Vielecke zu einem Vieleck mit kurzen, vor- und rückspringenden Fassaden gefügt werden. Auch mit der Aussenraumgestaltung und -erschliessung konnten die Architekten punkten und allgemein den Vorwurf des «Büromonsters» entkräften. Die prognostizierte Ökobilanz fällt ebenso zugunsten des geplanten Neubaus aus.

Für Norbert Reisinger, CFO bei der Swica, kamen aus Gründen der Verantwortung für das Unternehmen alternative Standorte wie Sulzerareal Stadtmitte oder Neuhegi für den Hauptsitz gar nicht infrage. Diese seien nicht attraktiv genug, gab er zu verstehen. Auch sei die örtliche Konzentration verschiedener Funktionen für die Arbeitsphilosophie am Hauptsitz zentral, begründete er den Standortentscheid. Kein Zweifel, die Stadt stand unausgesprochen unter Druck. Sie ist gemäss Vorgaben des Kantons zum Wachstum verdammt und ist froh um jede Stelle, die neu geschaffen wird. Bei der Swica sollen es 100 zusätzliche Arbeitsplätze sein.

Kein Kuhhandel, aber ein Bauernopfer

Als ein Bewahrer mit Offenheit für Veränderung profilierte sich der stellvertretende kantonale Denkmalpfleger Roger Strub. Mit der Annahme des Gestaltungsplan war auch das Schicksal des eleganten Bürokomplexes von Werner Frey aus den späten 50er Jahren besiegelt. Er konnte die Entlassung dieses Zeitzeugen aus dem Schutzinventar mit der Interessenabwägung zwischen Stadt, Kanton und Swica rechtfertigen. «Ein bedauerliches Bauernopfer», meinte ein Architekt. Nicht eigentlich als «Kuhhandel» will Strub dagegen die Unterschutzstellung von Freys Verwaltungsgebäude aus den 80er Jahren vis-à-vis gelten lassen, mit Verweis auf ein ähnliches Vorgehen beim Ausbau des Unispitals oder des Maggi-Areals in Kemptthal.

Erstellt: 26.09.2019, 14:49 Uhr

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