Winterthur

Irritation statt Information

Die Pensionskasse der Stadt verschickte letztenSamstag ein Rundschreiben an ihre Versicherten. Der Briefinformierte missverständlich über die Umwandlungssätze der Kasse und löste Bestürzung aus.

Die städtische Pensionskasse hat ihre Versicherten mangelhaft informiert und damit Konfusionen ausgelöst.

Die städtische Pensionskasse hat ihre Versicherten mangelhaft informiert und damit Konfusionen ausgelöst. Bild: jb

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Je nach Postzustellung am Samstag oder am Dienstag erhielten die Versicherten der Pensionskasse der Stadt Winterthur (PKSW) einen Brief. Er wirkte als Schock — mindestens für jene städtische Angestellte, die kurz vor der Pensionierung stehen. «Der Umwandlungssatz, der die Höhe der Rente bestimmt, wird ab 2019 von 6.0% auf 5.0% gesenkt», heisst es wörtlich im Brief.

Falsch richtig gestellt

Das war neu. Bisher gingen die Versicherten davon aus, dass sie bis 2020 mit einem Umwandlungssatz von sechs Prozent rechnen konnten. Die angekündigte Senkung hätte weitreichende Folgen für die zukünftige Rente mit sich gebracht.

«Der Brief kann missverstanden werden.»Gisela Basler, 
Geschäftsführerin PKSW

Aus dem Brief folgt, dass Versicherte unter 65 mehr Rente bekommen, wenn sie sich mit dem Satz von sechs Prozent frühpensionieren lassen, statt später mit fünf Prozent regulär in Rente zu gehen. Am Samstag dachte darum eine ganze Anzahl von älteren Angestellten der Stadt allen Ernstes daran, die Frühpensionierung anzutreten.

Nur ganz nebenbei: Das Rundschreiben der PKSW trägt den Titel: «Richtigstellung zu diversen Landbote-Artikel.» Zuvor war eine Reihe von kritischen Artikeln zur Pensionskasse im Landboten erschienen.

Stufenweise Senkung

«Der Brief kann missverstanden werden», sagt Gisela Basler, die Geschäftsführerin der PKSW. Richtig ist folgende Information, vereinfacht dargestellt: Um die Kasse finanziell abzusichern, wird der Umwandlungssatz von 2014 an bis Ende 2018 auf sechs Prozent gekürzt. Die Senkung erfolgt stufenweise.

Gerade ein Hinweis darauf wäre im Rundschreiben entscheidend gewesen. Das alles ist auch über die Homepage der Kasse zu erfahren. Nur sind die dort veröffentlichten Zahlen nicht auf Anhieb zu finden, wie auch Basler einräumt.

«Wir sind immer noch eine Pensionskasse mit sehr guten  Leistungen.»Gisela Basler, 
Geschäftsführerin PKSW

Die Senkung auf sechs Prozent reicht allerdings nicht, um die PKSW zu finanzieren. Der Deckungsgrad betrug per Ende 2017 lediglich 92,6 Prozent. Darum sinken die Umwandlungssätze erneut, und zwar wieder stufenweise von Anfang 2020 bis 2024. So wie es das neue Vorsorgemodell 2020 festlegt.

«Wir haben angedacht, den Umwandlungssatz zunächst in einem ersten Schritt von 6 Prozent auf 5,4 herab zu setzen», sagt Basler. Die Kasse plant allerdings, die daraus erfolgenden Einbussen auszugleichen: «Wir wollen keine Kündigungswelle bei den ältesten Angestellten auslösen. Das wäre für die Stadtverwaltung schwer zu verkraften.»

Weniger Zins auf das Kapital

Die Sanierungsmassnahmen gehen über die Senkung des Umwandlungssatzes hinaus. So senkte die PKSW laut Basler den technischen Zinssatz ab 2015 von 3,25 Prozent auf heute 2,25 Prozent. Dieser Zinssatz leitet sich von der Rendite ab, die eine Pensionskasse mit ihren Anlagen erzielt.

Die durchschnittliche Rendite aller Pensionskassen betrug laut CS Pensionskassenindex zwischen 2000 und 2017 3,4 Prozent. Je tiefer der technische Zinssatz, desto tiefer der Umwandlungssatz.

Ein wichtiger Faktor dabei ist die Lebenserwartung im Augenblick der Pensionierung (siehe Darstellung unten). Ausserdem hat die PKSW auch den Sparzinssatz gesenkt: Anfangs 2018 von 1 Prozent auf 0,5 Prozent. Mit diesem Satz werden die Guthaben der noch Berufstätigen verzinst.

Trotz dieser Senkung von Zins- und Umwandlungssätzen auf breiter Front sagt Basler: «Wir sind immer noch eine Pensionskasse mit sehr guten Leistungen.» Der Grund: Versicherte der PKSW können in ihrem Arbeitsleben wesentlich mehr Kapital ansparen, als die berufliche Vorsorge des Bundes (BVG) das vorschreibt.

Die Lebenserwartung bei Rentenantritt hat sich in den letzten zehn Jahren vor allem bei den Männern verlängert. Die Steigerung verlangsamt sich jedoch.

(Der Landbote)

Erstellt: 28.09.2018, 11:37 Uhr

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