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Ist Winterthur der Stadt Zürich bald definitiv einen Zug voraus?

Das Spitzenteam der Schachgesellschaft Winterthur tritt am Wochenende zum grossen Saisonfinale gegen die Rivalen aus Zürich an. Die Chancen stehen gut, dass der «Bauer» den «König» ins Schwitzkästchen nimmt.

Beim Blitzschach geht es besonders schnell. SG Winterthur-Präsident Roman Freuler (rechts) ist am Zug.

Beim Blitzschach geht es besonders schnell. SG Winterthur-Präsident Roman Freuler (rechts) ist am Zug. Bild: Enzo Lopardo

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Klick, klack. Klick, klack. Lediglich das Klicken der Schachuhren ist jetzt noch zu hören. Mit konzentrierter Miene sitzen sich in der Alten Kaserne zwanzig Spieler gegenüber, die Figuren flitzen nur so über die Bretter: Die Schachgesellschaft Winterthur (SG) spielt in ihrem Vereinslokal gerade ein Blitzturnier. Nur fünf Minuten Bedenkzeit bleibt jedem Spieler insgesamt. Hat einer gezogen, läuft bereits der Countdown des anderen. Wessen Zeit abgelaufen ist, der hat verloren. Philipp, ein 15-Jähriger mit Brille und Kapuzenpulli, steht als erster auf und lächelt etwas scheu. Seinen Gegner, mindestens doppelt so alt, gratuliert ihm per Handschlag. Das Bild ist typisch für die SG Winterthur. Hier messen sich Teenager mit Senioren. Mit rund 150 Spielern ist die SG unter den Top 3 der mitgliederstärksten Vereine der Schweiz. «Wir sind recht breit aufgestellt», sagt Roman Freuler, der Vereinspräsident. An den Schweizer Mannschaftsmeisterschaften (SMM) stellt die SG insgesamt acht Teams. Sie ist auf allen Niveaustufen vertreten, von der NLA bis in die vierte Liga. Nachwuchsprobleme gibt es kaum. Die Jugendstadtmeisterschaft, Schülerturniere und das Freifach an der Schule locken immer wieder neue Spieler an (aber nach wie vor kaum Spielerinnen). Was nach wie vor so viele am Schach fasziniere: der Variantenreichtum, die Strategie (auch die der Gegner), die Theorie, sagt Freuler. «Man hat nie ausgelernt. Fast jede Partie steht für sich.»

Kinder, Jugendliche und Hobby-Spieler treffen sich einmal pro Woche und spielen entweder frei, unterstützt von einem Trainer oder trainieren sprichwörtlich nach Lehrbuch. Die Erwachsenen bereiten sich über das freie Spiel vor allem auch auf die zig Turniere vor, die jedes Jahr anstehen: Blitzmeisterschaft, Blitzstadtmeisterschaft, Stadtmeisterschaft, Vereinsmeisterschaft oder Weihnachtsblitzturnier – neben all den nationalen und internationalen Turnieren. Praxis sei zwar schön und gut, sagt Freuler. «Wer besser werden will, muss aber auch Theorie büffeln, Eröffnungen und andere Spiele studieren, aber vor allem sein eigenes.» Die Spitzenspieler tauchen selten am Clubabend auf. Sie trainieren meist alleine oder halten sich an anderen Turnieren oder Spielabenden fit.

Zumindest auf dem Brett führt Winterthur schon lange Zeit eine schlagkräftige Streitmacht an. 1846 gegründet, fusionierte die SG vor zwei Jahren mit dem Arbeiterschachclub (ASK). Der ASK triumphierte neunmal an der Gruppen-Meisterschaft und die SG gewann sogar zweimal die Königsklasse, die SMM, zuletzt 1981. Nach dem Vize-Titel letztes Jahr, kommt es in diesem Jahr zum Showdown. Zur Ausgangslage: Zürich, Genf und Winterthur haben zwei Runden vor Schluss gleich viele Punkte, Winterthur führt aber in der Zweitwertung, hat seine Duelle höher gewonnen. An einer Runde spielt jeder Spieler eine der total acht Partien. Für einen Sieg gibt es zwei Punkte, für ein Remis einen. Spannender könnte die Ausgangslage kaum sein, die SG Winterthur spielt am Sonntag in der letzten Runde noch gegen die ewige Rivalin, die SG Zürich, den Freuler nominell etwas stärker einstuft: «Es ist fast wie im echten Leben: Sie sind etwas mondäner, wir stark lokal verwurzelt, sie sind die Favoriten, wir klopfen an die Tür.» Taktisch kann Freuler, der Coach, vor der Finalissima nur bedingt eingreifen, indem er auf eine gewisse Aufstellung spekuliert und seine Spieler an die entsprechenden Bretter setzt. Sicher ist, dass die SG Zürich mit ihren besten Pferdchen antritt, teils internationalen Spitzenspielern. Doch mit dem Russen Artur Jussupow haben die Winterthurer immerhin die ehemalige Weltnummer Drei in den eigenen Reihen, auch als Trainer. Heisst am Wochenende also «Bauer schlägt König?» Zumindest habe man es in der eigenen Hand. Freuler: «Gewinnen wir zweimal, dann sind wir Meister»

Und wenn nicht, kann die SG 2018 wieder angreifen. Zwei neue Jungtalente sind in der Punktewertung international soweit aufgestiegen, dass sie nun als «Grossmeister» gelten. Ein Titel, der ihnen keiner mehr wegnehmen kann. (Der Landbote)

Erstellt: 08.10.2017, 14:18 Uhr

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