Kommentar

Winterthur will die Balance im Stadtrat halten

Die Wahl in den Stadtrat ist Sieg für Altwegg persönlich, aber auch für die Grüne Partei. Oswalds klare Niederlage zeigt derweil, dass es die SVP bei Personenwahlen nach wie vor schwer hat.

Ein strahlender Sieger: Jürg Altwegg bei der Präsentation der Wahlresultate im Superblock. Im Hintergrund freuen sich Altweggs Partnerin Elly Brenner (l.) und die SP-Kandidatin des ersten Wahlgangs Christa Meier.

Ein strahlender Sieger: Jürg Altwegg bei der Präsentation der Wahlresultate im Superblock. Im Hintergrund freuen sich Altweggs Partnerin Elly Brenner (l.) und die SP-Kandidatin des ersten Wahlgangs Christa Meier. Bild: Madeleine Schoder

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Das Resultat ist deutlich. Der Grüne Jürg Altwegg konnte gestern 14 257 Stimmen auf sich vereinen, der SVP-Kandidat Daniel Oswald nur 8624. In allen Stadtkreisen ausser in Seen schwang Altwegg obenaus, und selbst im bürgerlichen Seen reichte es ihm fast zum Patt. Es war ein Sieg für Altwegg persönlich, aber auch für die Grüne Partei. Die Versäumnisse des ehemaligen Stadtrats Matthias Gfeller im Zusammenhang mit der Wärmering-Affäre lastet das Volk offenbar nicht den Grünen an.

Die Versäumnisse von Matthias Gfeller lastet das Volk offenbar nicht den Grünen an.

Die Mittelinks-Parteien dürfen ebenfalls feiern. Ihnen ist es gelungen, sich rechtzeitig auf eine Kandidatur zu einigen. Und es war eine Kandidatur, die überzeugt hat. Die Wählerschaft von Mitte-links liess sich deutlich besser mobilisieren als jene des Bürgerlich-rechten Lagers. Das zeigt sich beispielsweise daran, dass im eher links-grünen Veltheim fast 45 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgaben, während etwa im eher bürgerlichen Wüflingen nur rund 31 Prozent wählen gingen.

Es scheint, dass sich CVP und FDP nicht im gleichen Ausmass für Oswald engagierten, wie dies Grüne und EVP für Altwegg taten. Das zeigt, dass es die SVP bei Personenwahlen nach wie vor schwer hat. Daniel Oswald war ein umgänglicher Kandidat mit grosser politischer und Führungserfahrung, trotzdem gelang es ihm nicht, ausserhalb der eigenen Reihen zu punkten. Waren es seine Aussagen zum Klimawandel? Oder das etwas trockene Auftreten? Mehrheitsfähig war der SVP-Kandidat jedenfalls nicht.

Waren es Oswalds Aussagen zum Klimawandel? Oder das etwas trockene Auftreten?

Vor drei Jahren hatten die Bürgerlichen im Stadtrat die Mehrheit übernommen. Nun hätte das Volk diese bürgerliche Regierung weiter stärken können. Es entschied sich jedoch für die Balance, den Ausgleich. Die Grünen sollen als ökologisches Gewissen weiterhin im Stadtrat vertreten sein und ein Gegengewicht setzen können. Insofern ist Altwegg eine gute Wahl für Winterthur. Eine bürgerliche Übermacht hätte in den finanziell schwierigen Zeiten den Druck der Wirtschaft auf den Stadtrat erhöht, weiter zu sparen. Und die jüngsten Beispiele zeigen, dass die Bevölkerung spürbare Sparentscheide wie etwa die Abschaffung der Schulweg-Lotsen oder das Verschwinden von Bänkli, nicht goutiert.

In nicht einmal einem Jahr stehen Gesamterneuerungswahlen an. Auch wenn Ersatzwahlen anders funktionieren, lassen sich aus dem gestrigen Wahlergebnis einige Schlüsse ziehen: Die Bürgerlichen können sich ihrer Mehrheit nicht sicher sein. Und die Wählenden scheinen nicht davon überzeugt, dass eine starke bürgerliche Regierung für Winterthur die beste Wahl ist. Darum müssen sich die Parteien gut überlegen, auf welche Kandidaten sie setzen wollen.

Für Mitte-Links kann es in einem Jahr nur darum gehen, die Mehrheit im Stadtrat wieder zurückzuerobern.


Die SVP macht geltend, sie habe aufgrund des Wähleranteils Anspruch auf zwei Exekutivsitze. Doch gerade weil die SVP bei Personenwahlen oft strauchelt, würde sie mit zwei Kandidierenden womöglich die Abwahl ihres amtierenden Stadtrates riskieren. Die Mitte-links Parteien dagegen haben gesehen, dass ihr Bündnis funktioniert und sie mit einer guten Kandidatur selbst in bürgerlichen Stammlanden Stimmen holen können. Für sie kann es darum in einem Jahr nur darum gehen, die Mehrheit im Stadtrat wieder zurückzuerobern.

Bleiben die Grünliberalen. Auch sie möchten im Stadtrat mitregieren. Doch sie haben ein grosses Problem. Es fehlt ihnen an Verbündeten. Sie wollten sich für den zweiten Wahlgang weder auf Altwegg noch auf Oswald festlegen. Keiner sei überzeugend genug, hiess es. Umgekehrt können sie daher in einem Jahr für eine eigene Kandiadatur ebenfalls von keinem Lager Unterstützung erwarten. Wenn es der GLP nicht gelingt, politische Freunde zu gewinnen, bleibt der Stadtratssitz für sie wohl vorerst unerreichbar. Denn es sind häufig starke Allianzen, die den Sieg davon tragen, und nicht Einzelkämpfer. Das hat der gestrige Wahltag einmal mehr gezeigt.

(Der Landbote)

Erstellt: 02.04.2017, 18:25 Uhr

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