Winterthur

«Ja, aber» zu Teilzeitarbeit bei der Polizei

Polizistinnen und Polizisten arbeiten höchst selten Teilzeit. Gemeinderätinnen wollen das ändern – der Stadtrat will das grundsätzlich auch, sagt aber: «Das ist nicht so leicht.»

Ob für ihn oder sie: Stadtpolizisten und Stadtpolizistinnen werden in den nächsten Jahren langsam an das Modell der Teilzeitarbeit herangeführt.

Ob für ihn oder sie: Stadtpolizisten und Stadtpolizistinnen werden in den nächsten Jahren langsam an das Modell der Teilzeitarbeit herangeführt. Bild: Madeleine Schoder

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Die Zahlen sind eindrücklich: 59 Prozent der städtischen Angestellten arbeiten Teilzeit, bei den Frauen sind es sogar 83 Prozent. Das passt zum Selbstbild der Stadt Winterthur, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern will und jüngst eine eigene Diversity-Strategie verabschiedete.

Weniger gut dazu passen die Kennwerte aus der Stadtpolizei: Von den Polizistinnen und Polizisten arbeiten gerade einmal fünf Prozent Teilzeit, konkret sind es zehn Beamte von 217. An der Front, bei der uniformierten Polizei, gibt es sogar nur zwei Teilzeitstellen. Nun will die Stadt die Teilzeitarbeit bei der Polizei vorsichtig fördern, wie aus der Antwort auf einen parlamentarischen Vorstoss hervorgeht.

«Ein Schrittchen in die richtige Richtung»

Im nächsten Jahr sollen schrittweise sechs Teilzeitstellen mit 60- bis- 80-Prozent-Pensen geschaffen werden, und zwar im Rahmen eines zweijährigen Versuchs. Bei einem positiven Verlauf soll später auch die Einführung tieferer Teilzeitpensen (50 Prozent) geprüft werden.

«Ein mutiger Schritt zur Flexibilisierung der Arbeitszeit sähe anders aus.»Katrin Cometta, 
GLP

GLP-Gemeinderätin Katrin Cometta, die den Vorstoss zusammen mit anderen Parlamentarierinnen von SP, Grünen und EVP eingereicht hatte, spricht von einem «Schrittchen» in die richtige Richtung. «Ein mutiger Schritt zur Flexibilisierung der Arbeitszeit sähe aber anders aus.» Immerhin anerkenne der Stadtrat, dass Teilzeitarbeit auch der Polizei nutzen könne: So könnte der Frauenanteil im Korps erhöht werden und sich damit, so heisst es in der Beantwortung, demjenigen in der Bevölkerung, der «Zielgruppe» der Polizei, annähern.

Aktuell beträgt der Frauenanteil nach eigenen Angaben knapp einen Viertel. Allerdings sei Teilzeitarbeit bei der uniformierten Polizei besonders schwierig zu realisieren, so legt die Regierung dar. Dies darum, weil Polizeipräsenz während 24 Stunden nötig sei, besonders häufig auch in den Abend- und Nachtstunden sowie am Wochenende; dafür brauche es eine «hohe Verfügbarkeit» der Polizeiangehörigen.

Bei Teilzeitarbeit seien zudem viele Fallübergaben nötig, denn zum Patrouillendienst gehörten spätere Sachbearbeitungen dazu. Auch der Kostenaspekt sei zu berücksichtigen: Würden zwei Polizistinnen 50 Prozent arbeiten statt eine 100, würden zwei persönliche Uniformen sowie Dienstwaffen anstelle einer benötigt. Auch müssten Teilzeitangestellte gleich wie Vollzeitangestellte weitergebildet werden.

GLP-Politikerin Cometta, die selbst zu 70 Prozent beim Verein Läbesruum angestellt ist, anerkennt nur bedingt, dass Polizeiarbeit in dieser Hinsicht etwas besonderes sei. «Es stimmt, dass Teilzeitarbeit bei der Polizei zu mehr Übergaben führt und dass die Dienstpläne aufwendiger zu erstellen sind. Jeder Beruf hat aber seine Eigenheiten - wenn man es will, kann man das regeln.»

Auch ein Spital sei beispielsweise ein 24-Stunden-Betrieb, und dort gebe es viele Teilzeitstellen. Insgesamt scheine man bei der Polizei Teilzeitarbeit eher als ein Ärgernis zu betrachten. Bezeichnend sei die Argumentation, kleine Gemeindepolizeien einerseits und grössere Korps wie in Zürich andererseits hätten bessere Voraussetzungen – «nur gerade Winterthur soll die kritische Grösse haben, in der es nicht recht geht».

Teilzeit dann, wenn es viel zu tun gibt

Einen handfesten Nutzen von Teilzeitlern hat die Stadtregierung erkannt: Man könnte sie genau dann einsetzen, wenn es mehr Personal braucht, also in der Nacht, am Wochenende und im «unfriedlichen Ordnungsdienst», etwa bei Fussballspielen. «Grundsätzlich», so heisst es in der Vorstossantwort, «erhöht sich mit Teilzeitstellen die Anzahl Personen im Pool, aus welchem für ausserordentliche Einsätze geschöpft werden kann.»

Cometta sagt dazu, Teilzeitler sollten nicht nur Lückenbüsser sein, sondern ins berufliche Umfeld eingebunden werden und auch Karrieremöglichkeiten haben. Umgekehrt ist sie überzeugt, dass es gerade auch Mütter gibt, die gerne abends und am Wochenende arbeiten, während der Vater zu Hause zu den Kindern schaut.

(Der Landbote)

Erstellt: 29.12.2017, 16:18 Uhr

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