Bundesgericht

Jahrelanger Rechtsstreit unter Nachbarn

Fast drei Jahre lang wehrten sich Villenbesitzer juristisch gegen eine integrative Kindertagesstätte mit gesunden und behinderten Kindern im Hof hinter der Villa Sträuli. Jetzt hat das Bundesgericht den Streit entschieden.

Hof und Waschhaus hinter der Villa Sträuli.

Hof und Waschhaus hinter der Villa Sträuli. Bild: Marc Leutenegger

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Menschen mit Behinderung zu unterstützen, ist das Ziel der Buchmann-Kollbrunner-Stiftung. Kunst zu fördern, ist die Aufgabe der Stiftung Sulzberg. Beide Institutionen sind schon lange Nachbarn und auch historisch miteinander verbunden.

Ihre Grundstücke stossen im Hof hinter der Villa Sträuli aneinander. Dort steht auch ein altes Waschhaus, das mit einem Garagengebäude zusammengebaut ist. Viel Umschwung hat das kleine Gebäude - und mit diesem Raum kam den Stiftungen die Idee für ein neues Gebäude.

Die Stiftung Sulzberg wollte darin einen Atelier- und Ausstellungsraum unterbringen, die Buchmann-Kollbrunner-Stiftung eine Kindertagesstätte, in der gesunde und behinderte Kinder gemeinsam aufwachsen.

«Der Rekurs ist das gute Recht unserer Nachbarn.»Roger Girod, Präsident und Geschäftsführer der Stiftung Sulzberg

Aus einem Architekturwettbewerb war das Projekt «Sprössling» als Sieger hervorgegangen: ein kreuzförmiger eingeschossiger Bau mit einer zweigeschossigen Passage anstelle von Waschhäuschen und Garage. So stellten die Stiftungen das Projekt auch den Medien und der Öffentlichkeit vor, vor dreieinhalb Jahren.

Heute stehen, etwas krumm schon, noch immer die Bauvisiere im Hof. Grund dafür ist ein langer Rechtsstreit. Drei Anstösser hatten die Baubewilligung angefochten und ihre Beschwerde bis vors Bundesgericht gebracht. Der Entscheid, der in diesen Tagen publiziert wurde, stützt nun das Bauprojekt der Stiftungen. Wie schon die Vorinstanzen.

Eine deutliche Niederlage

Vorgebracht hatten die Rekurrenten zuletzt vor allem denkmalpflegerische Bedenken, etwa dass durch den Neubau der Schutzvertrag von 1998 für die inventarisierte Villa Sträuli verletzt werde. Das werde er nicht, befand nun auch das Bundesgericht. Denn der geplante Gebäudetrakt werde überwiegend eingeschossig ausgeführt, so wie das der Schutzvertrag vorsehe.

«Wir wollen etwas mehr Leben auf das Areal bringen.»Thomas Fries, Präsident und Geschäftsführer der Buchmann-Kollbrunner-Stiftung

Weiter heisst es in dem Entscheid, der Neubau ordne sich den stattlichen umliegenden Villen durch die geringere Bauhöhe unter. Das Volumen des Baus sei durch die drei Trakte nicht in seiner Gesamtheit erfassbar. Und auch den Grünraum, der in der Quartiererhaltungszone Geiselweid-Lindstrasse besonderen Schutz geniesst, sieht das Bundesgericht nicht gefährdet.

Die juristische Niederlage ist deutlich. So deutlich, dass die Frage aufgeworfen wird, ob für den Rekurs tatsächlich bauhistorische Bedenken treibend waren. Thomas Fries, Präsident und Geschäftsführer der Buchmann-Kollbrunner-Stiftung, und Roger Girod, Präsident und Geschäftsführer der Stiftung Sulzberg, wollen darüber nicht diskutieren. «Der Rekurs ist das gute Recht unserer Nachbarn», sagt Girod. Die Stiftungen wiederum nähmen ihren Auftrag war. «Der kollidiert vielleicht einmal mit den Wohnbedürfnissen der Nachbarn.»

«Ich glaube, sobald der Betrieb läuft, werden sich die Bedenken legen.»Roger Girod

Erleichtert seien sie und die Freude sei gross, sagen die Präsidenten. Aber der Umweg über die Gerichte hat Zeit und Geld gekostet. Das Projekt soll jetzt wie geplant umgesetzt werden, drei Viertel des Hauses wird die Kita belegen, ein Viertel das neue Atelier. «Wir wollen etwas mehr Leben auf das Areal bringen», sagt Fries, dessen Urgrossvater Carl Sträuli-Haggenmacher die Villa Sträuli einst gebaut hatte, wie auch die Sträulistrasse 4 und 8 sowie das besagte Waschhaus.

Der Betrieb, sagt Girod, werde keinen negativen Einfluss auf die Nachbarn haben. «Uns liegt viel an einer guten Nachbarschaft, wir werden Rücksicht nehmen. Ich glaube, sobald der Betrieb läuft, werden sich die Bedenken legen.» Die Tagesstätte und die Anfahrt sind zur Theaterstrasse orientiert, sie liegen weitab von den Nachbarvillen.

Bausitzung im März

Einen Zeitplan für den Neubau gibt es noch nicht. Im März wird die Baukommission der Stiftungen mit den Architekten zusammensitzen und die Planung wieder aufgreifen, mit dem Ziel das der «Sprössling» bald spriesst.

Erstellt: 24.02.2019, 17:03 Uhr

Stiftung Sulzberg ordnet Finanzen und Leistungen neu

Die Stiftung Sulzberg ist dabei, sich neu aufzustellen und einige ihrer Leistungen zu überdenken, um ihre langfristige finanzielle Gesundheit sicherzustellen. Der Stiftungsrat sei auf einem sehr guten Weg, versichert Präsident Roger Girod. «Wir sind zuversichtlich, dass wir die Finanzierung gut hinkriegen.» Die Stiftung Sulzberg betreibt heute die Villa Sträuli mit Bistro und Kulturveranstaltungen sowie drei Atelierräumen und vermietet weitere externe Ateliers. Sie vergibt Kunststipendien und stellt die Ateliers in der Villa Sträuli Künstlern gratis zur Verfügung. Der Neubau im Hof (Haupttext) sei durch die Neuregelung der Finanzen nicht gefährdet, sagt Girod. Im Gegenteil, er gehöre zur Strategie, die Villa Sträuli lokal und international noch besser als Kompetenzzentrum für Atelierräume zu positionieren. (mcl)

Stiftung Sulzberg ordnet Finanzen und Leistungen neu

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