Winterthur

«Jenseits»: Stadtrat Fritschi ist sauer auf die eigene Belegschaft

Die Reorganisation bei Stadtwerk lässt die Wogen hochgehen, nun ist eine Aussprache angesetzt.

«Ich akzeptiere die Art und Weise nicht, wie diese Vorwürfe nun über die Medien vorgebracht werden», sagt Stadtrat Stefan Fritschi.

«Ich akzeptiere die Art und Weise nicht, wie diese Vorwürfe nun über die Medien vorgebracht werden», sagt Stadtrat Stefan Fritschi. Bild: Archiv Madeleine Schoder

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«Undemokratisch, hinterhältig, intransparent, respektlos»: Die Vorwürfe im Positionspapier der Gewerkschaft VPOD, das in Zusammenarbeit mit Teilen der Stadtwerk-Belegschaft entstand, haben es in sich. Laut Mattia Mandaglio vom VPOD hat sich vergangene Woche praktisch die ganze Belegschaft der Haustechnik versammelt um die Vorwürfe zusammenzutragen. «Es gibt viel Verärgerung und Verunsicherung», sagt Mandaglio.

Anlass für die unverblümte Wut ist die kürzlich vom «Landboten» publik gemachte Reorganisation beim Energieversorger Stadtwerk. Interne Dokumente zeigten, dass die Unternehmensführung den Bereich Haustechnik mit 21 Mitarbeitern per Ende Jahr auflösen will. Bereits seit dem 1. Mai ist die Haustechnik dem Bereich Energie Contracting unterstellt. Der Gemeinderat wurde über diese und weitere Änderungen noch nicht informiert.

Vorwurf der «Sabotage»

Der VPOD wirft der Stadtwerk-Führung sowie Stadtrat Stefan Fritschi (FDP) nun in seinem dreiseitigen Papier vor, man habe «eifrig hinter den Kulissen gearbeitet, um die zuständigen Instanzen vor vollendete Tatsachen zu stellen». Bezüglich Transparenz und eigenmächtigem Vorgehen seien «keine Lehren aus der Wärmering-Affäre» gezogen worden. Die Reorganisation sei unbegründet und hinterhältig: Seit Jahren lasse man die Haustechnik gezielt «ausbluten» und spekuliere nun auf freiwillige Abgänge. Dass im Sanitär-Bereich bereits ein Auftragsstopp stattfinde, sei «Sabotage».

Damit nicht genug. So sei der Umgang mit den Betroffenen «skandalös», da sie wenig und zum Teil sogar falsch informiert worden seien. Der VPOD fordert im Namen des Haustechnik-Personals nun die Sistierung der Reorganisation und eine transparente Information.

«Ich akzeptiere das nicht»

Das inhaltlich und sprachlich scharfe Papier wurde am Donnerstag dem «Landboten» zugestellt. Stefan Fritschi erfuhr davon erst, als er von der Redaktion mit den Vorwürfen konfrontiert wurde. Er bezeichnet das Vorgehen der Belegschaft und des VPOD auf mehreren Ebenen als inakzeptabel: «Nur schon die Wortwahl ist jenseits, in diesem Ton würde ich nie mit einem Mitarbeitenden sprechen, da habe ich zu viel Respekt vor meinen Mitmenschen.»

Dass das Papier zuerst beim «Landboten» landete, sei enttäuschend: «Ich akzeptiere die Art und Weise nicht, wie diese Vorwürfe nun über die Medien vorgebracht werden», sagt Fritschi. «Wir haben bei Stadtwerk eine offene Kommunikation, erst vergangenen Dienstag bin ich mit drei Angestellten der Haustechnik im guten Einvernehmen zusammengesessen.»

Inhaltlich spricht Fritschi von «haltlosen Unterstellungen». Der Bereich Haustechnik schreibe seit 2010 schlechte Zahlen. Laut kantonalen Vorgaben dürfe ein Eigenwirtschaftsbetrieb aber nur fünf Jahre lang negative Betriebsreserven aufweisen. «Wir sind jetzt im neunten Jahr und mussten wegen der Haustechnik schon mehrmals mit dem Bezirksrat diskutieren», sagt Fritschi. «Wenn wir nun intern reorganisieren und einige Arbeitsplätze innerhalb von Stadtwerk verschieben, dann ist das völlig legitim.»

Die Haustechnik-Belegschaft ist nun von Fritschi zu einer Aussprache beordert worden, die am Montagmorgen um 7 Uhr stattfindet. «Ich will einen produktiven Austausch. Und wenn jemand mit den Bedingungen gar nicht einverstanden ist, dem sage ich: Niemand ist verpflichtet bei uns zu arbeiten.» Klar sei aber auch weiterhin, dass Stadtwerk im Rahmen der Reorganisation keine Kündigungen aussprechen werde.

Erstellt: 05.07.2019, 15:14 Uhr

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